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Politik sieht nach Urteil Ende von Glyphosat

Das von Monsanto hergestellt Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Die Bayer-Tochter Monsanto ist im ersten Prozess wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Roundup zu einer hohen Schadensersatzzahlung verurteilt worden.

Das von Monsanto hergestellt Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat. Die Bayer-Tochter Monsanto ist im ersten Prozess wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken seines Unkrautvernichters Roundup zu einer hohen Schadensersatzzahlung verurteilt worden.

Hannover.Seit Jahren wird in ganz Europa über die Zulassung von Glyphosat gestritten. Das Urteil eines US-Gerichts gegen den Saatgutkonzern Monsanto wegen verschleierter Gefahren des Wirkstoffs könnte das Ende des umstrittenen Pflanzenschutzmittels einläuten. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht in dem Urteil eine deutliche Signalwirkung. „Die Akzeptanz für den Einsatz von Glyphosat ist hiermit endgültig verschwunden“, sagte Lies der HAZ. Der Wirkstoff müssen jetzt so schnell wie möglich aus der Natur verschwindet. „Uns geht es um den Erhalt der Artenvielfalt, unsere Insektenbestände, den Vogelschutz und die Nahrungsmittelproduktion.“

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Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) betonte, dass an Alternativen gearbeitet werden müsse – gemeinsam mit der Landwirtschaft. „Jedem muss klar sein, dass die Zeit für Glyphosat abläuft“, sagte Otte-Kinast der HAZ. In Niedersachsen ist der Einsatz auf nicht-landwirtschaftlichen Flächen seit 2015 stark eingeschränkt.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte sieht im Urteil ein „schrillendes Alarmsignal“. Es sei vermutlich nur der Anfang einer Vielzahl an erfolgreichen Klagen. „Die CDU im Bund und im Land muss endlich ihre Pro-Glyphosat-Position aufgeben.“ Das SPD-geführte Bundesumweltministerium verwies auf den Koalitionsvertrag. Danach sei die Anwendung von Glyphosat grundsätzlich bis 2021 zu beenden.

Die EU-Kommission hatte im Dezember 2017 beschlossen, das Mittel grundsätzlich weitere fünf Jahre auf dem Markt zu lassen. Die Kommission sieht keine Verbindung zwischen der Chemikalie und Krebserkrankungen bei Menschen. Das Landvolk Niedersachsen wollte sich zum Urteil nicht äußern, verwies aber auf Bewertungen von Regulierungsbehörden, nach denen der Einsatz von Glyphosat als Unkrautvernichtungsmittel kein Risiko sei.

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Ein US-Gericht hatte am Freitagabend Monsanto zu 289 Millionen US-Dollar (254 Mio Euro) Schadenersatz an einen Krebspatienten verurteilt, der Glyphosat für sein Leiden verantwortlich macht. Das hat für einen herben Kurseinbruch bei der Bayer-Aktie gesorgt. Der Wert sackte am Montag zeitweise um rund 13 Prozent auf 80,43 Euro. Bayer steckt derzeit mitten in der Übernahme des Saatgutriesen aus den USA.

Alleine in den USA laufen mehr als 4000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die die Entscheidung vom Freitagabend wegweisend sein könnte. Das Vorgehen der US-Richter widerspreche „bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit“, teilte ein Bayer-Sprecher am Montag mit. Monsanto kündigte Rechtsmittel an.

Drastische Worte fand der französische Umweltminister Nicolas Hulot. „Das ist der Anfang vom Ende der Arroganz dieses verfluchten Paars Monsanto-Bayer“, sagte er in einem Interview der Zeitung „Libération“. Das Urteil mache sichtbar, dass es Monsantos verstecktes Ziel sei, „die Nahrungsressourcen des Planeten zu schröpfen“.

Von Marco Seng

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