Umfrage zur Smartphone-Nutzung bei Kindern: Viele Eltern fürchten negative Folgen

Während der Schulschließungen haben Kinder vermehrt zu digitalen Medien gegriffen.

Während der Schulschließungen haben Kinder vermehrt zu digitalen Medien gegriffen.

Für Eltern ist es Fluch und Segen zugleich: Einerseits kann das Smartphone bei Schul- und Hobbyausfall in Corona-Zeiten zur Alternative für Kinder werden, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben und sich eigenständig zu beschäftigen und weiterzubilden. Andererseits fürchten Eltern negative Folgen des Handykonsums. 44 Prozent der Eltern haben Angst, dass ihr Kind mit nicht altersgerechten oder gefährlichen Inhalten in Berührung kommt. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse KKH. Ebenso viele Mütter und Väter fürchten, dass der Nachwuchs Opfer von Cybermobbing wird und über das Smartphone Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt ist.

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Als größte Gefahr machen Eltern die mögliche Sucht ihrer Kinder aus. Die Hälfte aller Befragten befürchtet der Umfrage zufolge, dass das Kind süchtig werden könnte. Auch negative Auswirkungen auf die Konzentration und zu wenig Bewegung gehören zu den Sorgen.

Tatsächlich konnte die KKH in einem Beobachtungszeitraum von 2008 bis 2018 eine Erhöhung von Krankheiten feststellen, die früher eher untypisch waren. So stellte die Krankenkasse eine Zunahme von extremem Übergewicht (Adipositas) um knapp 27 Prozent fest. Motorische Entwicklungsstörungen stiegen um rund 52 Prozent. Auch die Zahl der Sprach- und Sprechstörungen sowie Schlafstörungen hat in den zehn Jahren deutlich zugenommen.

Schulschließungen beförderten Smartphone-Nutzung

Zwar seien nicht all diese Erkrankungen bei Kindern allein auf das Smartphone zurückzuführen, kommentierte KKH-Psychologin Franziska Klemm die Umfrage. “Doch mit intensiver Nutzung und dem Kontakt mit nicht altersgerechten Inhalten steigt nicht nur das Risiko für Übergewicht oder motorische Beeinträchtigungen, sondern auch für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder eine Internetsucht.”

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Während des Lockdowns haben fast alle Kinder der befragten Eltern öfter zu digitalen Medien gegriffen als üblich. In dieser Zeit nahmen viele Mütter und Väter den gestiegenen Konsum allerdings mit Gelassenheit. 64 Prozent finden die intensivere Nutzung von Onlinemedien in Ausnahmesituationen akzeptabel. Viele Eltern sehen in Smartphones und anderen Geräten eine gute Möglichkeit für ihre Kinder, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. 16 Prozent der Eltern befürchten, dass sich lange Mediennutzungszeiten während der Krise negativ auf die Gesundheit ihres Kindes auswirken.

Eltern wollen mit gutem Beispiel vorangehen

Unabhängig von Krisenzeiten sorgt das Thema Smartphone immer wieder für Streit. 85 Prozent der Befragten gaben an, zumindest hin und wieder über die Nutzung des Handys zu diskutieren. Hilfreich ist es auch, wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. 37 Prozent der Eltern möchten ihren Kindern bei der Smartphone-Nutzung ein Vorbild sein, schaffen das jedoch nur manchmal. Die Hälfte der Befragten hat hingegen das Gefühl, das Smartphone im Griff zu haben und meistens ein gutes Vorbild zu sein.

Völlige Smartphone-Abstinenz sieht der Hirnforscher Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig nicht als Lösung. Stattdessen biete das Endgerät Chancen, eine reflektierte Handynutzung fördere sogar die Entwicklung des Gehirns. “Schlagen Kinder und Jugendliche Wissen schnell nach oder lassen sie sich Sachverhalte über Videos erklären, kurbelt das die Aufmerksamkeit an. Auch analytische Fähigkeiten sowie räumliches Denken werden gestärkt. Das ist pures Gehirnjogging.”

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