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Krisenstab der Landesregierung

Wegen Corona: Niedersachsen ändert Pläne zur Revision des Kernkraftwerks Grohnde

Olaf Lies (SPD).

Olaf Lies (SPD).

Hannover. Im Atomkraftwerk im niedersächsischen steht eine sogenannte Revision an – also der Austausch der Brennstäbe. In Zeiten der Corona-Pandemie kann diese aufwendige mehrwöchige Arbeit aber nicht in gewohnter Weise stattfinden, erläuterte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag bei der täglichen Pressekonferenz des Krisenstabes der niedersächsischen Landesregierung. Kern des Problems: zu derartigen Arbeiten kommen in der Regel bis zu 1.000 zusätzliche Arbeiter in das Werk – aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Ausland. Das hält die Landesregierung derzeit aber aufgrund des notwendigen Infektionsschutzes für zu gefährlich – und hat PreußenElektra, dem Betreiber des AKW Grohnde, den geplanten Ablauf der Revision untersagt. Stattdessen gibt es nun einen Alternativplan. Dabei sollen statt der 1.000 zusätzlichen Mitarbeiter in einem ersten Schritt nur 100 und später 250 Personen hinzukommen.

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Lies erläuterte, dass es im Sinne des Infektionsschutzes einen erheblichen Unterschied mache, 1.000 Leute zu einem gewissen Zeitpunkt in eine Region zu bringen oder nun 250. Vor Ort arbeiten jetzt bereits standardmäßig rund 500 Personen.

Durch die neuen Pläne verlängert sich die Dauer der Arbeiten von zwei Wochen auf sechs Wochen. Während der gesamten Dauer der Arbeit wird das Kraftwerk abgeschaltet. Die Energieversorgung sei aber sichergestellt, betonte Lies. Er erklärte, dass auch das AKW zur kritischen Infrastruktur zähle, deren Betrieb gerade in einer Krisenlage gewährleistet bleiben müsse, wie es etwa auch für die Wasserversorgung oder die Müllabfuhr gelte. "Auch wenn der Stromverbrauch derzeit runtergefahren ist, muss man dafür sorgen, dass die Stromversorgung gewährleistet wird." Forderungen der Grünen, jetzt das AKW vorzeitig zu schließen, haben Lies "geärgert", weil sie "unsauber" seien. Zur generellen Abschaltung des AKW gebe es klare Verträge. (Sie ist für das Jahr 2021 geplant).

So viele Menschen in Niedersachsen sind derzeit an Covid 19 erkrankt

Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärte in der Pressekonferenz, dass es derzeit in Niedersachsen 5455 Infizierte gebe, 396 mehr als am Vortag. "Wir alle haben gehofft, dass sich die Krankheitskurve verflacht, das ist noch nicht geschehen", sagt Reimann.

Im Krankenhaus liegen in Niedersachsen derzeit 776 Menschen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung. Davon werden 214 Betroffene auf Intensivstationen betreut, davon wiederum werden 149 Menschen künstlich beatmet. Dieser Wert sei höher als in anderen Bundesländern, sagte Reimann. Eine Erklärung dafür gebe es aber noch nicht.

Auf die Frage, wie viele Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sich in Niedersachsen infiziert hätten, weiß Sozialministerin Carola Reimann keine Antwort. Dies würde nicht gesondert ermittelt: "Das ist Sache der Arbeitgeber." Bei Fällen von Corona in Altenheimen habe man örtlich die Zahl der erkrankten Pflegerinnen genannt.

Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Krisenstabes, sagte: "Das Infektionsgeschehen weitet sich aus und trifft zunehmend die Gruppe der 60-Jährigen und Älteren". Dies zeige, dass es vor allem um die Gefährdung der Älteren gehe. Zuvor waren viele "Skifahrer" und Rückkehrer aus Urlaubsgebieten betroffen.

Reimann sagte auf Nachfrage zu der Forderung der CDU-Landtagsfraktionen, die Regelungen bei Beerdigungen zu lockern: "Das ist eine der härtesten Maßnahmen, die wir getroffen haben. Aber oft gehören die Angehörigen selbst zur Risikogruppen. Aber es ist nicht in unserem Sinn, wenn jetzt Bestatter die Ordnung so auslegen, dass nur zwei Angehörige teilnehmen können. Es geht darum, Abstand zu halten."

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Bei den Arbeiten handelt es sich um ein regelmäßiges Standardverfahren, es wird später auch in anderen deutschen Atomkraftwerken durchgeführt. Als nächstes steht die Revision des AKW im Emsland an. Auch jetzt schon gäbe es erhebliche Sicherheitsstandards im AKW Grohnde hinsichtlich der Eindämmung des Coronavirus, sagte Lies. Etwa besonderer Schutzkleidungen und gesundheitliche Überprüfungen der Mitarbeiter. Die um vier Wochen verlängerte Revision des AKW Grohnde werde auch Konsequenzen für andere deutsche AKWs haben, deren Revisionen sich dadurch auch verzögerten.

Fragen nach den Kosten des sechswöchigen Ausfalls der Stromproduktion wollte Lies nicht beantworten. "Der Betreiber (die PreußenElektra) hatte die Wahl, nicht in die Revision zu gehen oder sie jetzt in dieser verlängerten Form durchzuführen". Aus atomrechtlichen Gründen habe man die Revision genehmigt, aber jetzt gehe der Infektionsschutz vor.

Von HAZ

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