Interview

Regisseur George Miller und die ganz großen Fragen: „Was macht uns Menschen aus?“

Der Regisseur George Miller.

Der Regisseur George Miller.

Interview George Miller. Ein Flaschengeist, der Wünsche erfüllt? So einen Film hätte man von „Mad Max“-Regisseur George Miller nicht unbedingt erwartet. Die Topbesetzung schon eher: Tilda Swinton ist als nüchterne Wissenschaftlerin dabei, Idris Elba als spitzohriger Dschinn. Eine bombastische Märchenstunde für Erwachsene erzählt Miller in „Three Thousand Years of Longing“ – und widmet sich ganz großen Themen. Das passt dann doch wieder.

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Herr Miller, verlieben Sie sich in eine Geschichte so ähnlich wie in einen Menschen?

Aber ja! Wenn ich mich in eine Geschichte vergucke, packt mich ebenfalls eine Anziehungskraft, der ich nicht widerstehen kann. Diesen Zustand muss ich auch erreichen, sonst fange ich gar nicht erst mit dem Filmemachen an – und ich mache ja tatsächlich wenig Filme.

Spüren Sie diese Anziehungskraft immer sofort?

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Manchmal lehne ich Filme auch erst mal ab. Zum Beispiel hatte ich ganz gewiss nicht die Absicht, 2015 noch einen weiteren „Mad Max“-Film zu drehen. Ich hatte ja schon drei gemacht. Aber dann tauchten diese Ideen in meinem Kopf auf und sind immer weiter gewachsen. Ich war irgendwann besessen davon, die Geschichte „Mad Max: Fury Road“ zu erzählen.

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Wie war das bei Ihrem aktuellen Film „Three Thousand Years of Longing“?

Von der Kurzgeschichte „The Djinn in the Nightingale’s Eye“ (deutsch „Der verliebte Dschinn“, d. Red.) war ich sofort hingerissen. Hier ging es ums Geschichtenerzählen selbst und um Liebe gleichermaßen. Ein Flaschengeist wird zufällig von einer nüchternen Wissenschaftlerin aus seinem Behältnis befreit, und sie hat drei Wünsche frei, die sie zunächst gar nicht annehmen will.

Was hat Sie denn so magisch angezogen an diesem Stoff?

Da steckt so viel drin, worüber wir alle im Leben nachdenken: Liebe und Sterblichkeit. Was ist wirklich und was nicht? Was macht uns Menschen aus? All das verpackt auf wenigen Seiten.

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War die Schriftstellerin Antonia Susan Byatt, die Autorin der Vorlage, sofort mit von der Partie?

Als ich zu Antonia ging und die Rechte kaufen wollte, hat sie mich gefragt: Warum gerade diese Geschichte, andere in dem Buch sind doch viel sorgfältiger ausgearbeitet? Denn erschienen sind die Begebenheiten um den Dschinn in einer Anthologie mit insgesamt fünf Kurzgeschichten. Ich sagte: In dieser Geschichte steckt etwas, was sich authentisch anfühlt. Und Antonia antwortete: Stimmt, alles an dieser Geschichte ist passiert – nur dass kein Dschinn in meinem Leben aufgetaucht ist. Antonia war selbst die Erzähltheoretikerin, in unserem Film gespielt von Tilda Swinton, die nach Istanbul auf eine Konferenz fuhr und jedenfalls beinahe in dem Zimmer übernachtet hat, in dem einst Agatha Christie auch abgestiegen war.

Was zeichnet den Dschinn aus?

Idris Elba hat zu mir gesagt, als er sich mit seiner Rolle als Flaschengeist befasste: Der Typ vermasselt ja alles! Idris fühlte sich an Pinocchio erinnert, der ähnlich viel Chaos anrichtet. Ja, sagte ich, aber sowohl der hölzerne Junge als auch der Dschinn finden am Ende zu Anstand und Gnade.

Sie gehen seit 20 Jahren mit der Idee für „Three Thousand Years of Longing“ schwanger: Wie haben Sie die Liebe für die Story über so lange Zeit am Glimmen gehalten?

Ich bin eben sehr langsam. Es liegt aber auch an der Kraft der Geschichte. Sie ist immer wieder zu mir zurückgekehrt, geisterte ewig herum. Das kennt wohl jeder: Man hört eine Geschichte, egal auf welchem Wege, und sie lässt dich nicht wieder los. Jedenfalls ergeht es einem Schriftsteller oder Filmemacher so. Und jetzt habe er diese Geschichte endlich in eine Form gießen können.

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Die Art, Filme zu machen, hat sich über die Jahrzehnte stark verändert: Was hatte das für Folgen für „Three Thousand Years of Longing“?

Ich habe das Glück, schon lange im Geschäft zu sein. Den Übergang ins digitale Zeitalter in den späten Achtzigern, frühen Neunzigern habe ich begleitet. Das war ein großer Moment für die Kinogeschichte, ähnlich bedeutsam wie die Erfindung des Tonfilms. Ich war dabei, als Pioniere wie Steven Spielberg und George Lucas den „Jurassic Park“ mit Dinosauriern bevölkerten. Von da an ging die Entwicklung rasant weiter. Schauen Sie bloß mal von heute zehn Jahre zurück, was sich alles getan hat! Allerdings: Der Computer ist lediglich ein Werkzeug beim Geschichtenerzählen.

Sehen Sie in Ihrem Film einen Aufruf, andere Menschen und Kulturen zu akzeptieren?

Das steckt sicher mit drin. Ich suche nach Geschichten, die den gesamten Menschen in den Blick nehmen. Das Publikum soll emotional, intellektuell, spirituell angesprochen werden – in jedweder Hinsicht. Ich liebe es, wenn ich mit einer Figur in einem Horrorfilm schreie. Oder wenn ich mit einer anderen trauere. Am meisten aber liebe ich diese Kinomomente, die dich körperlich oder geistig an einen Ort bringen, von dem du nie geträumt hättest.

Haben Sie ein Beispiel parat?

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Eine meiner Lieblingsanekdoten geht so: In einer Umfrage in Irland und Großbritannien Anfang des Jahrtausends sollten die Teilnehmer angeben, welcher Religion sie sich zugehörig fühlen. Ein knappes Drittel trug Jediismus ein – frei nach „Star Wars“.

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