Vollelektrischer Offroader

Toyotas erster Komplettstromer bZ4X – spät dran, aber nicht zu spät

Das erste batterie­elektrische Fahrzeug von Toyota kommt im Juni zu Preisen ab 47.490 Euro auf den Markt und hört auf den Namen bZ4X.

Die Elektromarke Tesla war der erste Autohersteller, der batterie­elektrische Mobilität in praxistauglicher Form anbieten konnte. Die Marke wurde und wird noch immer wie kaum ein anderer Autobauer gehypt, aber: Volkswagen hat in Deutschland vergangenes Jahr fast doppelt so viele Elektroautos zugelassen wie Tesla. Daher wäre es vermessen zu sagen, Toyota sei mit seinem elektrischen bZ4X zu spät dran, um erfolgreich zu werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ob potenzielle Kunden sich seinen kryptischen Namen merken können, wenn sie ins Autohaus strömen, um nach ihm zu fragen – das wird sich zeigen. Toyotas frisches Batterie­fahrzeug kommt im Juni zu Preisen ab 47.490 Euro auf den Markt, allerdings ist der Umweltbonus hier noch nicht mit eingerechnet. Der bZ4X wird wahlweise mit Vorderrad­antrieb (150 kW/204 PS) oder als 160 kW/218 PS starke, zweimotorige Allrad­variante angeboten.

Der Einstieg in die knapp über 1,65 Meter hohe Karosse gelingt tadellos. Die Japaner preisen ihr erstes einer breiten Masse zugängliches E-Auto als Crossover-SUV und RAV4-Schwestermodell an – zumindest kann man dem Stromer mit den markanten Radhaus­verkleidungen einen gewissen Trekkingcharme nicht absprechen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Eine Brise Prius

Innen weht dem Fahrer eine Brise Prius entgegen: Vor allem das weit vom Lenkrad entfernte Kombiinstrument dürfte treuen Markenkunden bekannt vorkommen. Allerdings haben die Techniker an seiner Brillanz geschraubt. Gestochen scharf erscheinen nicht nur die Ziffern für das aktuell gefahrene Tempo und sonstige gerade benötigten Grafiken, sondern auch die Farbkarte auf dem wirklich nicht zu klein geratenen Zentralscreen.

Bei der Bedienung bleiben sich die Japaner treu, die Zahl der anwählbaren Icons ist immens. Und es gibt noch physische Schalter im Bereich der Mittelkonsole und auf dem Lenkrad sowie berührungs­empfindliche Touchflächen, die zur Steuerung der Klima­automatik bestimmt sind. Verspielter könnte es kaum zugehen, doch auch diese Art hat zweifellos ihre Fans.

Wenn man sich in der betont großzügigen Kabine eingerichtet hat, kann es losgehen. Und das passiert nach der Anwahl der Fahrstufe D nahezu lautlos, aber mit ordentlich Punch (7,7 Sekunden von null auf 100 km/h). Kein Wunder angesichts von 218 Pferdestärken und zwei angetriebenen Achsen. Mangelnde Traktion ist das geringste Problem, wenn man den knapp 4,70 Meter messenden Allrounder über kurvige Landstraßen das Hochland um Barcelona herum hinauftreibt.

Drinnen weht dem Fahrer des Toyota bZ4X eine Brise Prius entgegen: Vor allem das weit vom Lenkrad entfernte Kombi­instrument dürfte treuen Markenkunden bekannt vorkommen.

Drinnen weht dem Fahrer des Toyota bZ4X eine Brise Prius entgegen: Vor allem das weit vom Lenkrad entfernte Kombi­instrument dürfte treuen Markenkunden bekannt vorkommen.

