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Arbeitszeit an Schulen

Lehrer leisten 10 Millionen unbezahlte Überstunden

Die GEW-Vorsitzende Laura Pooth will die Millionen unbezahlter Überstunden der Lehrer anmahnen, am Pfingstsonntag werden nach ihren Angaben zehn Millionen erreicht.

Die GEW-Vorsitzende Laura Pooth will die Millionen unbezahlter Überstunden der Lehrer anmahnen, am Pfingstsonntag werden nach ihren Angaben zehn Millionen erreicht.

Hannover. Lehrer leisten seit Jahren Millionen Überstunden, die weder zeitlich noch finanziell ausgeglichen werden. Am Mittwoch hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hannover eine „Überstunden-Uhr der Lehrkräfte“ vorgestellt. Am Pfingstsonntag um 13.28 Uhr werde die Zehn-Millionen-Marke überschritten werden, sagte die GEW-Vorsitzende Laura Pooth. Diese unbezahlte Mehrarbeit hätten die rund 45.000 Pädagogen an Grundschulen, Gymnasien und Gesamtschulen seit Amtsantritt der Großen Koalition im November 2017 geleistet.

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An Gymnasien drei Überstunden die Woche

Die Zahl basiert auf einen gemittelten Wert der repräsentativen Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen, die die GEW 2015 in Auftrag gegeben hatte. Ein Schuljahr lang hatten rund 3000 Lehrer minutengenau ihre Arbeitszeit erfasst. Herausgekommen war, dass Lehrer deutlich länger arbeiten als sie müssten. An den Gymnasien leisten die Pädagogen im Schnitt drei Stunden und fünf Minuten Mehrarbeit pro Woche, an den Grundschulen etwa eine Stunde und 20 Minuten. Im Schnitt liegt die Mehrarbeit bei einer Stunde und 40 Minuten pro Woche.

Seitdem sei die Belastung der Lehrer durch zunehmende Inklusion und Zuwanderung eher gestiegen als gesunken, betonte Pooth. Die Entlastungsmaßnahmen von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) wie etwa die Abschaffung der Vergleichsarbeiten Vera 3 und 8 wirkten kaum. „Wer die bisherigen Kleinstentlastungen für wirkungsvoll hält, glaubt auch, das Kaugummi sei eine ganze Mahlzeit.“

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Weniger Unterricht für Grundschullehrer gefordert

Pooth sagte, Lehrer arbeiteten seit Jahren am Limit. "Viele Kolleginnen und Kollegen leiden darunter, dass sie ihren Schülern nicht mehr gerecht werden können." Der Kultusetat müsse dringend erhöht werden, das hatten mehrere Bildungsverbände jüngst auch von Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) gefordert. Immer mehr Pädagogen wanderten in Nachbarländer ab, da sie weniger unterrichten müssten und dort nach A 13, nicht nach A 12 bezahlt würden.

Pooth mahnte, dass die Zahl der Krankheitsfälle und Frühpensionierungen steige. Minister Tonne müsse endlich die Empfehlungen der Arbeitszeitkommission umsetzen: "Die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung für Grundschullehrer muss von 28 auf 27 Stunden sinken, für die anderen Schulen muss es individuelle Entlastungsstunden geben für Lehrer, die Sonderaufgaben wie die Leitung einer Klasse oder einen korrekturintensiven Oberstufenkurs im Abi haben."

13 Klagen vor Verwaltungsgerichten anhängig

Die GEW wolle politisch weiter für die Senkung der Lehrerarbeitszeit kämpfen, kündigte Pooth an. Das tut die Gewerkschaft aber auch juristisch: Zurzeit lägen bei Verwaltungsgerichten in Hannover, Braunschweig und Osnabrück 13 Klagen von Lehrern und Schulleitern wegen überzogener Arbeitsbelastung vor.

Von Saskia Döhner

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