Ökosystem

Wildtiere finden den Weg zurück nach Südniedersachsen

Ein Luchs wurde von einer Wildtierkamera in der Region Solling fotografiert.

Ein Luchs wurde von einer Wildtierkamera in der Region Solling fotografiert.

Uslar. Im Weserbergland ist der Luchs zurück. Ähnliches gilt für eine Menge weiterer Wildtiere. Immer mehr ursprünglich heimische Tiere finden den Weg zurück nach Südniedersachsen. Naturschutzverbände und Waldbesitzer begrüßen die Entwicklung. Noch ist der neue Bestand aber nicht stabil, weil der genetische Austausch mit anderen Populationen oft fehlt.

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Im Weserbergland gab es in den vergangenen Jahren vermehrt Sichtungen von Luchsen und Wildkatzen. Mittlerweile sei etwa die Wildkatze wieder von Hann. Münden im Süden über den Solling und den Harz bis Salzgitter und Nienburg an der Weser heimisch, wie der Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen, Matthias Freter, sagte. Auch Luchse sind in der Region wieder zu Hause: „2016 fand im Solling die erste dokumentierte Luchs-Reproduktion statt.“

Luchse im Harz ausgewildert

Weitere Tiere wie Rothirsch, Fuchs, Wanderfalke, Schwarzstorch und Kranich werden in Südniedersachsen ebenfalls wieder heimisch. Aus dem nördlichen Niedersachsen kehren laut Nabu langsam der Fischotter und der Biber in das Weserbergland zurück. Unter anderem durch starke Bejagung waren viele Wildtiere in den vergangenen Jahrhunderten nahezu ausgerottet worden.

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Wildkatzen sind aus dem Harz, wo sie nicht ausgerottet wurden, in das Weserbergland zurückgekehrt, wie Nabu-Sprecher Freter sagte. Auch die im Solling wieder heimischen Luchse stammen aus dem Harz. Dort wurden sie im Rahmen des Luchsprojektes des Nationalparks neu angesiedelt. Zwischen den Jahren 2000 und 2006 hat das inzwischen seit 22 Jahre laufende Programm 24 Luchse aus Wildparks allmählich im Harz ausgewildert. „Wir sind mit der Entwicklung zufrieden. Die Harzer Luchspopulation ist eine der wenigen in Deutschland, die sich ausbreitet“, sagte Projektleiter Ole Anders.

Uni Göttingen sieht Nutzen in Wildbrücken

Im Moment kümmert sich das Projekt vor allem um die Beobachtung der Tiere. Zuletzt hat der Luchs sein Gebiet demnach kaum noch erweitert. Da die Tiere so keinen Kontakt zu anderen Vorkommen erhalten, führt das früher oder später zu Inzucht bei den Luchsen. „Möglicherweise kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem wir Tiere verschiedener Populationen austauschen müssen“, sagte Anders. Noch sei die Lage in Südniedersachsen in Ordnung. Der Trend sei aber erkennbar und es zeige sich, dass Wildtiervorkommen weiter gefährdet seien.

Um den Luchsen bei der Ausbreitung zu helfen, seien beispielsweise mehr Wildbrücken über Straßen wünschenswert. Zu diesem Schluss mit Blick auf mehr Austausch unter Tieren kam jüngst auch eine Studie der Universität Göttingen, die eine geringe genetische Vielfalt bei Rotwild feststellte. Für die Tiere könne der geringe genetische Austausch gesundheitliche Folgen wie Fehlbildungen haben, sagten die Forscher der Abteilung Wildtierwissenschaften der Uni.

Wildkatzen beeinträchtigen nicht die Wildnutzer

Für das Ökosystem ist die Wiederansiedlung der Tiere eine gute Nachricht. Auch deswegen sei es unabdingbar, die Verbreitung von Wildtieren etwa durch Grünbrücken zu fördern, sagte Nabu-Sprecher Freter. Artenreichtum und eine funktionierende Beziehung zwischen Räuber- und Beutetieren würden das Ökosystem stabil halten. Beutetiere wie Luchse sorgen demnach dafür, dass Arten mit hohen Nachwuchsraten den Wald nicht zu sehr bevölkern. Zudem würden sie kranke und reaktionsschwache Tiere „abschöpfen“ und so für einen starken Genpool bei den betroffenen Tierarten sorgen.

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Waldnutzer würden durch Luchs und Wildkatze nicht beeinträchtigt. Wildtiere stellen laut Nabu grundsätzlich keine Gefahr für den Menschen dar. Viele der Tiere seien scheu und würden erst in der Dämmerung aktiv. Indirekt können die Tiere den Menschen dennoch beeinflussen, etwa wenn Luchse oder Wölfe Schafe reißen.

Rückzugsräume und genug Futter entscheidend

Auch die Niedersächsischen Landesforsten sehen die Rückkehr der Wildtiere positiv. Bei der Bewirtschaftung der Wälder führten die Tiere zu keinen Problemen. Der Biber halte sich eher in der Nähe von Gewässern auf und interessiere sich nicht für die Bäume der Holzindustrie wie etwa Fichten. Wildkatzen und Luchse seien ohnehin scheu. Und auf Brutzeiten werde auch Rücksicht genommen.

„Entscheidend für die Tiere ist, dass sie Rückzugsräume und genug Futter haben“, sagte Landesforsten-Sprecher Michael Rudolph. Durch Rücksichtnahme und Schaffung von Horstbäumen, in denen Vögel brüten können, werde etwa die Rückkehr von Kranichen und Schwarzstörchen gefördert.

Von RND/dpa/Maurice Arndt

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