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Lies nimmt Rücksicht auf Gericht

Wolf wird vorerst nicht geschossen

Starb im April 2016: „Kurti“ war der erste Wolf, den die Landesregierung abschießen ließ. Der zweite Fall geht wohl vor Gericht.

Starb im April 2016: „Kurti“ war der erste Wolf, den die Landesregierung abschießen ließ. Der zweite Fall geht wohl vor Gericht.

Hannover.Der auffällige Wolf im Landkreis Nienburg wird nun vorerst doch nicht getötet. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) will die bereits erteilte Sondergenehmigung zum Abschuss des Rüden vorerst nicht umsetzen. Das bestätigte der Minister am Freitagabend der HAZ. „Wir werden den Rüden nicht schießen, um dem Verwaltungsgericht die Gelegenheit zu geben über den Antrag zu entscheiden“, sagte Lies.

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Ein „Freundeskreis freilebender Wölfe“ geht juristisch gegen den Abschuss des Wolfes aus dem Rodewalder Rudel vor, das Verwaltungsgericht Oldenburg hat zu entscheiden. Dass man auf das Gericht reagiere, sei „eine Selbstverständlichkeit“, sagte Lies. „Unabhängig davon sind wir überzeugt, dass die Genehmigung rechtmäßig erfolgt ist.“ Wichtig sei jetzt eine zügige Entscheidung des Gerichts, um Klarheit zu bekommen.

Der Rodewalder Rüde gilt als Problemwolf und wird für den Tod von 40 Nutztieren verantwortlich gemacht. Auch Zäune oder die Größe seiner Opfer halten das Raubtier nicht von Angriffen ab. Sollte das Gericht den Abschuss des Wolfes untersagen, will das Umweltministerium in jedem Fall das Tier mit einem Peilsender ausstatten. Doch dafür muss der Wolf erst einmal gefangen werden.

Drohungen gegen Wolfsberater

Er wäre in Niedersachsen der zweite Wolf, der abgeschossen werden würde. 2016 ließ Lies’ Vorgänger Stefan Wenzel (Grüne) den besenderten Wolf „MT6“ abschießen, der im Volksmund auch „Kurti“ genannt wurde. Wenzel hatte damals viele Hassmails erhalten.

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Unterdessen hat das Umweltministerium den Wolfsberater im Landkreis Nienburg abberufen, der sich mit dem Problemwolf beschäftigen musste. Der Förster hatte sich von Unbekannten bedroht gefühlt. „Der Grund für diesen Schritt waren zunehmende persönliche Anfeindungen“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Hannover am Freitag. „Eine weitere Tätigkeit war aus Fürsorgegründen nicht mehr zu verantworten.“ Der Mann habe darum gebeten, von seinem Ehrenamt entbunden zu werden.

Dem Wolfsberater wurde nach eigenen Angaben in einer Mail unterstellt, persönlich für die Entscheidung, den Rodewalder Wolf abzuschießen, verantwortlich zu sein. Der Mann sei nicht darin eingebunden worden, sagte dagegen die Ministeriumssprecherin.

Die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss hatte Umweltminister Lies im Januar erteilt. „Der Fall zeigt deutlich, wie emotional der Wolf in Niedersachsen diskutiert wird“, sagte Lies jetzt zu den Drohungen gegen den Wolfsberater. „Bei allem Verständnis für unterschiedliche Auffassungen in der Sache: Inzwischen werden Wolfsberater bei ihrer Arbeit behindert, teilweise sogar bedroht.“ Das sei inakzeptabel und helfe niemandem – weder den betroffenen Nutztierhaltern, noch dem Artenschutz.

Landesweit gibt es rund 100 Wolfsberater, im Landkreis Nienburg sind es jetzt noch vier. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich.

22 Rudel in Niedersachsen

Die Zahl der Wölfe in Niedersachsen steigt kontinuierlich an. Offiziell nachgewiesen sind inzwischen 24 Wolfsterritorien, wie die Landesjägerschaft am Freitag mitteilte. Es handele sich dabei um 22 Wolfsrudel, ein Wolfspaar und einen sesshaften Einzelwolf. Das 22. Rudel wurde in der vergangenen Woche im Amt Neuhaus (Kreis Lüneburg) nachgewiesen. Vor einem Jahr gab es lediglich 14 Rudel, zwei Wolfspaare und drei Einzelwölfe.

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Von Michael B. Berger und Friedemann Kohler

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