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Bistum Hildesheim

Neuer Missbrauchsvorwurf gegen Altbischof Janssen

„Das ist auch unsere Frage“: Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer.

„Das ist auch unsere Frage“: Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer.

Hildesheim.Ein früherer Messdiener in Hildesheim erhebt neue, schwere Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen. Die Schilderungen des früheren Heimkindes wecken den Verdacht, dass es im Bistum ein regelrechtes System gab, in dem Priester dem Bischof potenzielle Missbrauchsopfer zuführten.

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Das mutmaßliche Opfer, ein Mann, heute Mitte 70, zu dessen Wohnort das Bistum keine Angaben machte, hatte sich auf ein öffentliches Gesprächsangebot des heutigen Bischofs Heiner Wilmer an Opfer sexueller Gewalt gemeldet.

„Ich kann ihn nicht gebrauchen“

Er stellte sich als früherer Bewohner der katholischen Kinderheime Bernwardshof in Himmelsthür und Johannishof in der Hildesheimer Nordstadt vor. Der Mann beschrieb, wie ihn der damalige Leiter des Bernwardshofs, ein Priester, Ende der Fünfzigerjahre mit dem Auto zu Bischof Janssen brachte. Dort habe er sich nackt ausziehen müssen. Dann habe ihn Janssen aber mit den Worten „Ich kann ihn nicht gebrauchen“ wieder weggeschickt. Der Leiter des Kinderheims habe den Jungen daraufhin zum Bernwardshof zurückgefahren.

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Auch dem Heimleiter sowie einem Kaplan am Johannishof wirft der frühere Messdiener vor, sie hätten ihn sexuell missbraucht. Beide Männer sind bereits verstorben, dem Bistum aber durch Aussagen anderer früherer Heimbewohner als mutmaßliche Missbrauchstäter bekannt.

Bischof Heiner Wilmer stufte die Schilderungen des heute mehr als 70 Jahre alten Mannes als glaubhaft ein. „Es zerreißt mir das Herz“, sagte Wilmer laut einer Mitteilung des Bistums vom Dienstag. Erst am Sonntag hatte der Mann ihm seine Erlebnisse geschildert.

Wilmer will nun schnellstmöglich externe Experten mit einer Untersuchung beauftragen. Dabei denke er an „Kriminologen, Forensiker und Historiker“. Das Team solle möglichst bis Ende nächster Woche stehen und versuchen, den Fall selbst und die damaligen Umstände so weit wie möglich aufzuklären.

10 000 Euro als Anerkennung

Vor viereinhalb Jahren hatte ein anderer früherer Messdiener die ersten öffentlichen Missbrauchsvorwürfe gegen Janssen erhoben. Der Bischof habe ihn mehr als vier Jahre lang immer wieder missbraucht. Das Bistum stufte den Bericht damals als plausibel ein und zahlte dem Mann 10 000 Euro als „Anerkennung des Leids“, betonte aber zugleich, dies sei kein Schuldeingeständnis.

Als später eine Frau angab, als Zweijährige von Janssen missbraucht worden zu sein, wies das Bistum dies hingegen als unglaubwürdig zurück. Die Autoren eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im Bistum Hildesheim kamen 2017 zu dem Schluss, die Vorwürfe gegen Janssen würden sich nach so langer Zeit nicht mehr beweisen oder widerlegen lassen.

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Gefragt, ob die Schilderungen des mutmaßlichen Opfers auf eine pädophil-kriminelle Organisation am Domhof in Janssens Amtszeit schließen ließen, sagte Wilmer: „Das ist auch unsere Frage. Die Möglichkeit liegt nahe, wenn der Messdiener wirklich abgeholt, hingefahren und wieder weggefahren wurde.“

Von Tarek Abu Ajamieh

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