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Für kurze Strecken

Leichtkraftfahrzeuge: Klimarettung auf Kosten der Sicherheit?

Opel Rocks-e ist Vertreter einer Fahrzeuggattung, die zunehmend interessanter wird: Der Winzling ist stylish, jung, aber wie sicher ist er?

Sie heißen Mopedautos, Kabinenroller oder Leichkraftfahrzeug und können schon ab 16 Jahren ohne Pkw-Führerschein im Straßenverkehr gefahren werden. Wer Interesse hat, kann sich so ein Vehikel auch beim Ottoversand im Katalog bestellen. Seit Kurzem versucht vor allem der Stellantis-Konzern, die ganz auf Design getrimmten Kleinstwagen Citroen Ami oder Opel Rocks-e als Citystromer im Stadtverkehr zu etablieren, auch mit dem Gedanken, vermehrt junge Menschen an das Thema Auto heranzuführen.

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Jetzt gibt es unerwartete Schützenhilfe von prominenter Seite: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigt in einer Studie den elektrischen Leichtkraftfahrzeugen ein hohes Potenzial zur Klimaverbesserung. Dass die Winzlinge auf vier Rädern nicht ganz ungefährlich sind, wird dabei verschwiegen.

„Großes Potenzial, die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors erheblich zu reduzieren“

In Südeuropa sind diese meistens maximal 45 km/h schnellen Winzlinge seit Langem angesagt – sie machen Menschen mobil, die auf ein großes Auto verzichten wollen oder es sich schlicht nicht leisten können. Hierzulande besetzen sie bisher nur eine Nische. Mit der Einführung der Elektromobilität könnte sich das ändern, so zumindest die Hoffnung eines etablierten Herstellers wie des neuen Megakonzerns Stellantis, der damit wirbt, dass die monatliche Leasingrate für einen solchen Autozwerg auf dem Niveau eines Tickets für den öffentlichen Nahverkehrs liege.

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Das DLR geht jetzt mit seiner Studie noch einen Schritt weiter: Elektrische Leichtfahrzeuge (Light Electric Vehicle, LEV) hätten „ein großes Potenzial, die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors erheblich zu reduzieren und so zum Klimaschutz beizutragen“, heißt es in der Zusammenfassung.

57 Millionen Tonnen weniger an Emissionen

Die Forschenden legen Zahlen vor, die Anlass zu großer Hoffnung geben: Die Hälfte der derzeit in Deutschland mit dem Auto gefahrenen Kilometer könnte theoretisch auch mit elektrischen Leichtfahrzeugen zurückgelegt werden. Dies würde die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Fahrten mit konventionell angetriebenen Pkw um mehr als 40 Prozent senken, heißt es weiter. In der Summe wären das im Jahr rund 57 Millionen Tonnen weniger an Emissionen.

Der Fairness halber sollte hier erwähnt werden, dass in der Studie auch E-Roller und E-Bikes berücksichtigt worden sind. Doch der Fokus der Studie liegt auf den vierrädrigen Elektrofahrzeugen, die dank der vergleichsweise überragenden Klimawerte zunehmend interessanter werden. Allerdings werden die Kleinstwagen nicht unbedingt größer, doch oft deutlich schneller – inzwischen liegt die Höchstgeschwindigkeit für einige Modelle bei 90 km/h (Microlino), das DLR rechnet sogar mit 125 km/h, ohne hier allerdings ein konkretes Modell zu nennen.

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30 Millionen tägliche Pkw-Fahrten mit weniger als zwei Kilometern

Dass die kleinen Autos einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten, ist nicht von der Hand zu weisen: Mehr als 60 Prozent der im Verkehrssektor anfallenden Treibhausgasemissionen verursachen Pkw. Nach Erkenntnissen des DLR sitzen durchschnittlich allerdings nur 1,4 Personen in einem Pkw, und die zurückgelegten Strecken sind überschaubar: 80 Prozent sind kürzer als 20 Kilometer. Jeden Tag gibt es in Deutschland fast 30 Millionen Pkw-Fahrten mit weniger als zwei Kilometern und weitere 30 Millionen unter fünf Kilometern.

Für die DLR-Forscher ist deshalb klar: Hier schlummert ein riesiges Potenzial für die Kleinstautos. Damit das ausgeschöpft werden kann, müssen sie gefördert und aus ihrer Nische herausgeholt werden. Anreize für Kauf und Nutzung, regulatorische Maßnahmen, der Aufbau der notwendigen Infrastruktur sowie mehr komfortable und sichere Fahrzeugkonzepte müssten geschaffen werden.

Unfallforscher sind kritisch

Unfallforscherinnen und -forscher stehen vor allem dem letzten Punkt kritisch gegenüber. Zwar seien die Neukonstruktionen besser als das, was man von früher kenne, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, doch ein Auto mit maximal 456 Kilogramm Leergewicht (bei E-Autos ohne Akku, Anm. d. Red.) könne „beim Crashtest nicht sicher sein, das ist völlig ausgeschlossen.“ Die passive Sicherheit sei bei diesen Autos konstruktionsbedingt deutlich schlechter als bei den normalen Personenwagen. „Es gibt beispielsweise keine ausreichenden Deformationszonen.“ Auch die heute üblichen Fahrerassistenzsysteme seien Mangelware. Dass es bislang kaum Unfälle mit diesen Fahrzeugen gegeben habe, liege einfach mit daran, dass sie auf deutschen Straßen kaum herumfahren würden. Der Gedanke, dass elektrische Leichtfahrzeuge erlaubterweise immer schneller würden, behagt dem Unfallforscher überhaupt nicht: „Sicherheit ist bei höheren Geschwindigkeiten mit diesen Fahrzeuggewichten überhaupt nicht zu machen.“

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Auch der ADAC weist darauf hin, dass selbst die modernen Leichtmobile in der Vergangenheit bei Crash- und Stabilitätstest erschreckend schlechte Ergebnisse einfuhren. Die sogenannten Mopedautos müssen weder zum TÜV noch müssen sie zugelassen werden, womit auch die Kfz-Steuer entfällt. Ein kleines Versicherungskennzeichen genügt. Das ist auf den ersten Blick verführerisch, schafft aber auch Zweifel am allgemeinen Sicherheitszustand der Fahrzeuge.

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