Corona-Ursprung: Bislang engster Verwandter des Virus in Fledermäusen entdeckt

Eine Mittelmeerhufeisennase verlässt die Höhle zum Jagen.

In Fledermäusen in Laos haben Forschende Coronaviren gefunden, die dem Pandemievirus Sars-CoV-2 sehr ähneln – stärker als alle bisher in Tieren identifizierten Coronaviren. Besonders bemerkenswert ist, dass die Erreger menschliche Zellen infizieren und sich darin vermehren können, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“. Die Untersuchung zeige, dass in Südostasien Coronaviren in Fledermäusen zirkulieren, die den Menschen anstecken können. Das stützt die Vermutung eines natürlichen Ursprung des Erregers.

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Unter Leitung von Marc Eloit vom Pariser Institut Pasteur (Frankreich) hatten die Forschenden insgesamt 645 Fledermäuse unterschiedlicher Arten in den Kalksteinhöhlen im nördlichen Teil von Laos gefangen. In 539 Stuhlproben der Tiere suchten sie nach Erbgut von Coronaviren. Bei 24 Fledermäusen von 10 unterschiedlichen Arten war der Test positiv. Sieben Coronaviren gehörten zur Gruppe der Sarbecoviren, der auch Sars-CoV-2 angehört.

Fledermäuse tragen Viren, die Sars-CoV-2 ähneln

In drei Fledermausarten – alle aus der Gruppe der Hufeisennasen – fanden die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Viren, die Sars-CoV-2 stark ähnelten, wie detaillierte Untersuchungen des Genoms zeigten. Die Übereinstimmung auf der gesamten Länge des Genoms betrug bei einem Vertreter knapp 97 Prozent. Bei dem bisher engsten Verwandten – einem in China identifizierten Coronavirus – betrug die Übereinstimmung 96 Prozent.

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Vor allem die Rezeptorbindedomäne im Spike-Protein des Virus, die für das Andocken an den ACE2-Rezeptor auf Zellen des Menschen maßgeblich ist, unterschied sich nur minimal von der bei Sars-CoV-2. Dementsprechend binden die Viren stärker an den ACE2-Rezeptor als etwa das früh zirkulierende Sars-CoV-2, berichten die Forschenden. Experimente zeigten weiter, dass die Viren in der Tat menschliche Zellen infizieren und sich darin vermehren können. Antikörper, die Sars-CoV-2 neutralisieren können, verhinderten dies – ein weiterer Beleg für die große genetische Verwandtschaft.

Mehrere Theorien zur Furin-Spaltstelle

Die sogenannte Furin-Spaltstelle, die Sars-CoV-2 den Eintritt in menschliche Zellen erleichtert, fanden die Forscher hingegen nicht. Das Vorhandensein dieser Spaltstelle bei Sars-CoV-2 wird häufig als Beleg dafür genannt, dass das Virus in einem Labor künstlich erzeugt wurde, weil das Merkmal in der Natur bisher nicht gefunden wurde. Das könne aber auch einfach daran liegen, dass bisher noch nicht genügend Fledermäuse untersucht worden seien, schreibt das Team um Eloit. Denkbar sei auch, dass dieses genetische Merkmal zu einem späteren Zeitpunkt der Virusentwicklung erworben wurde, etwa in einem Zwischenwirt oder als die Viren gerade begannen, sich unter Menschen auszubreiten.

Das Genom von Sars-CoV-2 sei ein Mosaik, zu dem vermutlich mehrere unterschiedliche Vorläufer beigetragen haben, schreiben die Forschenden. Gerade wenn verschiedene Fledermausarten dieselbe Höhle bewohnten, könne es zum Austausch von Erbgutbestandteilen und zur Entstehung neuer Virustypen kommen. Ihre Untersuchung zeige, dass in Fledermäusen Coronaviren zirkulierten, die das Potenzial haben, Menschen zu infizieren – ähnlich wie Sars-CoV-2. Besonders gefährdet seien etwa Guano-Sammler, in der Nähe der Höhlen lebende Menschen oder Touristen, die die Höhlen besuchten.

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Unklar bleibe bei der Theorie eines natürlichen Ursprung weiterhin, auf welchem Weg genau die Viren von den Fledermäusen zu den Menschen fanden, ob Zwischenwirte wie Schuppentiere beteiligt waren oder nicht und wie die Viren schließlich nach Wuhan in China gelangten, wo die ersten Infektionen beim Menschen nachgewiesen wurden.

RND/dpa

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