Filmkritik

„Die drei Musketiere“ erfinden das Luftschiff

Finsterlinge: Orlando Bloom, Christoph Waltz.

Finsterlinge: Orlando Bloom, Christoph Waltz.

Ein seltsamer Bastard ist dieser Film: Als ob „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas (1802–1879) geschrieben und vergessen worden wären, bevor Jules Verne (1829–1905) sie im Nachlass entdeckt und aktualisiert hat. Ein Mantel-und-Degen-Gemälde im Faltenwurf des Barock, aber geprägt vom Geist des Maschinen-Zeitalters. Also ein Comic, der sich wenig um literarische Vorlagen schert, dafür umso mehr ums große Spektakel. Aber es muss schon hanebüchen sein.

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Alles beginnt in Venedig. Athos, Porthos und Aramis wollen an eine Luftschiff-Bauanleitung von Leonardo da Vinci kommen. Der Weg dorthin ist mit Indiana-Jones-Fallen gespickt – und am Ende wird ihnen die Zeichnung abgenommen, denn Englands Herzog von Buckingham, im Bund mit M’lady de Winter, ist auch scharf auf die Erfindung.

Dann wird’s traditionell. Der Gascogner D’Artagnan gerät auf seinem Weg nach Paris an Rochefort, den Degen des mächtigen Kardinal Richelieu und dann – kaum in Paris angekommen – durch Tollpatschigkeit an Athos, Porthos und Aramis. Das Dreier-Duell endet in einer Schlacht mit der Garde des Kardinals. Einer für alle, alle für einen. Womit der Intrigantenstadl beginnt.

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Die Königin gibt Herzog Buckingham (Orlando Bloom) als Liebespfand ihre Juwelen, der Kardinal, der das weiß, redet dem König ein, dass seine Gattin sie zum anstehenden Ball tragen muss. So machen sich die Musketiere auf nach England, um die Klunker zu holen, woran sie die zahlreichen Häscher des Kardinals und M’lady Winter hindern wollen.

So bleibt genug Zeit für ausgiebige Degengefechte, die allerdings nie die akrobatische Brillanz von Peter Hyams „The Musketeer“ (2001) erreichen. Ohnehin bleiben diese „Drei Musketiere“ trotz des (überflüssigen) 3-D-Effekts flach. Als ob Regisseur Paul W. S. Anderson („Resident Evil“) noch nie einen wirklichen Mantel-und-Degen-Film gesehen hätte – bestenfalls Hollywoods lächerliche Musketier-Teenie-Version von 1993. Den opulent ausgestatteten Hofszenen mangelt es an Eleganz und Charme, die Besetzung ist lausig. Logan Lerman (D’Artagnan) ist ein bleicher Milchbubi, bei Milla Jovovich (M’lady Winter) bebt nur der flache Busen unterm eng geschnürten Kleid, Mads Mikkelsen (Rochefort) ist eine Lachnummer, der Kindkönig (Freddie Fox) ein Kindskopf, und Richelieu (Christoph Waltz) schattet mit Athos, Porthos, Aramis um die Wette.

Paul W. S. Anderson ist eben kein Regisseur, sondern nur ein Effektemacher. Vielleicht auch nur ein Kopist. Die Kamerafahrten über Landkarten kennt man jedenfalls schon aus der Historienkomödie „Fanfan der Husar“. So bleiben auch weiterhin Bernard Borderies „Drei Muketiere“ (1961/62) die beste Dumas-Adaption. Nur wenn Paul W. S. Anderson tricktechnisch blank ziehen kann, wenn er in die Piraten-Kiste greift, dann bekommen seine Musketiere kräftig Aufwind.

Die Schlacht der Luftschiffe über dem Ärmelkanal mit dem krachenden Absturz auf Notre-Dame wird zu einem lustvoll durchgezogenen Spektakel, bei dem einem schwindlig werden kann. Endlich macht da auch 3-D in diesem Elf-Millionen-Euro-Schaustück, das zu großen Teilen im Studio Babelsberg entstand, einen Sinn. Mehr Comic als Literaturverfilmung.

Norbert Wehrstedt

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