Delta, Eta, Kappa, Lambda: Was die Coronavirus-Varianten auf der WHO-Liste unterscheidet

Viele Mutationen in den unterschiedlichen Linien der Varianten von Sars-CoV-2 ähneln sich. Das Virus setzt also auf einige wenige Strategien.

Viele Mutationen in den unterschiedlichen Linien der Varianten von Sars-CoV-2 ähneln sich. Das Virus setzt also auf einige wenige Strategien.

Zahlreiche griechische Namen stehen inzwischen auf der Liste der besorgniserregenden Virusvarianten oder solchen, die von Interesse sind oder unter Beobachtung stehen. Die Bezeichnungen reichen von Alpha, Beta, Gamma und Delta bis hin zu Zeta, Eta, Kappa und Lambda. Eines demonstrieren diese Namen alle miteinander: Das Coronavirus Sars-CoV-2 verändert sich permanent, seit es in der Welt zirkuliert.

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Seit dieser Woche macht eine neue Variante Sorgen, die die Weltgesundheitsorganisation noch nicht einer ihrer Kategorien zugeordnet hat. Forschende befürchten, dass B.1.1.529 sehr ansteckend sein könnte und Impfstoffe gegen diese Variante weniger wirken könnten. Denn B.1.1.529 weist sehr viele Mutationen auf. Konkrete Aussagen lassen sich aber noch nicht treffen.

Warum mutieren Viren?

Die Ausbreitung von Varianten ist ein bekannter Trick von Viren, um auf dem Globus fortzubestehen. Erst verbreitet sich der Ursprungstyp rasant unter seinen Wirten, dann versucht der Erreger durch Mutationen zu überleben.

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Die bisherigen Strategien, auf die das Coronavirus mithilfe unterschiedlicher Varianten setzt, sind oft dieselben: Ansteckender werden und den Immunschutz umgehen. Denn Sars-CoV-2 läuft die Zeit davon. Der Selektionsdruck steigt mit immer mehr Geimpften und Genesenen.

Virusvarianten nach griechischen Buchstaben benannt – und nach VOI und VOC

Weil die Virusvarianten den Erfolg von Impfungen gefährden und die Infektionsdynamik zum Negativen verändern könnten, wird ihre Ausbreitung regelmäßig beurteilt. Etwa von der Weltgesundheitsorganistation (WHO), aber auch nationalen Gesundheitsbehörden wie hierzulande dem Robert Koch-Institut (RKI). Seit Ende Mai gibt es dafür auch eine von der WHO entwickelte vereinfachte Nomenklatur. Heißt: Relevante Viruslinien werden nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt. Relevant meint dabei:

  • Varianten von Interesse (“Variants of Interest“, VOI), also in Proben entdeckte Viruslinien, die verschiedene besorgniserregende Mutationen auf einmal vorweisen, die zu gehäuften Fällen führen oder in mehreren Ländern auftreten.
  • Besorgniserregende Varianten (“Variants of Concern“, VOC), also Viruslinien, die sich nachweislich besonders stark von herkömmlichen Varianten unterscheiden. Etwa weil sie übertragbarer sind, virulenter, und/oder die Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen schlechter ausfällt.

Welche Varianten inzwischen nach diesem System benannt wurden, seit wann sie zirkulieren und wieso sie unter besonderer Beobachtung stehen, zeigt die Übersicht der WHO-Nomenklatur:

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Alpha (B1.1.7)

Seit Dezember 2020 gilt Alpha als besorgniserregend klassifizierte Virusvariante (VOC). Erstmals nachgewiesen wurde sie im September 2020 in Großbritannien. In Deutschland hatte sich diese Linie im Frühjahr 2021 komplett durchgesetzt. Inzwischen ist sie von Delta abgelöst worden, wie das RKi in seinem neuesten Wochenbericht vom 25. November berichtet

Die Alphavariante ist leichter von Mensch zu Mensch übertragbar als der Urtyp und weist eine höhere Reproduktionszahl auf. Sie ist dem RKI zufolge also schwerer einzudämmen. Wie die Behörde berichtet, geht sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeitsrate einher. Beweise für eine substantiell verringerte Wirksamkeit der Impfstoffe gibt es bislang nicht.

Mit einer Ausnahme: Besitzt die Alphavariante die Mutation E484K – wie mehrfach in Großbritannien nachgewiesen, aber bislang nur selten in Deutschland – besteht die Vermutung, dass die derzeit erhältlichen Impfstoffe gegen diese Variante eine geringere Wirksamkeit aufweisen könnten.

