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Nicht schwanger: Warum die Periode trotzdem manchmal länger ausbleibt

Wenn die Periode ausbleibt, ist nicht immer eine Schwangerschaft die Ursache.

Pünktlich alle vier Wochen die Periode: Das ist für die meisten Frauen reine Theorie. In welchem Abstand, wie lang und wie stark sie menstruieren, ist völlig unterschiedlich. Außerdem kann es immer mal zu Unregelmäßigkeiten kommen, ohne dass sie eine größere Bedeutung hätten. Was ist aber, wenn bei jungen Frauen, die nicht schwanger sind, die Periode auf einmal ganz ausbleibt? So berichtet zum Beispiel die 19-jährige Sophia, dass sie keine Regelblutung mehr hatte, als sie ein nervenaufreibendes Auslandsjahr machte. „Zuerst habe ich mir nicht viel gedacht, weil es bei mir im Urlaub öfter mal zu Verzögerungen kam. Aber als meine Tage nach ein paar Monaten immer noch nicht da waren, war ich beunruhigt.“ Im Internet fand sie eine lange Liste möglicher Gründe und hatte auf einmal Angst, schwer krank zu sein. „Dabei habe ich vermutet, dass es einfach am Stress lag. In Prüfungsphasen hatte ich auch schon Verschiebungen.“

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Zahlreiche Hormone wirken auf den Zyklus

Der Fachausdruck für Sophias Problem heißt sekundäre Amenorrhoe. Davon spricht man, wenn die Periode drei Monate und länger auf sich warten lässt, ohne dass eine Frau schwanger wäre oder in den Wechseljahren. Das Phänomen ist weit verbreitet, wie die Gynäkologin und Hormonexpertin Bettina Böttcher von der Medizinischen Universität Innsbruck berichtet. „Genau beziffern lässt es sich nicht, aber auf alle Fälle ist ein beträchtlicher Anteil der Frauen davon betroffen.“

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Dass der Zyklus so leicht aus dem Takt gerät, ist nicht verwunderlich. „Das Menstruationssystem ist wahnsinnig komplex, weil viele Hormonsysteme ineinandergreifen“, sagt Wolf Lütje, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Je komplexer ein System ist, desto anfälliger ist es für Störungen.“ Zentrales Steuerungsorgan ist der Hypothalamus im Gehirn, der unter anderem das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ausschüttet. Es veranlasst die Hypophyse dazu, das luteinisierende Hormon und das follikelstimulierende Hormon freizusetzen. Diese beiden Stoffe regen wiederum die Eierstöcke an, die Sexualhormone Östrogen und Progesteron zu produzieren, die den Menstruationszyklus steuern. Daneben können aber auch andere Botenstoffe, etwa Schilddrüsenhormone, den Zyklus beeinflussen.

Auch Stress oder Krankheiten können Auslöser sein

Vor diesem Hintergrund leuchtet es ein, dass die Liste möglicher Ursachen so lang ist. Zu den gängigen gehört das Absetzen der Pille, wie die Leipziger Frauenärztin Reinhild Georgieff erklärt. „Es dauert oft drei bis sechs Monate, bis sich der Rhythmus wieder eingependelt hat. Der Körper braucht seine Zeit“, sagt die Expertin von der Arbeitsgemeinschaft für Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Akupunktur und Umweltmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Abgesehen davon können sich hormonelle Verhütungsmittel auch stark auf den Zyklus auswirken, solange man sie anwendet: Zum Beispiel bleibt die Periode bei der Hormonspirale nach einer Weile oft komplett aus, weil sich die Gebärmutterschleimhaut nur schwach aufbaut.

Hinter einer Amenorrhoe können sich aber auch diverse Krankheiten verbergen, etwa das Polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS). Bei dieser häufigen Stoffwechselstörung geraten die Hormone durcheinander, sodass sich meist zu viele männliche Hormone im Blut ansammeln. Häufig entwickeln sich kleine, wassergefüllte Bläschen an den Eierstöcken, typisch sind außerdem Zyklusstörungen. Daneben können Schilddrüsenerkrankungen, Erkrankungen im Bereich von Hypophyse oder Hypothalamus, Medikamente wie bestimmte Antidepressiva, Krebsbehandlungen und vieles mehr zu einer Amenorrhoe führen.

