Corona-Impfung bei Tieren: Wann ist das sinnvoll?

Gorillaweibchen Yene im Zoo Rostock: Auch Menschenaffen können am Coronavirus erkranken. Eine Impfung könnte die vom Aussterben bedrohten Tiere schützen.

In den USA wurde bereits vor einigen Monaten eine Corona-Impfung für Tiere entwickelt, auch in Russland ist bereits ein solcher Impfstoff zugelassen. Die Impfstoffe können auf Nerzfarmen aber auch bei Zootieren eingesetzt werden, die vom Aussterben bedroht sind. In den USA wurden bereits einige Tiere mit den Vakzinen geimpft.

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Im Zoo von San Diego hatten sich Anfang des Jahres acht Flachland-Gorillas mit Sars-CoV-2 infiziert. Offenbar hatte sie ein Pfleger angesteckt, der positiv auf das Virus getestet worden war. Die meisten der Tiere zeigten dabei nur milde Symptome. Ein 49-jähriges Gorillamännchen mit Namen Winston hatte allerdings eine Lungenentzündung und Herzbeschwerden entwickelt und musste mit monoklonalen Antikörpern behandelt werden.

Um weitere Tiere vor einer Ansteckung zu schützen, hatte sich der Zoo daraufhin entschlossen, seine restlichen Menschenaffen zu immunisieren: Mehrere Orang-Utans und Bonobos wurden mit einem noch in der Entwicklung befindlichen Impfstoff für Tiere gegen das Coronavirus geimpft.

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Impfung auch bei Raubkatzen möglich

Zootiere hatten sich in der Vergangenheit bereits mehrfach mit dem Coronavirus infiziert. So waren erstmals im vergangenen Frühjahr in einem New Yorker Zoo Tiger und Löwen positiv getestet worden. Auch in weiteren Tierparks waren danach Großkatzen erkrankt, einige hatten Atembeschwerden und Erkältungssymptome entwickelt. Nicht nur in San Diego, auch in anderen Zoos haben sich zudem Gorillas infiziert.

Raubkatzen und große Menschenaffen wie Gorillas und Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht. Nachdem sich in San Diego gezeigt hatte, dass Affen die Corona-Vakzine offenbar gut vertragen, haben mehrere US-amerikanische Tierparks ihre Menschenaffen geimpft. Auch eine Impfung von Großkatzen wie Löwen, Tigern und Leoparden ist möglich. Ein Zoo im US-amerikanischen Oakland hat ebenfalls kürzlich damit begonnen, Tiere wie Tiger, Pumas oder Bären gegen Covid-19 zu impfen.

Der verwendete Impfstoff stammte vom US-Unternehmen Zoetis, einer ehemaligen Tochterfirma von Pfizer. Das US-Unternehmen hatte ursprünglich einen Corona-Impfstoff für Hunde und Katzen auf den Markt bringen wollen und mit der Entwicklung begonnen, nachdem im Winter 2020 erstmals ein Hund in Hong Kong positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Offenbar ist die Impfung aber für verschiedene Tierarten geeignet.

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Vakzin enthält Proteine des Virus

Es handelt sich nach Angaben von Zoetis weder um einen Vektor- noch um einen mRNA-Impfstoff: Stattdessen soll das Vakzin für Tiere nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren, wie der noch nicht zugelassene Corona-Impfstoff der Firma Novavax für Menschen. Dieser enthält Proteine des Virus, die eine Reaktion des Immunsystems auslösen.

Zoetis ist dabei nicht der einzige Hersteller, der die Idee zu einem Impfstoff für Tiere hatte. Ein weiterer amerikanischer und ein finnischer Pharmakonzern arbeiten daran. Auch Russland gab bekannt, dass dort bereits ein Impfstoff für Tiere zugelassen wurde. Wie das russische Agrarministerium mitteilte, soll das Präparat mit dem Namen Carnivac-Cov in klinischen Tests bei Hunden, Katzen und Nerzen die Bildung von Antikörpern ausgelöst haben.

Mutationen auf Nerzfarmen verhindern

Hauptsächlich eingesetzt werden könnte der Impfstoff auf russischen Nerzfarmen. Nerze gelten als besonders empfänglich für Infektionen mit dem Coronavirus: Es war in mehreren Ländern zu großen Ausbrüchen auf Nerzfarmen gekommen, etliche Nerze waren an dem Virus verendet. Auf den Farmen wird eine große Anzahl Tiere auf engstem Raum gehalten, wodurch sich der Erreger schnell ausbreiten kann. Auch wird befürchtet, dass das Virus auf Nerzfarmen zwischen Tieren und Menschen hin und her springen könnte und dadurch das Auftreten von Mutationen begünstigt wird. In Dänemark waren mit dieser Begründung 17 Millionen Nerze auf Farmen getötet worden.

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Eine Impfung für Nerze dürfte hohen Absatz finden, weil die Pelzfabrikanten damit wirtschaftlichen Schaden abwenden könnten. Auch Zoetis setzt inzwischen eher auf Nerzfarmen als Abnehmer, als auf Hunde- und Katzenhalter.

Impfung von Hunden und Katzen nicht nötig

Die Impfung von Haustieren halten die russischen Behörden hingegen nicht für notwendig, da die Gefahr einer Ansteckung für Menschen gering seien. Das sehen andere Experten ähnlich: So scheinen Halter das Coronavirus in einigen Fällen auf ihre Hunde oder Katzen übertragen zu können. Eine Übertragung vom Haustier auf den Menschen gilt aber als äußerst unwahrscheinlich.

Auch zum Schutz der Haustiere wird die Impfung nicht zwingend benötigt, denn Hunde und Katzen entwickeln meist keine oder nur milde Symptome. Allerdings gehen britische Tierärzte derzeit der Frage nach, ob die neue britische Variante des Erregers vermehrt Herzmuskelentzündungen bei Hunden und Katzen auslösen könnte. Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollte daher vorsichtshalber etwas Abstand zu seinem Haustier halten.

Peta: Deutsche Zoos sollten Tiere schützen

Für einen besseren Schutz von Zootieren setzt sich der deutsche Ableger der Tierschutzorganisation Peta ein: „Wissenschaftler warnen eindringlich vor den Gefahren einer Corona-Infektion für Menschenaffen. Wir appellieren daher ausdrücklich an alle deutschen Zoos, sicherzustellen, dass die Ansteckungsgefahr für die eingesperrten Wildtiere durch strikte Hygienemaßnahmen in der Tierpflege minimiert wird“, heißt es in einer Stellungnahme der Tierschützer. Zoos sollten zudem „dringend von einer verfrühten Wiedereröffnung absehen“, weil Besucher dadurch das Coronavirus einschleppen und die Tiere zusätzlich gefährden könnten.

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