Beta (B.1.351)

Die Betavariante wurde im Mai 2020 zuerst in Südafrika nachgewiesen, im Dezember als besorgniserregend Variante (VOC) klassifiziert. In Deutschland hat sie sich nicht weitgehend ausgebreitet, wurde also auf sehr niedrigem Niveau nachgewiesen und blieb unauffällig. Laut RKI wurde auch die Beta-Variante mittlerweile ebenfalls von Delta verdrängt.

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Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Geimpfte oder Genesene weniger gut vor einer Infektion mit B.1.351 geschützt sind, da die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hat, gegen das veränderte Virus weniger wirksam sind.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt, dass Geimpfte und Genesene, die mit einer mit der Beta-Variante infizierten Person engen Kontakt hatten, in der Regel in Quarantäne müssen – was bei anderen Varianten meistens nicht der Fall sei.

Wie die Sonderform der Alphavariante trägt sie die Mutation E484K. Auch für diese Variante wird eine höhere Übertragbarkeit diskutiert.

Gamma (P.1)

Auf diese Mitte Januar dieses Jahres als besorgniserregend klassifizierte Variante (VOC) wurden Forschende Ende 2020 aufmerksam, weil es in der brasilianischen Amazonas-Metropole Manaus über den Jahreswechsel plötzlich sehr viele Neuinfizierte, Covid-19-Patienten und Tote gab – obwohl bereits ein Großteil der Bevölkerung als genesen galt. Auch in Deutschland wurde sie vereinzelt in untersuchten Proben nachgewiesen, aber ebenso wie Alpha und Beta nahezu vollständig von der Delta-Variante verdrängt.

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Die Gammavariante ähnelt in ihren Veränderungen der Betavariante. Sie weist bestimmte besorgniserregende Mutationen wie E484K auf, die auch in B.1.351 präsent sind. Experimentelle Daten deuten auch für diese Variante auf eine reduzierte Wirksamkeit neutralisierender Antikörper bei Genesenen und Geimpften hin.

Eine erhöhte Übertragbarkeit wird ebenfalls angenommen. Deshalb gelten für Gamma die gleichen Quarantäneregeln wie für Beta – Geimpfte und Genesene mit Kontakt zu einem Gamma-Infizierten bekommen in der Regel Quarantäne angeordnet.

Delta (B.1.617.2)

Diese seit Mitte Mai als besorgniserregend klassifizierte Variante (VOC) wurde im Oktober vergangenen Jahres erstmals im indischen Bundesstaat Maharashtra nachgewiesen. „In Deutschland, wie auch im europäischen Ausland, werden praktisch alle Infektionen durch die Delta-Variante (B.1.617.2) verursacht“, schreibt das Robert Koch-Institut in seinem aktuellen Wochenbericht vom 25. November.

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Delta zeichne sich durch Mutationen aus, die die Übertragbarkeit des Virus erhöhten und mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht würden, so das RKI. „Studien deuten darauf hin, dass nach vollständiger Impfung ein sehr guter Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta besteht“, informiert die Behörde.

Auch eine Unterform der Deltavariante macht Sorgen. Das indische Gesundheitsministerium berichtete von einer sogenannten Delta Plus-Variante (B.1.617.2.1 oder AY.1). Diese wurde auch schon in Europa, aber noch nicht in Deutschland erfasst. Delta Plus soll besonders ansteckend sein und stärker an Lungenzellen binden. Sie enthält eine zusätzliche Spike-Mutation K417N, die auch in der Betavariante vorgekommen ist. Bislang gibt es dazu aber nur wenig Daten.

Lambda (C.37)

Die vor allem in Südamerika auftretende Variante steht erst seit Mitte Juni unter WHO-Beobachtung – als Variante von Interesse (VOI). Lambda wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert. In Deutschland ist sie nach RKI-Angaben zwar schon mehrfach gefunden worden, zuletzt aber nur in Einzelfällen. Seit der Kalenderwoche 39 (27. Oktober bis 3. November) wurde sie in Deutschland nicht mehr nachgewiesen, steht im RKI Wochenbericht vom 25. November.

Die Vermutung, dass Lambda aufgrund der Mutation ansteckender und gefährlicher für das Immunsystem ist, gab es schon länger – nun bestätigt eine Studie aus Japan, die auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht wurde, die Annahme. Demnach ist Lambda hochinfektiös und resistenter gegenüber Impfstoffen als die ursprüngliche Variante des Virus.

