Virusvarianten im Vergleich

Corona-Infektion: Wie krank macht Omikron noch?

Wer sich mit Omikron infiziert, muss weniger wahrscheinlich auf Intensivstation behandelt werden, als es noch bei Delta der Fall war.

Wer sich mit Omikron infiziert, muss weniger wahrscheinlich auf Intensivstation behandelt werden, als es noch bei Delta der Fall war.

Infektionen mit der Omikron-Variante verlaufen im Vergleich zu Delta-Infektionen seltener schwer. Selbst, wenn man nicht geimpft und geboostert ist, gibt es einen Effekt – wenngleich der Schutz vor Krankheit und Tod auch bei Omikron mit der Impfung deutlich zunimmt. Es kommt auch weniger häufig zu einer stationären Behandlung auf der Intensivstation. Das haben inzwischen Daten aus aller Welt bestätigt, und das berichten Ärztinnen, Ärzte und Pflegende aus den Krankenhäusern. Aber wie stark reduziert sich die Krankheitsschwere genau?

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Exakt beziffern lässt sich das nicht. Hinweise liefern aber mehrere Studien. Das jüngste Beispiel: Eine Untersuchung aus der kanadischen Provinz Ontario, die Mitte Februar im Fachmagazin „Jama“ veröffentlicht wurde. Forschende haben dort 9087 Omikron- und Delta-Verläufe bei Patientinnen und Patienten miteinander verglichen. Dafür haben sie Daten der örtlichen Gesundheitsbehörde von Mitte November bis Weihnachten 2021 zurate gezogen und darauf geachtet, dass Alter, Impfstatus und Geschlecht bei den Erkrankten miteinander vergleichbar waren.

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Omikron-Ansteckung: Das Risiko einer Behandlung im Krankenhaus ist geringer

Das Ergebnis: Wer sich mit Omikron infizierte, hatte ein 59 Prozent geringeres Risiko, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, als mit Delta. Um 81 Prozent weniger wahrscheinlich war es, auf einer Intensivstation behandelt zu werden, um 88 Prozent geringer als bei Delta war das Risiko zu versterben. Die Forschenden weisen in ihrer Analyse darauf hin, dass diese Angaben auf einem relativ kurzen Beobachtungszeitraum beruhen, die Ergebnisse deshalb Unsicherheiten mit sich bringen und auch nicht klar nach Altersgruppen differenziert wurde.

Verglichen mit einer Delta-Infektion war das Hospitalisierungsrisiko über alle Altersgruppen und ohne Differenzierung nach Impfstatus bei Omikron-Infektionen um 40 bis 80 Prozent niedriger.

Aus einem Bericht der Ständigen Impfkommission (Stiko)

Grundsätzlich ähnelt die Studie aus Kanada aber Ergebnissen anderer Untersuchungen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) resümiert anhand aller derzeitiger zur Verfügung stehenden Daten im aktuellen epidemiologischen Bulletin: „Verglichen mit einer Delta-Infektion war das Hospitalisierungsrisiko über alle Altersgruppen und ohne Differenzierung nach Impfstatus bei Omikron-Infektionen um 40 bis 80 Prozent niedriger.“ Das heißt also: Das Risiko für eine Einweisung ins Krankenhaus war deutlich geringer. Für diese Einschätzung zieht die Stiko fünf internationale Studien zurate:

