Newsletter „Die Pandemie und wir“

Irgendwann sind alle pandemiemüde

Einer Umfrage zufolge sehen viele Deutsche im öffentlichen Nahverkehr ein hohes Ansteckungsrisiko.

Auch über die Maskenpflicht im ÖPNV wird diskutiert. Ein entsprechender Vorstoß aus Schleswig-Holstein stieß diese Woche auf ein geteiltes Echo.

Liebe Leserinnen und Leser,

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im ersten Jahr der Pandemie, damals als das Coronavirus noch neu war, war Orientierung rar. Die Menschen wussten nicht, was sie erwarten würde. Also versuchten sie, aus der Vergangenheit zu lernen. Zum Beispiel von den Erfahrungen mit der Spanischen Grippe, bei der zwischen 1918 und 1920 bis zu 50 Millionen Menschen weltweit starben. Beide Erreger – Influenza und Sars-CoV‑2 – sind respiratorische Viren, vor denen man sich mit Maske, Social Distancing und Lockdowns zu schützen versuchte.

Die Aussagekraft solcher Vergleiche war allerdings beschränkt. Vielleicht sind sie deshalb im Verlauf der Corona-Pandemie auch seltener geworden. In gewissen Punkten jedoch, kann der Vergleich auch heute – im dritten Pandemiejahr – noch aufschlussreich sein. Weniger aus einer virologischen als aus einer gesellschaft­lichen Perspektive heraus. So zeigt sich zum Beispiel: Menschen werden irgendwann schlicht pandemiemüde. „Auch bei der Spanischen Grippe haben die Menschen den Punkt erreicht, an dem sie einfach beschlossen haben, dass die Pandemie jetzt vorbei ist“, erklärte mir zum Beispiel schon im Sommer die Medizinhistorikerin Daniela Angetter-Pfeiffer.

Bei Corona scheinen wir diesen Punkt inzwischen erreicht zu haben. Ein Hinweis darauf ist das Ende der Isolationspflicht, das in einigen Bundesländern nun beschlossen wurde. Wie sinnvoll das ist, das lesen Sie diese Woche in der Rubrik „Was wichtig war“.

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Bleiben Sie stark!

Ihre Anna Schughart

Die Pandemie und wir

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Was wichtig war

Eine Frau geht morgens durch die nahzu menschenleere Frankfurter Innenstadt.

Einige Expertinnen und Experten halten die Aufhebung der Corona-Isolationspflicht für vertretbar. Andere sind zurückhaltender.

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Wer einen positiven Corona-Test hat, muss in vier Bundesländern nicht mehr fünf Tage zu Hause bleiben, sondern kann das Haus verlassen und auch zur Arbeit oder zur Schule gehen. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein haben sich darauf verständigt, die bisherige Isolationspflicht für Infizierte abzuschaffen, wie sie am Freitag gemeinsam mitteilten. Eine klare, einheitliche Meinung dazu, ob nun Eigenverantwortung oder Pflicht das beste Mittel zur Pandemiebekämpfung ist, gibt es unter Fachleuten nicht, erklärt meine Kollegin Laura Beigel.

„Angesichts der geringen Krankheitsschwere mit überwiegend milden Verläufen unter der Omikron-Variante sowie einer inzwischen hohen Basisimmunität in der Bevölkerung ist es der richtige Schritt, die Isolations­pflicht jetzt aufzuheben“, findet zum Beispiel Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing. „Man kommt mit der Regelung ‚Wer krank ist, bleibt zu Hause‘ gut durch die nächsten Wochen und Monate“, pflichtet ihm der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit bei.

Da jedoch noch unklar sei, wie sich das Infektionsgeschehen weiter entwickelt, rät etwa der Epidemiologe Timo UIrichs zur Vorsicht. Und die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek gibt zu bedenken: „Keine Isolations­pflicht mehr zu haben bedeutet nicht, dass Covid‑19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist.“

Außerdem wichtig: Die Ständige Impfkommission hat am heutigen Donnerstag zum ersten Mal eine Empfehlung für die Covid‑19-Impfung von Kleinkindern ausgesprochen. Das Gremium empfiehlt die Impfung im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren nur dann, wenn das Kind bestimmte Risikofaktoren wie zum Beispiel Herz- und Lungenerkrankungen, Immunschwäche oder Trisomie 21 hat.

 

Alltagswissen

Wie lang die Symptome einer Grippe anhalten, ist unterschiedlich. Bei einer milden Infektion fühlen Sie sich etwa fünf bis sieben Tage lang krank.

Wie lang die Symptome einer Grippe anhalten, ist unterschiedlich. Bei einer milden Infektion fühlen Sie sich etwa fünf bis sieben Tage lang krank.

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Zwei Saisons lang blieb die Grippewelle in Deutschland weitgehend aus. Das ist in diesem Jahr anders. Seit einigen Wochen und damit früher als üblich werden nun recht hohe Fallzahlen gemeldet. Hat es Sie auch schon erwischt? Für den Fall der Fälle hat RND‑Autorin Vivien Valentiner wichtige Tipps gesammelt, wie man eine Grippe am besten auskuriert.

„Das Wichtigste, das Sie sich geben sollten, ist Zeit“, rät sie. Aber auch zu lüften, Tees zu trinken und zu inhalieren kann helfen, Symptome zu lindern. Für gesunde Menschen mit guten Abwehrkräften wird eine mild verlaufende Grippe nur selten zum Problem. Sollten die Symptome besonders stark ausfallen oder Risiko­faktoren bei Ihnen vorliegen, ist ein Besuch bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ratsam.

