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Missbrauchsfall Lügde

Landrat Bartels räumt ein: Jugendamt Hameln-Pyrmont manipulierte Akte

Tjark Bartels (SPD), Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont

Tjark Bartels (SPD), Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont

Hameln.Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) hat der Hamelner Landrat Tjark Bartels (SPD) Fehler in seiner Behörde eingeräumt. Der Leiter des Jugendamtes habe nachträglich Änderungen an der Akte der Pflegetochter des Hauptverdächtigen Andreas V. vorgenommen. Es seien hauptsächlich Zusammenfassungen hinzugefügt worden, die dem Leser der Akte einen "verschönernden Eindruck" vermitteln, sagte Bartels am Dienstag in Hameln.

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Ende 2018 war bekannt geworden, dass der Pflegevater auf dem Campingplatz Kinder sexuell missbraucht haben soll, darunter auch seine Pflegetochter. Zwei weitere Männer sitzen wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie in Untersuchungshaft. Es handelt sich dabei um einen 33-Jährigen aus Steinheim in Nordrhein-Westfalen und einen 48-Jährigen aus Stade in Niedersachsen. Bislang sind 31 minderjährige Opfer identifiziert. Es geht um mehr als 1000 Einzeltaten.

Jugendamt erkannte pädagogische Defizite

Zum Zeitpunkt der Änderungen im Dezember 2018 habe der Jugendamtsleiter bereits Kenntnisse von den Missbrauchsfällen gehabt, weshalb sein Handeln falsch gewesen sei, sagte Bartels. Der Leiter sei derzeit freigestellt. Das Jugendamt Hameln hatte den Hauptverdächtigen in dem Ende 2018 bekanntgewordenen Missbrauchsfall Anfang 2017 auf Wunsch der Mutter als Pflegevater eines kleinen Mädchens eingesetzt. Weil es pädagogische Defizite gab, sei der Mann wöchentlich von einem Träger der Familienhilfe besucht worden.

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Mit der Aktenmanipulation sollten offenbar Vorgänge in der Behörde geschönt werden. Das Jugendamt hatte einen Dienstleister beauftragt, den Mann wöchentlich auf dem Campingplatz zu besuchen. Der Dienstleister sei ausgetauscht worden, weil ein Mitarbeiter der Familienhilfe bemängelt hatte, dass der Pflegevater pädagogische Ratschläge nicht angenommen habe. Im Frühjahr 2018 hatte es durch den Wechsel eine Lücke in der Betreuung des Pflegevaters gegeben.

Eintrag rückdatiert

In der Zeit des Wechsels habe es acht Wochen gegeben, in der nur „sehr unregelmäßig“ Besuche bei der Familie stattgefunden hätten, erklärte Bartels. Den Ablauf dieses Wechsels habe der Leiter des Jugendamtes im Dezember zusammengefasst, den Text zu der Akte hinzugefügt und den Eintrag auf den 20. Juni rückdatiert. „Ich glaube, dass wir es besser hätten begleiten sollen. Ich glaube aber nicht, dass wir diesen sexuellen Missbrauch erkannt hätten“, sagte Bartels. Er betonte, dass die nachträglichen Änderungen nicht falsch sein. Die Passagen würden Inhalte zusammenfassen, die sich so auch in anderen Unterlagen der Akten fänden.

Land soll Personal in Jugendämtern aufstocken

Der Landrat appellierte an das Land, die finanzielle Ausstattung der Jugendämter anzuheben. Bereits jetzt seien Mitarbeiter zu 60 Prozent mit der Dokumentation der Fälle beschäftigt. Trotzdem komme es wie in diesem Fall vor, dass die Verschriftlichung zu kurz komme. Die „unendliche Anzahl von Vermerken“, die bei komplexen Entscheidungen anfielen, seien mit dem Personalstamm kaum zu bewältigen.

Hinweise auf Missbrauch ignoriert?

Das Jugendamt Hameln-Pyrmont steht seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Kritik, weil es im Frühjahr 2017 entschieden hatte, das heute achtjährige Mädchen bei dem Hauptverdächtigen auf dem Campingplatz wohnen zu lassen – obwohl es bereits im Jahr 2016 zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch gegeben haben soll. In den Akten, die der Leiter geändert hat, hätten sich aber keine Hinweise auf einen Missbrauch gefunden, beteuerte Bartels. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt derzeit gegen Jugendamtsmitarbeiter und Polizeibeamte.

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Von Lisa Neugebauer

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