150 Jahre „Max und Moritz“

Das transatlantische Duo

Foto: Sieben Streiche – und noch viel mehr: 
Max und Moritz werden am Ende vom Federvieh gefressen.

Sieben Streiche – und noch viel mehr: 
Max und Moritz werden am Ende vom Federvieh gefressen.

Hannover. Sie heißen Fix und Foxi oder Jackel und Bastel, Tick, Trick und Track oder Dig, Dag und Digedag. Und ganz gleich, ob sie kleine Füchse oder kleine Jungs sind, Enten oder Kobolde: Sie strahlen die Zuversicht aus, dass kein Abenteuer zu riskant ist, wenn man nicht allein loszieht. Und dass man schon zu zweit die ganze Welt aus den Angeln heben kann. Zumindest die kleine Lebenswelt, der auch jenes Duo schon Streiche gespielt hat, das für all diese Comic-Helden die Vorlage war: Max und Moritz.

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Die „bösen Buben“ sind in die Jahre gekommen: Im Herbst feiern sie den 150. Geburtstag. Aber sie wirken noch immer frisch – auch weil sie und ihr Schöpfer Wilhelm Busch viele Nachahmer gefunden haben. Das nach dem Altmeister der Bildergeschichte benannte Museum in Hannover nimmt das Jubiläum zum Anlass für eine große Ausstellung: „Streich auf Streich – 150 Jahre Max und Moritz“, heißt die Schau, in der deutschsprachige Comics von Wilhelm Busch bis zur Gegenwart gezeigt werden – um zu illustrieren, wie weit der Einfluss von Max und Moritz in Zeit und Raum reicht.

Denn trotz ihrer Konzentration auf deutschsprachige Comics zeichnet die Ausstellung auch den Einfluss von „Max und Moritz“ außerhalb des deutschen Sprachraums nach: In den USA hatte der Zeitungsmagnat William Randolph Hearst bereits 1897 eine Version von „Max und Moritz“ eingeführt, die zwar amerikanisch, aber nicht durchweg englischsprachig war: „The Katzenjammer Kids“ war wegen des damals hohen Anteils deutscher Einwanderer der ersten Generation von deutschen Sprachbrocken durchsetzt. Dass die US-Version erfolgreich sein würde, war angesichts des Erfolges der deutschen Vorlage, die zur selben Zeit bereits die 40. Auflage erlebte, absehbar. Wie groß der Erfolg in den USA sein würde, konnte indes keiner erwarten – die „Bubengeschichte in sieben Streichen“ ist dort zur Streichabfolge ohne Ende geworden. Die „Katzenjammer Kids“ sind die älteste bis heute fortgeführte Comic-Serie. Auf dem Umweg über die USA haben Max und Moritz auch Comic-Helden beeinflusst, die erst viel später nach Deutschland gelangt sind. Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track traten erst ab 1951 in der Bundesrepublik auf – die DDR konterte 1955 mit den Kobolden Dig, Dag und Digedag.

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Die Ausstellung zieht den Fokus aber noch weiter auf, zeigt Satire-Klassiker vom „Simplicissimus“ über „Pardon“ bis zur „Neuen Frankfurter Schule“, Comicfiguren, die wie „Mecki“ oder „Nick Knatterton“ ihren Ursprung in Zeitschriftenstrips haben, Albencomics wie „Lucky Luke“ oder „Tim und Struppi“. Und das Obergeschoss des Hauses ist der großen Romanform des Comics gewidmet, Paperbacks wie Ralf Königs „Der bewegte Mann“, politisch Inkorrektes wie „Das kleine Arschloch“ von Walter Moers sowie neuen Formen von Grafic Novel, Underground und Avantgarde. Und weil viele Comic-Helden längst auch Filmkarriere gemacht haben, sind dort zudem Filmausschnitte aus dem „Bewegten Mann“, dem „Kleinen Arschloch“ und aus „Werner – Beinhart!“ zu sehen.

„Wir haben hier eine besondere Kraftanstrengung unternommen“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow und betont, dass die Ausstellung ohne die Sponsoren Volksbank und Klosterkammer so nicht möglich gewesen wäre. Bei immerhin 266 gezeigten Originalzeichnungen und etwa 100 historischen Erstdrucken liegt der Brückenschlag zu Wilhelm Busch nicht immer auf der Hand. Wohl aber im ersten Raum der Ausstellung, wo die komplette Bilderhandschrift von „Max und Moritz“ in den ersten fünf Wochen der Ausstellung gezeigt wird.

„Streich auf Streich. 150 Jahre Max und Moritz“, 16. Februar bis 27. April im Wilhelm-Busch-Museum, Georgengarten. Eröffnung am Sonnabend um 19 Uhr. Museumsfest am Sonntag mit Workshops, Kinderaktionen und Führungen.

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