Schon eher, dass die Gefahr besteht, saftige Strafzahlungen für zu schnelles Fahren aufgebrummt zu bekommen – also Augen auf bei der Tempowahl, 90 km/h sind schneller überschritten, als einem lieb ist. Doch der Druck verlockt, und obwohl der bZ4X kein Sportler ist, macht es Spaß, ihn mit Schmackes in die Kehre zu werfen, was dank Elektronik und satter Zugkraft mit allen vier Rädern zur recht neutralen Angelegenheit wird. Natürlich geht dieses Fahrverhalten auch auf das Konto der im Bereich des Wagenbodens montierten Batterie und des damit verbundenen niedrigen Schwerpunkts.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Freuen dürfen sich Interessenten schon jetzt auf die allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt lieferbare „by wire“-Lenkung. Dann bestimmt der Rechner abhängig vom jeweiligen Fahrumstand, welcher Lenkeinschlag dem Lenkwinkel zugewiesen wird. Dadurch wird der elektrische Toyota vielleicht nicht unbedingt drahtiger, aber definitiv leichter einzuparken. Denn er erkennt eine Rangiersituation und kann eine deutlich längere Lenkübersetzung simulieren und einen kompletten Einschlag schon mit einer halben Lenkrad­umdrehung realisieren.

Eindrucksvolle Befreiung aus dem Schlamm

Abseits der Landstraße lotsen die Techniker den Neuling durch einen Parcours mit tiefem Matsch, auch vergleichbar mit einer Tiefschnee­situation. Und dann – passiert erst einmal nichts, die Räder scharren, das Vehikel scheint hilflos stecken zu bleiben. Doch nach dem Aktivieren des entsprechenden Fahrprogramms beschleunigt der bZ4X schon bei geringem Fahrpedalwinkel wie wild, und nicht nur das. Eine spezielle Traktionsregelung schafft es jetzt, den Allradler eindrucksvoll aus dem Schlamm zu treiben. Wenn das in der Praxis beispielsweise auf verschneiten Straßen nur halb so gut klappt wie hier auf der Demofahrt, könnte der Stromer noch zum Liebling von Hochgebirgs­bewohnern werden, die häufig mit widrigen Wetter­verhältnissen konfrontiert werden.

Zum Schluss noch ein paar Wörter zur Ladetechnik – beim Elektroauto schließlich ein zentraler Punkt im Hinblick auf die Praxis­tauglichkeit. So installieren die Ingenieure obligatorisch eine Batterie mit 71 kWh, was in diesem Segment schon als großer Akku gelten darf. Die kombinierte Reichweite beziffert Toyota mit mindestens 410 Kilometern. Wie schnell die Batterie mit Gleichstrom im Schnitt lädt, muss sich in späteren Tests noch erweisen. Fahrzeugseitig sind bis zu 150 kW Ladeleistung möglich.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Interessant wird sein, ob der Japaner auch mit 22-kW-Wechselstrom-Ladegerät zu haben sein wird. Über eine Wärmepumpe verfügt der bZ4X jedenfalls, so dass die Heizleistung den Stromspeicher nicht allzu sehr belastet. Die ersten beiden Buchstaben des Modellnamens „bZ“ stehen übrigens für „beyond Zero“ – und der 4X soll nur der Auftakt einer ganzen Elektroauto-Modellfamilie sein.

RND/Patrick Broich, SP-X

 

Toyota bZ4X

Motor: je nach Version eine oder zwei Synchron-Elektromaschinen

Leistung: 150 kW/204 PS (Allrad: 160 kW/218 PS)

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

0–100 km/h: 8,4 s (Allrad: 7,7 s)

Drehmoment: 265 Nm (Allrad: 336 Nm)

Spitze: 160 km/h

Reichweite: 380 km (WLTP)

CO₂-Emission: 0 g/km

Länge/Breite/Höhe: 4690 mm/Breite: 1860 Meter/Höhe: 1600 mm

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Radstand: 2850 mm

Kofferraum: 452 l bis k.A.

Leergewicht: 1920 kg

Getriebe: Einstufenreduktionsgetriebe

Preis: ab 47.490 Euro

Mehr aus E-Mobility

 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.