Studie: Große Mehrheit der Jugendlichen hält sich an Corona-Maßnahmen

Freunde treffen per Videoschalte: Jugendliche leidern vor allem unter der Reduzierung sozialer Kontakte

Freunde treffen per Videoschalte: Jugendliche leidern vor allem unter der Reduzierung sozialer Kontakte

Jugendliche zeigen sich in der Corona-Pandemie solidarisch und halten sich größtenteils an die seitens der Politik beschlossenen Maßnahmen. 83 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren gaben im Rahmen einer Yougov-Studie im Auftrag der Tui Stiftung an, sich an alle oder an die überwiegenden Maßnahmen und Empfehlungen zur Bekämpfung der Pandemie zu halten. Dabei steht für die Jugendlichen der Schutz ihrer Mitmenschen im Fokus. Für 89 Prozent der Befragten ist die Gesundheit anderer wichtig oder äußerst wichtig.

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Laut Marcus Spittler, Wissenschaftler in der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), habe sich das Bild der Jugendlichen im Umgang mit der Pandemie im vergangenen halben Jahr stark gewandelt. „Jetzt scheint es so, als müsste man den jungen Erwachsenen mit Alkoholverboten und Sperrstunden die Feierwütigkeit austreiben“, kommentiert Spittler. „Es wird suggeriert, dass sich junge Leute besonders schlecht an die Maßnahmen halten. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass man das nicht so sagen kann.“

Auch die Geschäftsführerin der Tui Stiftung, Elke Hlawatschek, kommentiert: „Junge Menschen sind offenbar in dieser Ausnahmesituation solidarischer, als die öffentliche Debatte das derzeit widerspiegelt. Die Bilder von den Corona-Partys finden keine Entsprechung in den Zahlen. Wir sollten den Beitrag der jungen Menschen zur Bekämpfung der Pandemie anerkennen und wertschätzen.“

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„Es ist noch nie so leicht gewesen, etwas Gutes zu tun“

Tatsächlich erfahren die Maßnahmen unter den Jugendlichen große Zustimmung. Mehr als die Hälfte der Befragten hält sie für angemessen. 18 Prozent finden sogar, dass die neuen Regelungen und Beschränkungen eher nicht ausreichen. 12 Prozent halten sie für eher übertrieben.

„Es war noch nie so leicht, solidarisch zu sein, weil man Leben retten kann, indem man zu Hause bleibt, Fernsehen guckt und seine Kontakte beschränkt. Es ist noch nie so leicht gewesen, etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Gerade wenn man im Zuge der Klimakrise von den Älteren fordert, für unser späteres Leben Verantwortung zu übernehmen, dann sollte man auch jetzt Verantwortung für das Leben der Älteren übernehmen“, sagt die 20-jährige Studentin Stella Tringali aus Berlin bei der Vorstellung der Studie.

Weniger soziale Kontakte belasten Jugendliche

Wie auch Erwachsene ab 27 Jahren leiden die Jüngeren vor allem unter der Reduzierung sozialer Kontakte. Auch die Einschränkung der Freizeit, durch Ausfälle im Sport- oder Kulturbereich sowie die Beschränkung der Mobilität belasten die jungen Erwachsenen. Die Gruppe der 16- bis 20-Jährigen leidet zudem besonders stark unter den Bedingungen im Homeschooling (29 Prozent).

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Junge Menschen verspüren vor allem in Deutschland eine Zunahme des Konflikts zwischen Jung und Alt. Dieser Konflikt war laut Studie schon vor der Pandemie präsent, hat sich durch die Entwicklungen der letzten Monate aber noch einmal verstärkt. 54 Prozent nehmen diese Spannungen zwischen den Generationen wahr. „Besonders bedauerlich ist es, dass junge Erwachsene den Eindruck haben, dass Politiker und Politikerinnen sich nicht wirklich für ihre Interessen einsetzen“, sagt Marcus Spittler. „Besonders in Deutschland sagen junge Erwachsene, dass die ältere Generation sie nicht ernst nimmt und dass die Älteren nicht an sie denken, wenn es um ihre Zukunft geht.“

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Klimaschutz und Asylpolitik bleiben wichtige Themen

Für Jugendliche in Europa stehen nach wie vor die Themen Klima- und Umweltschutz sowie Asyl und Migration an erster Stelle. Junge Erwachsene aller sieben herangezogenen Länder messen diesen Bereichen die höchste Wichtigkeit zu. Weitere Themen, denen Jugendliche hohe Relevanz zuschreiben, sind die Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Für die Jugendbefragung der Tui Stiftung hat Yougov 2020 zwei Umfragen durchgeführt. Im Januar wurden zur Studie „Junges Europa“ mehr als 6000 Jugendliche aus sieben europäischen Ländern befragt. Eine zweite Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie wurde im September unter mehr als 1000 jungen Menschen aus Deutschland durchgeführt.


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