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Streit um Einschulungsalter

Sollten Kinder mit fünf Jahren eingeschult werden?

ARCHIV - In der 1b an der Grundschule «John Brinckman» in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) begrüßt Lehrerin Birgit Draack am 05.09.2016 ihre Schüler. Die Sorge der Linken im Landtag um den Fortbestand jeder fünften Grundschule im Land ist nach den Worten von Bildungsministerin Hesse (SPD) «Panikmache». (zu dpa «Bildungsministerin: Keine Grundschule ist gefährdet» vom 6.12.2016) Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Hannover.Eltern, Pädagogen und Erzieher in Niedersachsen fordern, Kinder wieder später einzuschulen. In einer Online-Petition haben sich landesweit 20 638 Menschen gegen die obligatorische Früheinschulung vor dem sechsten Geburtstag ausgesprochen. Am Donnerstag wurde im Kultusministerium die Unterschriftenliste überreicht.

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Seit 2012 müssen in Niedersachsen in der Regel alle Kinder in die Schule, die in dem laufenden Jahr bis zum 30. September sechs Jahre alt werden. Zuvor war der Stichtag der 30. Juni gewesen. Nach den schlechten Ergebnissen bei der Pisa-Studie hatten einige Bundesländer begonnen, den Stichtag für die Einschulung schrittweise nach hinten zu schieben. So sollten bessere Lernergebnisse erreicht werden.

Von dem ursprünglichen Ziel, alle Kinder einzuschulen, die im Laufe des Kalenderjahres sechs Jahre alt werden, sind inzwischen aber fast alle Länder wieder abgerückt. Nur Berlin dehnte den Stichtag bis zum 31. Dezember aus, kehrt in diesem Jahr aber ebenfalls zum 30. September zurück, weil immer mehr Eltern ihr Kind lieber ein Jahr länger in der Kita ließen, statt es schon mit fünfeinhalb Jahren einzuschulen. Niedersachsen gehört zu den sechs Ländern, die den 30. September als Stichtag haben, acht andere sind beim 30. Juni geblieben.

Vielen Eltern in Niedersachsen ist auch der Stichtag 30. September in Dorn im Auge. „Weil das Schuljahr schon Anfang August beginnt, sind viele Erstklässler nicht sechs, sondern über Wochen noch fünf Jahre alt“, kritisiert Anne-Mareike Kahrs, Sprecherin der Initiative gegen Früheinschulung. Die Mutter aus Sittensen (Kreis Rotenburg/Wümme) hat einen Sohn, der mit fünf Jahren eingeschult worden ist und mittlerweile die vierte Klasse besucht. „Die Kinder werden immer jünger, aber die Anforderungen sind gleich geblieben“, moniert Mitstreiterin Imke Kuhlmahn.

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Ramona Leps, Erzieherin aus Oyten bei Bremen, kritisiert, dass viele Kita-Kinder mit Ergotherapie und Logopädie fit für den Schulanfang gemacht würden: „Diese Kinder haben gar keinen Förderbedarf, sie brauchen einfach Zeit für ihre Entwicklung. Aber die wird ihnen genommen.“ Auch viele Schulleiter und Psychologen sehen einen frühen Schulstart kritisch. Gerade für Jungen, die sich bis zur Pubertät langsamer als Mädchen entwickelten, sei dies schwierig, sagt Eva Busch, Leiterin des Winnicott-Instituts in Hannover.

Eine Sprecherin des Kultus­ministeriums sagte, man habe die Forderung der Eltern, den Stichtag wieder auf den 30. Juni zu legen, zur Kenntnis genommen. Nun sei es Sache der Abgeordneten, sich damit auseinanderzusetzen.

Während der Schulstart mit fünf Jahren ein Garant für mehr Lernerfolg sein sollte, findet inzwischen ein Umdenken statt. In Finnland, dem Pisa-Siegerland, werden Kinder erst mit sieben Jahren eingeschult.

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