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Bei Labortests sei festgestellt worden, dass es im Spike-Protein der Lambda-Variante drei Mutationen gibt – RSYLTPGD246-253N, 260 L452Q und F490S –, die das Virus resistenter gegen eine Neutralisierung durch Impfstoff-induzierte Antikörper machen. Zwei weitere Mutationen, T76I und L452Q, sorgten für eine hohe Infektiosität.

Lambda sei demnach auch in der Lage dazu, dem Immunschutz „etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta”, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl.

My/Mu (B.1.621)

Anfang September 2021 hat die WHO die Corona-Variante My als „Variante von Interesse“ (VOI) eingestuft. Sie weist Mutationen auf, die auf eine mögliche Resistenz gegen Impfstoffe hindeuten könnten.

B.1.621 ist erstmals im Januar 2021 in Kolumbien entdeckt worden. Anfang September machte sie dort laut WHO 39 Prozent der Fälle aus. In Deutschland dagegen spielt My aktuell keine Rolle. Seit der Kalenderwoche 39 (27. Oktober bis 3. November) wurde sie hier nicht mehr nachgewiesen, steht im RKI Wochenbericht vom 25. November.

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Neue Kategorie: Varianten unter Beobachtung (VUM)

Aufgrund der Dominanz der Delta-Variante, die andere Varianten zunehmend verdrängt, hat die WHO einige besorgniserregende Varianten „deeskaliert“, schreibt das RKI im aktuellen Wochenbericht.

Es gibt nun auch die Kategorie der „Varianten unter Beobachtung“ („Variants Under Monitoring“, VUM). Dazu zählen laut WHO Varianten mit genetischen Veränderungen, die in Zukunft ein Risiko sein könnten, aber deren epidemiologischen Auswirkungen derzeit unklar sind. Sie stärker zu bewachen, sei erst wieder nötig, wenn neue Hinweise vorliegen würden.

Weil sich die Lage und die wissenschaftliche Einschätzung der Varianten momentan häufig ändert, werden für VUM von der WHO aktuell keine griechischen Buchstaben als Namen vergeben. Zu den VUM, die vorher als VOI galten, zählen:

Eta (B.1.525): Die Variante wurde im Dezember 2020 in Zentralafrika und vereinzelt in Großbritannien registriert. Eta galt als Variante von Interesse, weil sie eine erhöhte Übertragbarkeit und eine veränderte Immunantwort haben könnte.

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Iota (B.1.526): Diese Variante hat ihren Ursprung im November 2020 in New York und breitete sich dann in den USA aus. Auch bei Iota wurde die E484K-Spike-Mutation festgestellt, die dem Virus helfen kann, Antikörper zu umgehen.

Kappa (B.1.617.1): Mitte Dezember vergangenen Jahres wurde die Kappavariante erstmals in Proben in Indien entdeckt. Vermehrt trat sie auch in Großbritannien und den USA auf, auch in Deutschland gibt es immer wieder Fälle. Die Kappavariante zeigt Veränderungen, die mit einer verringerten Immunität und höheren Übertragbarkeit im Zusammenhang stehen.

Ehemals unter Beobachtung stehende Varianten

Außerdem listet die WHO Varianten, die schon einmal beobachtet wurden, aber mittlerweile nicht mehr unter Beobachtung stehen. Auf sie trifft laut RKI mindestens eines der folgenden Kriterien zu:

  • Die Variante ist nicht mehr im Umlauf.
  • Die Variante zirkuliert seit langem ohne Auswirkungen auf die epidemiologische Gesamtsituation.
  • Wissenschaftliche Beweise zeigen, dass die Variante mit keinen bedenklichen Eigenschaften verbunden ist.
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Eine einst besorgniserregende Variante oder Variante von Interesse könne reklassifiziert werden, wenn sie kein Risiko mehr für die Gesundheit der Weltbevölkerung im Vergleich zu anderen Varianten darstelle, erklärt die WHO. Zu den ehemals unter Beobachtung stehenden Varianten, die einst den VOI zugeordnet wurden, zählen:

  • Epsilon (B.1.427 / B.1.429)
  • Zeta (P.2)
  • Theta (P.3)

Weitere Virus-Varianten

Es existieren noch viele weitere Varianten des Coronavirus in den Kategorien VUM und „ehemals unter Beobachtung stehend“. Eine vollständige und stetig aktualisierte Liste liefert die WHO unter diesem Link.

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Mit Material von dpa

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