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Fachleute rätseln

Wird Nordkorea bald den Sieg über Corona verkünden?

Nordkorea, Pyongyang: Angestellte einer Pjöngjanger Sportwarenfabrik tragen Schutzkleidung und desinfizieren den Boden eines Raumes.

Seoul. Nur einen Monat nach der Bestätigung eines Corona-Ausbruchs in Nordkorea durch Machthaber Kim Jong Un mehren sich Anzeichen, dass Pjöngjang schon bald den Sieg über das Virus erklären könnte. In den Staatsmedien scheint dies jedenfalls alternativlos. Und auch Südkorea glaubt, dass der Norden schon bald mitteilen könnte, die Pandemie vollständig eingedämmt zu haben.

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Hohe Todesraten, die wegen des maroden Gesundheitssystems und fehlender Impfstoffe befürchtet wurden, blieben den Staatsmedien zufolge aus. Stattdessen erwecken die täglichen Updates den Eindruck, es sei unausweichlich, dass Nordkorea das Virus vollständig besiegen werde. Die Infektionszahlen sinken den offiziellen Statistiken zufolge, und obwohl bereits 18 Prozent der Bevölkerung mutmaßlich mit Corona infiziert waren, seien weniger als 100 Menschen gestorben. Expertinnen und Experten zweifeln die Verlässlichkeit der offiziellen Corona-Zahlen jedoch an.

Verkündet Nordkorea bald den Corona-Sieg?

Der Norden könne möglicherweise noch in diesem Monat bekannt geben, dass es die Corona-Krise im Land gelöst habe, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums, das für die Beziehungen zu Nordkorea zuständig ist, vergangene Woche. Ebenso wie die südkoreanische Regierung gehen auch einige Fachleute davon aus, dass eine solche Mitteilung schon bald erfolgen könnte und dass diese selbstverständlich mit Kims Person und seinen Führungsqualitäten verknüpft werde.

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Andere Expertinnen und Experten sagen hingegen, eine solche Erfolgsmeldung würde Kim eines nützlichen Instruments zur Kontrolle der Öffentlichkeit berauben. Zudem wäre es für die Regierung peinlich, sollten im Anschluss weitere Fälle auftreten.

„Eine solche Erklärung hat zwei Seiten“, sagt etwa Moon Seong Mook, Analyst am im Seoul ansässigen Korea Institut für Nationale Strategie. „Wenn Nordkorea sagt, dass Covid-19 vorbei ist, kann es hervorheben, dass Kim Jong Un ein großer Führer ist, der die Pandemie besiegt hat. Es kann dann aber nicht länger die strengen Restriktionen aufrechterhalten, die es zur Kontrolle seiner Bevölkerung im Namen der Eindämmung von Covid-19 einsetzt.“

Angeblich niedrigste Sterberate der Welt

Im Ausland wird vermutet, dass Kim die Pandemie nutzt, um die innere Einheit des Landes zu stärken. Denn viele Nordkoreanerinnen und Nordkoreaner haben die teils drakonischen Maßnahmen nach zweieinhalb Jahren Pandemie satt.

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Die Wortwahl in öffentlichen Mitteilungen der nordkoreanischen Regierung deutet aktuell auf eine Siegeserklärung über das Virus hin. Als zu Beginn des Ausbruchs täglich 400.000 Personen an Fieber – mutmaßlich im Zuge einer nicht diagnostizierten Corona-Infektion – erkrankten, sprach Kim von einem „großen Umbruch“. Inzwischen deutet er aber an, dass der Ausbruch seinen Höhepunkt erreicht habe, und seine Gesundheitsbehörden halten an der weithin umstrittenen Sterblichkeitsrate von 0,002 Prozent fest, der niedrigsten der Welt.

