Musical in der Südstadt

Blues Brothers singen und tanzen im SofaLoft

Nie ohne Hut: Die Blues Brothers im SofaLoft.

Nie ohne Hut: Die Blues Brothers im SofaLoft.

Hannover. Einschränkung ist Herausforderung für Theatermacher. Wenn man also die Blues Brothers auf eine winzige Bühne bringen will, die wegen einer Säulenreihe im kleinen Saal nicht von überall einsehbar ist, wenn man keinen Platz hat für Kulissen und die Band, die es ja zusammenzubringen gilt, dann muss man sich was einfallen lassen. Die Musical Factory Hannover versucht das gerade im SofaLoft, einem kulturaffinen Möbelgeschäft in der Südstadt.

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Gerhard Weber, Ex-Landesbühnenintendant, der mit Musiktheater auch an ungewöhnlichen Orten in Hannover Erfahrung hat, versucht es mit der Konzentration auf das Wesentliche. An einigen in Stein gemeißelten Standards kommt er ohnehin nicht vorbei, wie das eben so ist bei einem Kultfilm, der nicht nur musikalische Marken gesetzt hat, sondern auch optische. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut zum Beispiel. Die schwarze Doppelsonnenbrille in Übergröße ist das zentrale Requisit auf der Bühne. Autofahren, auch wichtig, wird durch ein Lenkrad und einen blubbernden Mundmotor angedeutet und läuft sich zum Running Gag warm. Mit dieser Grundausstattung geht es auf die Reise von Jake und Elwood Blues, die vor dem Knast beginnt, aus dem Jake entlassen wird und die in einem gefeierten Konzert endet, mit dem die Brüder und ihre wiedervereinigte Band die 5000 Dollar zur Rettung des Waisenhauses einspielen, in dem sie aufgewachsen sind.

Die Band, das sind in diesem Fall Ecki Hüdepohl, hannoversches Boogie-Woogie-As, am Piano und Markus Matschkowski, der den gesamten Rest inklusive Rhythmussektion (vom Drumcomputer) und Bläser (aus seiner Orgel) beisteuert, werktreu, ohne große Experimente. Auch hier, unkaputtbare Klassiker, wo man hinhört. „Shake A Tail Feather“, „Everybody needs somebody“, „Sweet Home Chicago“, „Gimme some Lovin'“ und Aretha Franklins, von Amanda Whitford fulminant vorgetragenes und zurecht gefeierte „Think“, das schon früh zum Höhepunkt des Abends avanciert.

Die Handlung klappert die wichtigsten Stationen des Films ab und belässt es für deren optische Illustration bei Kostümwechseln. Die schauspielerisch stärksten Momente hat das Stück, wenn am wenigsten passiert. Wenn Jake (Florian Hinxlage) und Elwood (Philipp Lang) im Auto sitzen und in aller Einsilbigkeit ihre knorrigen Dialoge führen. In dieser unbeholfenen, uncoolen Coolness der beiden blüht die Komik. Mehr jedenfalls als in den etwas überdrehten Verfolgungsjagden, die sich die beiden immer wieder mit der Polizei liefern (Choreografie: Annika Dickel).

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Am Ende feiert das Premierenpublikum die alten Hits mit, singt ausgelassen „Minnie The Moocher“ mit und spendet viel Applaus für Schauspieler und Musiker. Eine solide Inszenierung, die sich auf die Vorlage verlassen kann, der ein bisschen mehr Überraschung aber nicht geschadet hätte.

Noch 25 Vorstellungen bis Mitte Dezember. Karten und Infos: musical-factory-hannover.de

Von Uwe Janssen

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