Schauspielhaus

Ausflug in die nordische Götterwelt

Mikael Torfason

Mikael Torfason

Hannover. Mit Göttern kennt sich Mikael Torfason aus. Als er ein Kind war, gehörten seine Eltern den Zeugen Jehovas an. Das Problem: Mikael war krank, musste operiert werden, der Glauben aber verbietet es den Zeugen Jehovas, einer Bluttransfusion zuzustimmen. Mikael hat die nötigen Operationen bekommen, er hat überlebt, die Eltern haben sich später scheiden lassen. Sein Vater hat sich dann der nordischen Götterwelt zugewandt. Über seinen Vater, der als Alkoholiker starb, und über die verweigerte Bluttransfusion hat Mikael Torfason Bücher geschrieben. „Lost in Paradies“, das Buch über seine Kindheit, war ein Bestseller in Island und ist auch auf deutsch erschienen. Sieben Bücher hat Mikael Torfason, der 43-Jährige Autor aus Reykjavik, mittlerweile veröffentlicht, ein paar Radiodokumentationen hat er verfasst, einige Filme und Theaterstücke und dann war er auch noch Chefredakteur zweier großer isländischer Zeitungen.

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Jetzt ist er in Hannover und arbeitet mit dem Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson –der am Schauspielhaus einen aufregenden „Hamlet“ präsentiert hat – an einer Theaterversion der „Edda“. Am Donnerstag, 15. März, ist Premiere.

Torfason und Arnasson haben die Theaterfassung der Göttergeschichte gemeinsam entwickelt. Sie haben sich immer wieder getroffen, Texte vorgelesen und viel auch am Telefon gearbeitet. Thorleifur Örn Arnarsson, der Regisseur, entwickele seine Gedanken beim Sprechen, sagt Torfason, er sei da nicht so, bei ihm entsteht vieles beim Schreiben. Die Sache war nicht ganz einfach, denn die „Edda“ ist kompliziert und es gibt sie in verschiedener Gestalt. Zur „Prosa-Edda“ des Snorri Sturluson aus dem 13. Jahrhundert kommt die „Lieder-Edda“, die aus Götterlieder, Heldenliedern, Nibelungenliedern und noch ein paar anderen Liedern besteht.

Der Regisseur und der Autor haben das zusammen in eine Spielvorlage gegossen. Etwas Ähnliches hatten sie bereits 2015 in Reykjavík unternommen. Ihre Bearbeitung der isländischen „Njáls saga“  wurdemit dem isländischen Theaterpreis Gríman ausgezeichnet und auch im isländischen Fernsehen gezeigt: „ein spektakulärer Erfolg“, sagt Torfason.  Dabei hat er seinen Text erst auf den letzten Metern abgeliefert: Erst zwei Wochen vor der Premiere waren die letzten zwanzig Minuten fertig. Auch in der „Edda“-Arbeit ist wenige Tage vor der Premiere noch nicht alles fertig. Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson schätzt eine offene Arbeitsweise. Alle Beteiligten improvisieren viel, jeder kann Ideen einbringen. Mikael Torfason sagt, dass es wichtig sei, die Türen so lange wir möglich offen zu lassen.  Drei Stunden Spieldauer sind angepeilt (daher beginnt die Uraufführung bereits um 18.30 Uhr), ob die Aufführung noch etwas länger wird, wird sich zeigen.

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Die nordische Götterwelt in Hannover auf die Bühne zu bringen, dürfte auch eine Übersetzungsaufgabe sein. Den Bewohnern Islands sind Odin und Freya vertraute Gestalten, andere werden mit den Inhalten der „Edda“ wie „Odins Runenlied“, dem „Lied von Wafthrudnir“, „Lokis Zankreden“ oder dem „Zweiten Lied von Helgi dem Hundingstöter“ vielleicht nicht so viel anfangen können.

Für Mikael Torfason ist die nordische Götterwelt jedenfalls ganz nah. Die  Tätowierung auf seinem Handrücken zeigt keine Schneeflocke, sondern den „Helm des Ägir“, ein Runenbild, dem Schutzwirkung zugesprochen wird. Und, hilft es? „Aber ja“, meint Torfason, „ich bin hier. Ich habe überlebt“.

„Die Edda“: Uraufführung am Donnerstag, 15. März, um 18.30 Uhr (eine Stunde früher als sonst!) im Schauspielhaus. Für die Premiere gibt es noch einige Restkarten. Am Dienstag, 13. März, beginnt um 17 Uhr eine Preview, für die noch Karten erhältlich sind.  Weitere Vorstellungen sind am 17. März um 18.30 Uhr, am 1. April  um 17 Uhr und am  13. April um 18.30 Uhr.

Von Ronald Meyer-Arlt

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