Es wird allgemein angenommen, dass Nordkorea die tatsächliche Zahl der Todesfälle manipuliert. Es könnte auch die Zahl der zuvor gemeldeten Fieberfälle übertrieben haben, um die Wachsamkeit gegenüber dem Virus zu erhöhen und um Unterstützung für die Maßnahmen der Behörden zu gewinnen. Nordkorea hatte zuletzt täglich etwa 17.000 bis 30.000 neue Fieberfälle gemeldet. Insgesamt erkrankten 4,7 Millionen Menschen, von denen nach Angaben Nordkoreas nur 73 starben.

Keine Hinweise auf viele Tote in Nordkorea

Viele ausländische Expertinnen und Experten fragen sich, wie schlimm die Lage in Nordkorea wirklich ist. Das Land hat seit Beginn der Pandemie Anfang 2020 nahezu alle ausländischen Journalistinnen und Journalisten, Diplomatinnen und Diplomaten sowie Mitarbeitende von Hilfsorganisationen des Landes verwiesen. Bislang gebe es aber keine Anzeichen für eine Katastrophe in Nordkorea, sagen Beobachterinnen und Beobachter.

Wenn eine große Anzahl von Menschen gestorben wäre, hätte es Hinweise darauf geben müssen, sagte Nam Sung Wook, Professor an der Korea-Universität, und verweist auf eine große Hungersnot in den 1990er Jahren. Damals gab es in China und Südkorea Gerüchte über ein weit verbreitetes Sterben und über zurückgelassene Leichen.

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Auch Kang Mi Jin, die aus Nordkorea floh und inzwischen ein Unternehmen leitet, das die nordkoreanische Wirtschaft analysiert, erhielt in Telefonaten nach Nordkorea keine Hinweise auf eine Katastrophe. Ihre Kontaktpersonen in der Stadt Hyesan berichteten zwar, dass fast alle ihre Familienmitglieder Corona-Symptome gezeigt hätten, sagte Kang. Aber niemand, den sie kennen, sei daran gestorben. Es habe aber Gerüchte über Corona-Todesfälle in anderen Städten gegeben.

Beschränkungen werden wohl erst einmal bleiben

In einer Sitzung der Regierungspartei sagte Kim kürzlich, dass in der Pandemiebekämpfung das Stadium einer „unerwarteten, ernsten Krise“ überschritten sei, und die Staatsmedien riefen die Bevölkerung auf, Kim noch umfassender zu unterstützen, damit die Pandemie vollständig bewältigt werden könne. Er denke, dass es noch etwas dauern werde, bis Nordkorea den Sieg über die Pandemie verkünde, sagte Nam. „Es würde sein Gesicht verlieren, wenn es den Sieg zu früh verkündet und danach neue Patienten auftauchen.“

Da Nordkorea davon ausgehe, dass die Pandemie, die UN-Sanktionen und andere wirtschaftliche Schwierigkeiten andauern werden, sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass es die Beschränkungen bald aufhebe, sagte auch Lim Eul Chul, Professor am Institut für Fernoststudien der Kyungnam-Universität in Seoul. „Die Vereinigten Staaten und andere Länder mit einem fortschrittlichen Gesundheitssystem haben das Ende von Covid-19 noch nicht verkündet. Daher wird es für Nordkorea auch viel schwieriger sein, dies zu tun“.

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„Nach Angaben Nordkoreas besiegt es alles“

Ahn Kyung Su, der eine Website zu Gesundheitsfragen in Nordkorea betreibt, glaubt hingegen, dass eine offizielle Mitteilung von der Entwicklung der Pandemie im benachbarten China abhängt. Er sagte jedoch auch, dass eine solche Erklärung ohnehin nicht viel bedeute, da Nordkorea den Ausbruch der Pandemie im vergangenen Monat vermutlich nur zugegeben habe, weil es festgestellt habe, dass er beherrschbar sei.

„Nach Angaben Nordkoreas besiegt es alles. Es gewinnt immer, egal, ob es mit militärischen, wirtschaftlichen oder pandemischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat“, sagte Ahn.

RND/AP

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