 

Gut gesagt

Das Schließen von Kitas ist definitiv medizinisch nicht angemessen und wäre auch in dem Umfang, wie wir es damals gemacht haben, nach heutigem Wissen nicht nötig gewesen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach

zu den Kita-Schließungen in den ersten Corona-Wellen

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Forschungsfortschritt

Diese Studienergebnisse lassen aufhorchen: Das Corona-Medikament Paxlovid ist offenbar in der Lage, das Risiko für Long Covid zu senken. Das schreibt zumindest ein Forscherteam aus den USA in einer bisher noch nicht publizierten Studie.

Die Forschenden stellten fest, dass Nirmatrelvir (ein Wirkstoff, der in Paxlovid enthalten ist) das Risiko für Long Covid um 26 Prozent senken konnte. Das betrifft unter anderem Corona-Spätfolgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gerinnungsstörungen, Müdigkeit, Leber- und Nierenerkrankungen, Muskelschmerzen und Kurzatmigkeit. Die Wirksamkeit von Nirmatrelvir trat unabhängig vom Impfstatus und der Vorgeschichte der Infektion auf.

 

Was kommt

Folgt auf die Corona-Pandemie die Krebsepidemie? Schätzungsweise eine Million Krebsfälle in Europa könnten in den vergangenen zwei Jahren unentdeckt geblieben sein, schätzen Fachleute. Die Expertinnen und Experten warnen, dass die Pandemie die Erfolge gegen Krebs um fast ein Jahrzehnt zurückwerfen könnte. Schon bevor sich das Coronavirus ausbreitete, war Krebs eine der Haupttodesursachen weltweit. Allein im ersten Jahr der Pandemie sind demnach ein bis fünf Millionen Krebspatientinnen und Krebspatienten weniger behandelt worden. Jeder zweite Erkrankte sei nicht rechtzeitig operiert oder chemotherapiert worden.

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Gesundes Zusatzwissen

Wenn der Weckalarm am frühen Morgen losgeht, erschleichen sich Morgenmuffel gern ein paar Minuten mehr Bettzeit. Mit der Snooze-Funktion, auch Schlummertaste genannt, kann man erst einmal weiterschlafen. Wie verbreitet das Snoozing am Morgen tatsächlich ist und wie es sich auf den Schlaf auswirken könnte, haben jetzt amerikanische Forschende in einer Studie untersucht.

Dabei zeigte sich: Die Schlummertastennutzer und ‑nutzerinnen hatten in den Stunden vor dem Aufwachen eher einen unruhigen Schlaf. Die Studienautoren und ‑autorinnen hielten es für möglich, dass dies mit der Angewohnheit des Snoozings zusammenhing.

Auch Schlafmediziner Hans-Günter Weeß ist kein Fan der Schlummertaste. „Angesichts der Tatsache, dass wir ohnehin zu wenig Schlaf bekommen, sollte man besser den Wecker so spät wie möglich stellen und dann sofort aufstehen“, erklärt er. Snoozing sei jedenfalls keine „sanftere“ oder bessere Form des Erwachens. Was man tun kann, wenn einem das Aufstehen schwerfällt, hat meine Kollegin Irene Habich in diesem Text zusammengefasst.

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Was das Leben leichter macht

Wer abschalten möchte, sollte beim Puzzeln Ablenkungen vermeiden.

Wer abschalten möchte, sollte beim Puzzeln Ablenkungen vermeiden.

Viele Menschen fühlen sich im Alltag gestresst, und es fällt ihnen schwer, zu entspannen. Ihnen hilft es dann, sich als Ausgleich analog zu beschäftigen – durch Mandalas, Puzzles oder Strickarbeiten. „Wenn ich etwas mit meinen Händen berühre, erfahre ich durch den taktilen Reiz völlig andere Informationen, als wenn ich etwas nur mit meinen Augen visuell erfasse“, erklärt die Psycho- und Traumatherapeutin Helga Land-Kistenich diesen entspannenden Effekt. Doch damit das funktioniert, ist es auch wichtig, während des Puzzelns oder Malens Ablenkungen zu vermeiden, indem etwa kein Fernseher oder Musik läuft. Land-Kistenich empfiehlt einen ruhigen Ort, wo wenige Nebengeräusche zu hören sind.

 

Was sonst noch wichtig ist

Der halluzinogene Pilz Psilocybe semilanceata im Wald.

Der halluzinogene Pilz Psilocybe semilanceata im Wald.

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Mindestens 30 Medikamente sind von der US‑amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zur Behandlung von Depressionen zugelassen, allerdings zeigen Studien, dass deren Wirksamkeit beschränkt ist. Aufgrund dieses „therapeutischen Vakuums“ werden psychoaktive Substanzen wie Psilocybin oder LSD als Arzneimittelkandidaten nun neu bewertet.

Eine aktuelle Studie konnte nun zeigen: Eine halluzinogen wirkende Substanz aus Pilzen kann zumindest vorübergehend die Symptome einer schwer behandelbaren Depression lindern. Das berichtet ein inter­nationales Wissenschaftlerteam nach einer vergleichsweise großen Studie zur Wirksamkeit von Psilocybin im „New England Journal of Medicine“. Die Ergebnisse rechtfertigen die Weiterführung der klinischen Prüfung der psychoaktiven Substanz, meinen die Autorinnen und Autoren.

 

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