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Obduktionsergebnis

Wale starben an Herzversagen

Sind an Herz- und Kreislaufversagen gestorben: Die im flachen Wasser der Nordsee gestrandeten Pottwale.

Hannover. Die Untersuchung der im Winter in Schleswig-Holstein gestrandeten Pottwale hat Unerwartetes zutage gefördert: Vier von 13 Walen hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen. „Das ist eine dringende Mahnung, verstärkt gegen den Müll im Meer vorzugehen“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse in Tönning (Kreis Eiderstädt). Gestorben sind die Wale nach den Erkenntnissen der beteiligten Wissenschaftler an Herz-Kreislauf-Versagen.

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„Der Müll hätte bei zwei der Tiere aber auch zum Tod führen können“, sagte Prof. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover. „Das ist beschämend für uns als Menschen.“ Der Abfall habe teilweise fast den kompletten Magen ausgefüllt, in einem Fall drohten scharfkantige Plastikteile die Magen- oder Darmwand zu verletzen. Zu den auffälligsten Müllteilen gehörten Überbleibsel eines 13 Meter langen und 1,20 Meter breiten Schutznetzes, das in der Krabbenfischerei eingesetzt wird. Auch die 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung eines Autos und ein Eimer wurden gefunden.

Wale wurden in TiHo-Außenstelle untersucht

Die betroffenen Wale waren im Watt vor Nordstrand und Kaiser-Wilhelm-Koog tot aufgefunden worden. Das von Siebert geleitete Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung hat alle Tiere in der TiHo-Außenstelle in Büsum untersucht. Außerdem stehen Untersuchungen von Proben der drei im Januar in Niedersachsen – auf Wangerooge und in der Elbmündung – gestrandeten Pottwale kurz vor dem Abschluss. „Alle Tiere waren in einem guten Gesundheits- und Ernährungszustand“, sagte Uwe Piatkowski vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Anzunehmen sei, dass die Wale Tintenfischschwärmen folgten, die möglicherweise durch starke Stürme vom Atlantik in die Nordsee geraten sind.

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In den Mägen der bis zu 18 Tonnen schweren Wale, ausschließlich Jungbullen, fanden der Kieler Biologe und seine Studenten insgesamt 110 000 sogenannte Tintenfischschnäbel, unverdauliche Kieferreste einer nordischen Tintenfisch-Art. Einige Tiere hatten sich anscheinend schon etwas länger in der Nordsee aufgehalten und dort auch Nordseefische wie Seeteufel und Kabeljau gefressen.

30 Pottwale gestrandet

Seit Anfang des Jahres waren an der Nordseeküste in Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und Deutschland insgesamt 30 Pottwale gestrandet.

Siebert und Piatkowski sagten am Mittwoch, dass die Wanderung von Pottwalen in die Nordsee derzeit nicht vollständig erklärt werden könne, jedoch immer wieder vorkomme. Seit dem 16. Jahrhundert seien mehr als 200 Funde in der Nordsee dokumentiert, darunter 21 Tiere, die 1723 in der Elbmündung bei Neuwerk strandeten.

Schlechte Orientierung in flachen Gewässern

Einzelne Tiere gelangten immer wieder irrtümlich in zu flache Gewässer, wo sie sich schlecht orientieren könnten. Wenn sie bei Ebbe auf dem Grund liegen blieben, drücke das Körpergewicht die Blutgefäße, die Lunge und die anderen Organe so zusammen, dass dies zum Herz-Kreislauf-Versagen führe. Minister Habeck bezeichnete die Bergung der in diesem Winter gestrandeten Tiere als „logistische Meisterleistung“. Die Tiere waren von Schiffen an die Küste geschleppt und aufwendig zerlegt worden.

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