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Studie im Auftrag der katholischen Kirche

Tausende Missbrauchsfälle in Kirche aufgedeckt

Kirche im Zwielicht: Eine Studie belegt tausendfachen Missbrauch in der katholischen Kirche. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kirche im Zwielicht: Eine Studie belegt tausendfachen Missbrauch in der katholischen Kirche. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hannover.Da staunten selbst Kirchenkritiker: Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist wesentlich größer als bisher bekannt. Das belegt eine umfangreiche Studie, die die Bischofskonferenz selbst in Auftrag gegeben hat und die eigentlich erst Ende des Monats veröffentlicht werden sollte – bis Reporter von „Zeit“ und „Spiegel“ zuvor kamen. So seien zwischen 1946 und 2014 in der katholischen Kirche 1670 Kleriker als Missbrauchstäter aktenkundig geworden. Nur in jedem dritten Fall sei ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet worden. 3677 Kinder und Jugendliche seien nach Lage der Akten missbraucht worden, vornehmlich Jungen. „Das übertrifft unsere schlimmsten Erwartungen“, sagt Christian Weisner von der Reformbewegung „Wir sind Kirche“, die Mitte der 90er Jahre von Hannover aus wegen der Missbrauchsproblematik aktiv geworden war.

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Akten vereinzelt manipuliert

„Wir wissen um das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs, das durch die Ergebnisse der Studie belegt wird“, erklärte der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche. Ackermann beschwerte sich indes massiv über die vorzeitige Veröffentlichung der bisher geheim gehaltenen Studie, die erst bei der Bischofskonferenz am 25. September veröffentlicht werden sollte. Jetzt habe man noch keine Beratungstelefone schalten können.

Die Studie entstand in viereinhalbjähriger Arbeit nach Akten, die aus 27 deutschen Bistümern vorgelegt wurden. Die Forscher kamen allerdings nicht an die Originaldokumente heran und notierten, dass in vielen Fällen Akten auch „vernichtet oder manipuliert“ worden seien. Sie betonten, dass es sich bei der Missbrauchsthematik keineswegs um eine abgeschlossene oder „mittlerweile überwundene Thematik“ handele. „Es ist die dramatischste Situation, in der sich die katholische Kirche seit Jahrzehnten befindet“, sagt Christian Weisner. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, der vor kurzem geweiht worden ist, hat bei seiner Weihe die Aufarbeitung der Missbrauchsthematik als eines seiner Hauptanliegen bezeichnet.

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Von Michael B. Berger

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