Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Konflikt mit Moscheeverband Ditib

Niedersachsen schränkt Zusammenarbeit mit Imamen ein

Aus der Türkei entsandte Imame sollen in der Gefangenenseelsorge nicht mehr arbeiten.

Aus der Türkei entsandte Imame sollen in der Gefangenenseelsorge nicht mehr arbeiten.

Hannover.Niedersachsen will die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen türkischen Moscheeverband Ditib in einem den sensiblen Bereich einschränken – in der Gefangenenseelsorge. Regierungssprecherin Anke Pörksen kündigte hierüber am Freitag Gespräche mit dem Moscheeverband an.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Konkret geht es um drei aus der Türkei nach Deutschland entsandte Imame, die als Seelsorger auch in niedersächsischen Gefängnissen tätig sind. Sie würden dort zwar auf deutsch ihre Freitagspredigten halten, aber auf Bedarf auch auf arabisch oder türkisch predigen sowie Gespräche mit den Insassen komplett auf türkisch führen. Hierin sieht die Landesregierung ein Risiko für eine mögliche Einflussnahme der Türkei.

Die Einschränkung der Zusammenarbeit mit der Ditib ist eine der Folgen der Turbulenzen, die Ende vergangenen Jahres der Rücktritt des langjährigen Ditib-Vorsitzenden Yilmaz Kilic ausgelöst hat. Kilic hatte dies mit der wachsenden Einflussnahme der türkischen Religionsbehörde auf seinen Verband begründet. Die Landesregierung hatte daraufhin eine Überprüfung der Zusammenarbeit mit diesem Moscheeverband angekündigt, der auch in Beiräten einiger Ministerien vertreten ist, in denen es etwa um den islamischen Religionsunterricht oder das Studium der Islamwissenschaft in Osnabrück geht.

Neuer Verband wird gegründet

Auch das Innenministerium arbeitet im Präventionsbereich gegen den Islamismus mit der Ditib zusammen. Bis auf die Justiz hätten alle Ressorts eine weitere Zusammenarbeit mit der Ditib begrüßt, erklärte Pörksen, zumal in diesen Beiräten keine von der Türkei entsandten Imame säßen, sondern Personen, mit denen sich zum Teil ein über die Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis ergeben habe, sagte Pörksen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Während das Land seine Zusammenarbeit mit der Ditib einschränkt, bekommt es auf muslimischer Seite einen neuen Ansprechpartner. So wird der frühere Vorsitzende des zweiten größeren Islamverbandes Schura, Avni Altiner, am Sonnabend einen neuen Verband gründen, der völlig unabhängig von der Türkei und etwa der Gruppe Mili Görus sein soll. Der Verband soll nach Altiners Worten „Muslime in Niedersachsen“ heißen, sich aus neun Moscheegemeinden sowie Jugend- und Frauenverbänden zusammensetzen.

„Unser Ziel ist es, dass langjährige Fortschritte, die wir in den letzten Jahrzehnten erreicht haben, jetzt nicht verloren gehen“, sagte Altiner. Er nannte als Beispiele die Fortsetzung und den Ausbau des islamischen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen, das Islamwissenschaftliche Institut in Osnabrück und die Gefangenenseelsorge. Altiner betonte, er sei kein Spalter, sondern ausschließlich an den Interessen der in Niedersachsen lebenden Muslime orientiert. Die Landesregierung erklärte, sie verfolge „mit Interesse“ die Bildung dieses neuen Verbandes, mische sich aber in religiöse Angelegenheiten nicht ein.

Von Michael B. Berger

Mehr aus Der Norden

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.