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Karl-Wilhelm ter Horst

Pastor bietet Puigdemont Asyl in seinem Haus an

Den Kirchenrat erst gar nicht gefragt: Pastor Karl-Wilhelm ter Horst bekundet  Solidarität mit dem Katalanen.

Den Kirchenrat erst gar nicht gefragt: Pastor Karl-Wilhelm ter Horst bekundet Solidarität mit dem Katalanen.

Nordhorn.Es ist ein symbolischer Akt – doch Karl-Wilhelm ter Horst ist er wichtig: Der evangelische Pastor hat dem in Deutschland festgenommenen ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont Asyl in seinem Privathaus angeboten: „Ich stelle mein Haus zur Verfügung und bewege mich damit ausdrücklich in der Tradition des Kirchenasyls“, sagt der 68-jährige pensionierte Pfarrer der reformierten Kirchengemeinde Schüttorf (Grafschaft Bentheim).

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Er übernehme dafür allein die Verantwortung und habe nicht erst einen Kirchenrat mit der Sache befassen wollen, betonte ter Horst. Das Angebot habe er in der Grafschaft Bentheim bereits in der vergangenen Woche bekannt gemacht und viel Beifall dafür erhalten.

Der Pfarrer, der noch ehrenamtlich aktiv ist, will damit nach eigenen Angaben symbolisch seine Solidarität mit Puigdemont bekunden. Dabei stehe er dessen Ziel, der Abspaltung Kataloniens von Spanien, durchaus skeptisch gegenüber. Der Katalane sei aber aus seiner Sicht ein politischer Häftling. „Das ist eine Schande für Deutschland. Ich schäme mich dafür.“ Noch schlimmer wäre es, wenn Puigdemont tatsächlich ausgerechnet von Deutschland ausgeliefert würde, sagte ter Horst. In Belgien, Finnland und der Schweiz sei er unbehelligt geblieben.

Puigdemont war nach der Absetzung seiner katalanischen Autonomie-Regierung durch die spanische Regierung geflohen und hatte sich in mehreren europäischen Staaten aufgehalten. Aufgrund eines europäischen Haftbefehls wurde er am 25. März in Deutschland verhaftet und in der Justizvollzugsanstalt Neumünster in Schleswig-Holstein festgesetzt. Die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig hat einen Auslieferungshaftbefehl beantragt. Darüber muss nun das Oberlandesgericht entscheiden. Ter Horst betonte, er sehe es als seine christliche Pflicht an, Flagge zu zeigen.

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Beifall hat ter Horst nach seinen Worten nicht nur aus der Gemeinde, sondern auch von der Sängerin und Schauspielerin Nina Hagen erhalten. Sie habe ihn angerufen und Unterstützung zugesagt. Hagen ist Mitglied der Schüttorfer Gemeinde. Ter Horst hatte sie 2009 getauft, nachdem sie durch sein jahrelanges friedenspolitisches Engagement und seine Unterstützung für Kriegsdienstverweigerer auf ihn aufmerksam geworden war. Er gehe im Übrigen nicht davon aus, dass Puigdemont sein Angebot tatsächlich annehme, sagte der Pastor. Er werde wohl kaum aus dem Gefängnis fliehen. Mit einer Reaktion des Katalanen rechne er aber durchaus.

Puigdemont hat gestern im Gefängnis in Neumünster Besuch von seiner Ehefrau erhalten. Marcela Topor kam um 11.45 Uhr in Begleitung des Unternehmers Josep Maria Matamala, der Puigdemont unterstützt. Sie begrüßte die Journalisten vor der Justizvollzugsanstalt, äußerte sich aber nicht weiter.

Von Martina Schwager

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