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70 Jahre Israel

Die Friedrich-Naumann-Stiftung würdigt das Staatsjubiläum von Israel

Beim Israel-Jubiläum: Helge Eikelmann, Sara Neuman, Henrietta Singer (von links) vor dem Künstlerhaus.

Beim Israel-Jubiläum: Helge Eikelmann, Sara Neuman, Henrietta Singer (von links) vor dem Künstlerhaus.

Hannover.„Wer im Heiligen Land nicht an Wunder glaubt“, lautet ein Bonmot von Israels Staatsgründer David Ben Gurion, „der ist kein Realist.“ Tatsächlich lässt sich in Israel beobachten, wie man Not zur Tugend machen, Probleme in Lösungen, Schwächen in Stärken verwandeln kann. Davon hat jetzt Helge Eikelmann, Israels Repräsentant beim Generalkonsulat in Frankfurt, bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung im Künstlerhaus zu Israels 70. Staatsjubiläum berichtet – und die Autorinnen Henrietta Singer und Sara Neuman haben dabei die Plakatkunst des Landes Revue passieren lassen.

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Dem kleinen Land wurde bei seiner Gründung von allen Nachbarstaaten der Krieg erklärt, es ist arm an Wasser und sonstigen Rohstoffen, es hat seine Bevölkerungszahl seit 1948 auf 8,5 Millionen mehr als verzehnfacht. Verteidigungslasten, Ressourcenknappheit, Masseneinwanderung: Was für Politiker andernorts nur als Risikofaktoren sind, darin hat Israel Chancen erkannt. Das Land setzt Wasser effizienter ein als jedes andere, es ist der kleinste Staat der Welt mit eigener Flugzeug- und Raketenindustrie und entwickelt mangels natürlichen Reichtums das sprichwörtliche „Kapital in den Köpfen“.

Das hat Helge Eikelmann mit Zahlen untermauert: Nirgends sonst ist der Akademikeranteil an der Bevölkerung höher. Mit 4,8 Prozent sind die Pro-Kopf-Investitionen in Forschung und Entwicklung weltweit am höchsten; in der EU liegt Deutschland mit drei Prozent an der Spitze. Rund 70 Prozent des Risikokapitals der Welt werden nach seinen Worten im Silicon Valley in Kalifornien und im „Silicon Wadi“ in Haifa investiert, jährlich sprießen so Hunderte neue Startup-Firmen. „In Israel wurde der USB-Stick, der Centrino-Chip, der erste 3-D-Drucker entwickelt“, sagt Eikelmann. „“Wer Israel boykottieren will, muss aufs Iphone 8 verzichten, denn darauf gibt es 73 israelische Patente.“ Und obwohl Israel am Ostrand des Mittelmeers liegt, nimmt das Land nicht nur am European Song Contest und am Uefa-Cup, sondern auch an EU-Forschungsprogrammen wie Eureka, Galileo oder Horizon 2020 teil. „Denn Israel will zu Europa gehören.“

In der anschließenden Diskussion wurden indes auch kritische Fragen gestellt. Ob die Startups auch ein Beitrag zum Frieden mit den Palästinensern und den Nachbarn sein könnten, wollte ein Gast wissen. Zwar spielten in der Hightechbranche ethnische und religiöse Differenzen keine Rolle, sodass sie eine integrative Funktion hätten – aber sie machten nur 15 Prozent der israelischen Arbeitsplätze aus, sagte Eikelmann. Und mehrere Fragen richteten sich auf die Folgen von Israels neuem Nationalitätengesetz, das das Land trotz seiner zu einem Fünftel nichtjüdischen Bevölkerung als „Nationalstaat des jüdischen Volkes" definiert, Arabisch als zweite Amtssprache abschafft und Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt erhebt, obwohl der Rechtsstatus der Stadt international ungeklärt ist. Ist Israel damit auf dem Weg in einen monokulturellen Religionsstaat? „Es gibt schon Strömungen, die eine jüdische Leitkultur anstreben, welche andere diskriminiert“, räumte Eikelmann auf Nachfrage ein. „Aber in der Gesellschaft gibt es keine Mehrheit für eine solche Diskriminierung.“

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Israels Plakatkunst lässt sich auch in einem Buch studieren: Henrietta Singer & Sara Neuman: „70 Jahre Israel in 70 Plakaten“, Verlag Hermann Schmidt, 335 Seiten, Euro 25 Euro.

Von Daniel Alexander Schacht

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