Kino: Überleben im Dritten Reich

Lebensrettende Meisterwerke – „Der Passfälscher“ erzählt eine Geschichte aus der NS-Zeit

Eine helfende Hand in höchster Not: Louis Hofmann spielt Cioma Schönhaus, der im Berlin der NS-Herrschaft Leben rettet. Szene aus dem Film "Der Passfälscher". Foto: -/Dreifilm/dpa

Eine helfende Hand in höchster Not: Louis Hofmann spielt Cioma Schönhaus, der im Berlin der NS-Herrschaft Leben rettet. Szene aus dem Film "Der Passfälscher". Foto: -/Dreifilm/dpa

Berlin 1942: Cioma Schönhaus (Louis Hofmann) lebt allein in der großen Wohnung, deren Einrichtung Behaglichkeit ausstrahlt. Sie erzählt von einem gut bürgerlichen Leben, dem die Nazis ein Ende bereitet haben. Großmutter und Eltern sind mit den Judentransporten längst Richtung Osten verschleppt worden. Der 19-Jährige blieb verschont, weil er als Zwangsarbeiter in einem Rüstungsbetrieb arbeitete.

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Blond und blauäugig fällt der junge Jude nicht ins Raster der NS-Rassentheorie und kann sich relativ frei durch die Stadt bewegen. Und Cioma ist fest entschlossen, diese Freiheit auch auszuleben. Mit seinem Freund Det (Jonathan Berlin) geht er in ausgeliehenen Marineuniformen auf einen Ball, wo es den beiden schmucken Offizieren nicht an Tanzpartnerinnen mangelt.

Cioma sucht das Risiko statt sich vor der Gefahr zu verstecken

Eine davon ist Greta (Luna Wedler), eine ebenfalls untergetauchte Jüdin, deren erzwungener Pragmatismus mit Ciomas leichtsinniger Romantik kollidiert. „Mimikry“ nennt er seine Überlebensstrategie, die das Risiko sucht anstatt sich vor der Gefahr zu verstecken.

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Dazu gehört auch seine Arbeit als Passfälscher. Die Widerstandsgruppe der bekennenden Kirche um Franz Kaufmann (Mark Limpach) sammelt im Opferstock Kennkarten, in denen der junge Grafikstudent die Fotos austauscht sowie die Stempel mit dünnem Pinsel und ruhiger Hand nachzieht. Jeder Pass ist ein kleines Meisterwerk der Imitation, das Leben rettet.

Nur 1700 der Juden Berlins überlebten - einige mit Ciomas Kennkarten

Erst 2007 – acht Jahre vor seinem Tod – hat Cioma Schönhaus seine Erlebnisse als junger Passfälscher im Berlin der Nazi-Zeit zu Papier gebracht und veröffentlicht. Seine unglaubliche Geschichte war teilweise schon in der dramatisierten Dokumentation „Die Unsichtbaren“ (2017) von Claus Räfle zu sehen, die sich den 7000 untergetauchten Juden im Berlin der Nazi-Zeit widmete. Nur 1700 überlebten, einige mit einer Kennkarte von Schönhaus.

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Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Peren hat darin zurecht einen Stoff für einen Spielfilm gesehen. Denn die Figur des frechen Hochstaplers und Passfälschers räumt mit dem Stereotyp des wehrlosen Opfers gründlich auf, mit dem Juden gerade in deutschen Historienfilmen oft belegt werden. Louis Hofmann ist in der Rolle des verwegenen, jungen Mannes gut besetzt.

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Allerdings hätte das Drehbuch verdrängten Angst- und Verlustgefühlen des Protagonisten mehr Raum geben können. Peren verzichtet bewusst darauf, die Grauen des Nazi-Terrors ins Bild zu fassen. Auch die nächtlichen Bombardements erscheinen in diesen Film nur auf der Tonspur und in einem Lichtschein am Fenster. Die Bilder hierzu haben schon viele andere Filme geliefert.

Die Frau des Blockwarts steht für die Denunziationsunkultur

Stattdessen bündelt Peren die erdrückende Präsenz von Nazi-Ideologie, Verfolgungsapparat und Denunziationskultur in der vielschichtigen Figur der Blockwarts-Witwe Frau Peters, die von der fabelhaften Nina Gummich mit erschreckender Transparenz gespielt wird und Charakterzüge eines hochaktuellen, rechten Populismus spiegelt.

„Der Passfälscher“, Regie: Maggie Peren, mit Louis Hofmann, Luna Wedler, Nina Gummich, 117 Minuten, FSK 6

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