  • Eine Kohortenstudie aus den USA hat die Schwere der Omikron-Infektion im Vergleich zu Delta-Infektionen in verschiedenen Altersgruppen untersucht. Insgesamt 577.938 Sars-CoV-2-Infizierte wurden von Anfang September bis Ende Dezember betrachtet. Das Ergebnis: Es kam in der Gruppe der Omikron-Infizierten mehr als doppelt so selten wie bei Delta zur Einweisung in die Notaufnahme, ins Krankenhaus oder auf Intensivstation.
  • Eine US-amerikanische Krankenversicherung hat klinische und epidemiologische Daten von Corona-Infizierten im Dezember 2021 analysiert. Ach hier wurde die Schwere der Erkrankung bei Omikron-Infizierten mit der von Delta-Infizierten verglichen. Es wurden 52.297 Omikron- und 16.982 Delta-Fälle untersucht. Auch hier zeigte sich, dass eine Behandlung im Krankenhaus und auf Intensivstation sowie die Rate der Todesfälle reduziert waren. Im Unterschied zu elf Kranken mit Delta-Infektion war niemand mit Omikron-Infektion beatmungspflichtig. Auch der Zeitraum des Krankenhausaufenthaltes war bei Omikron-Infizierten im Schnitt um 3,4 Tage kürzer.
  • Eine kleinere Studie aus Südafrika untersuchte im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2021 die Schwere der Infektionen durch Omikron im Vergleich zur Schwere bei anderen Virusvarianten. 26 Personen mit Omikron-Infektionen hatten ein um 80 Prozent niedrigeres Risiko, hospitalisiert zu werden und in intensivmedizinischer Behandlung zu sein.
  • Eine Studie aus Großbritannien untersuchte ebenfalls die Schwere von Omikron-Infektionen im Vergleich zu Delta-Infektionen und stellte fest, dass das Hospitalisierungsrisiko für Personen mit einer Omikron-Infektion um 20 bis 25 Prozent geringer war. Wurde die Analyse auf Personen eingeschränkt, bei denen ein weniger als eintägiger Krankenhausaufenthalt notwendig war, reduzierte sich das Risiko um 40 bis 45 Prozent.
  • Eine Studie aus Schottland, die die Daten von nahezu allen 5,4 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen von Anfang November bis Mitte Dezember 2021 berücksichtigt, zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Omikron zehnmal höher ist als die Wahrscheinlichkeit, sich eine Infektion mit der Delta-Variante zuzuziehen. Das Hospitalisierungsrisiko war aber um zwei Drittel geringer.

Die Pandemie hat gezeigt: Die Krankheitsverläufe variieren grundsätzlich stark. Auch wer der Definition zufolge mild an Covid-19 erkrankt, kann mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben, wenngleich diese dann nicht mehr lebensbedrohlich sind und verschiedene Organsysteme betreffen. Häufige erste Krankheitszeichen von Covid-19 sind der Weltgesundheitsorganisation zufolge auch bei Omikron Husten, Schnupfen und Fieber. Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemeine Schwäche und im Verlauf auch Atemnot können hinzukommen. Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung und Benommenheit sind ebenfalls möglich.

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Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns kommen bei Omikron nach bisherigen Erkenntnissen seltener vor. Die Inkubationszeit ist ebenfalls kürzer als bei Delta – und beträgt im Schnitt zwei bis drei Tage. Es kann aber auch länger oder kürzer dauern, bis man ansteckend ist oder Symptome entwickelt.

Die offene Frage: Gefahren durch Long Covid bei Omikron

Neben der akuten Erkrankung Covid-19 leiden viele Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, an Spätfolgen. Das können ganz verschiedene Symptome sein, die noch teils Monate nach der Infektion beobachtet werden. Erschöpfung, Atemnot und Leistungsminderung zählen beispielsweise dazu. Fachleute sprechen dabei von Long Covid. Davon betroffen sein können Menschen, die im Krankenhaus mit Covid-19 behandelt wurden, aber auch Menschen mit einem vergleichsweise milden Verlauf.

Dem RKI und der Stiko zufolge ist aber noch nicht bekannt, wie wahrscheinlich man infolge einer Omikron-Infektion davon betroffen sein kann. Wie viele Menschen in und nach der aktuellen Omikron-Welle konkret von Long Covid betroffen sind, ist ebenfalls schwer zu beziffern. Strukturierte Erhebungen dazu gibt es bislang nicht – denn die Virusvariante zirkuliert erst seit Ende November in der Welt. Ähnlich sieht das bei Pims aus – einer Entzündungserkrankung, die sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen meist wenige Wochen nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 bemerkbar macht. Etwa 660 solcher Fälle hat die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie seit Mai 2020 registriert. Inwiefern das mit Omikron zu- oder abnehmen könnte, ist noch unklar.

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Eine besser belegte Aussage kann man aber schon treffen: Studien aus England und den USA sehen Hinweise darauf, dass das Risiko für Long Covid nach einer Durchbruchsinfektion geringer ist. „Es gibt eine Studie, die zeigt, dass die Impfung das Risiko von Long Covid um 48 Prozent reduziert“, berichtete dem RND Rembert Koczulla, Chefarzt am Fachzentrum für Pneumologie an der Schön Klinik in Berchtesgaden.

Theoretisch mache das auch Sinn. „Mit der Impfung vermeidet man in den meisten Fällen den Ausbruch der Erkrankung. Deshalb ist es logisch, dass auch Folgeerscheinungen von Covid-19 ausbleiben“, erklärt der Long-Covid-Spezialist. Ähnlich sieht es bei Pims aus: Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC schützt die Gabe von zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs bei Kindern und Jugendlichen von zwölf bis 18 Jahren in hohem Maße vor der Erkrankung.

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