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Oft liegt es aber an besonderen Belastungen, wenn die Regel ausbleibt. Psychische Anspannung, Essstörungen und Leistungssport führen zu einem dauerhaft erhöhten Level an Stresshormonen. Sie können den Hypothalamus so beeinflussen, dass weniger GnRH ausgeschüttet wird und sich daher keine Menstruation mehr einstellt. „Der Taktgeber im Gehirn funktioniert dann nicht mehr“, sagt Böttcher. Auch Traumatisierungen, etwa Gewalt- oder Verlusterfahrungen, können eine Amenorrhoe zur Folge haben. Lütje erklärt: „Dass die Periode in solchen Fällen ausbleibt, ist ein Schutzreflex des Körpers. Es geht dann nicht mehr um Reproduktion, sondern ums eigene Überleben. Zwischen Psyche, Immun- und Hormonsystem gibt es sehr enge Verbindungen.“

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Bleibt die Periode langfristig aus, kann eine Hormontherapie helfen

Aber ist es eigentlich nicht ganz praktisch, keine Periode mehr zu haben? Nur auf den ersten Blick. Ist der Körper längere Zeit mit Hormonen unterversorgt, kann das viele unerwünschte Folgen haben, warnt Böttcher: „Das reicht von Osteoporose über Haut- und Haarprobleme bis hin zu kognitiven Funktionsstörungen.“ Außerdem könnten sich hinter der Amenorrhoe ernste Krankheiten verbergen, die behandelt werden müssen.

Doch gerade da so viele Ursachen infrage kommen, sollten Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnosestellung besonders sorgfältig vorgehen. „Es ist wichtig, den Psychosozialbereich zu berücksichtigen und sehr viel nachzufragen“, sagt Lütje. Daneben können auch Informationen zu den Lebensumständen und zur Ernährung zur Aufklärung beitragen. So betont Reinhild Georgieff: „Fette sind für die Bildung von Hormonen sehr wichtig.“ Eine Unterversorgung, die sie manchmal bei veganer Ernährung oder exzessiven Diäten beobachte, könne daher zu Zyklusstörungen führen. Auch Umweltgifte, etwa Weichmacher in Plastik, könnten den Hormonhaushalt beeinflussen und sollten als möglicher Auslöser berücksichtigt werden, meint die Ärztin.

Hält eine Amenorrhoe längere Zeit an, raten Schulmediziner in der Regel zu einer Hormontherapie. Welche Mittel genau verschrieben werden, hängt vom Alter und der Situation der Frauen ab: Wollen sie verhüten oder schwanger werden? Bewegen sie sich auf die Wechseljahre zu? „Dabei handelt es sich aber nur um eine ergänzende Behandlung, die nichts an den Ursachen ändert“, sagt Georgieff. Die eigentliche Therapie sollte sich nach den tieferliegenden Gründen richten: Je nachdem können Psychotherapien, Ernährungsumstellungen, Entspannungsverfahren oder Medikamente sinnvoll sein – oft sogar mehreres auf einmal. Auch alternative Verfahren, etwa Akupunktur, Homöopathie oder Heilpflanzen, könnten Frauen ihrer Erfahrung nach helfen, berichtet die Ärztin. „Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn jemand dafür aufgeschlossen ist.“ Manchmal erledigen sich die Probleme aber auch von selbst: Sophia bekam ihre Tage, als sie wieder daheim war.

Tipps aus der Naturheilkunde

Entspannung: Ausreichend Schlaf, Spaziergänge, Meditation und Atemübungen können dem Körper helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

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Sanfte Bewegung: Qi Gong, Bauchtanz und Yoga wird nachgesagt, harmonisierend auf den weiblichen Zyklus zu wirken. Als hilfreich empfinden manche auch „Hormon-Yoga“, das die Brasilianerin Dinah Rodrigues gezielt für Frauen entwickelte, deren Hormonhaushalt aus den Fugen geraten ist.

Heilpflanzen: Es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, die menstruationsfördernd wirken sollen. Man sollte sie aber nur anwenden, wenn eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Außerdem müssen Allergikerinnen aufpassen. Als blutungsfördernd gelten z. B. Mönchspfeffer, Beifuß, Rosmarin und Senf. Helfen können bei Amenorrhoe aber auch Himbeerblätter, da sie zyklusregulierend wirken sollen. Außerdem gilt Frauenmantel als Allrounder bei gynäkologischen Beschwerden.

Ernährung: Sowohl Über- als auch Untergewicht können mit Zyklusstörungen verbunden sein. Grundsätzlich sind eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten empfehlenswert. Ansonsten lohnt es sich, auf eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Nüsse, Fisch) und Vitamin D (z. B. Lachs, Pilze, Eier) zu achten. Wichtig für die Knochengesundheit ist außerdem Kalzium (z. B. Milchprodukte, grünes Gemüse).

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