Dokumentarfotografie

Hochschule Hannover zeigt magnum-Fotos

Foto: Blumen gegen Bajonette: Eine junge Kriegsgegnerin mit Soldaten der Nationalgarde 1967 vor dem Pentagon in Washington.

Blumen gegen Bajonette: Eine junge Kriegsgegnerin mit Soldaten der Nationalgarde 1967 vor dem Pentagon in Washington.

Hannover. Der Soldat ist nervös. Man sieht sein Gesicht nicht, aber seine Haltung verrät es. Er hat das Gewehr angelegt und zielt auf den Kopf des Mannes, der fünf Meter von ihm entfernt steht. Der Mann im Visier trägt keine Uniform, sondern Anzughose und helles Hemd. Er ist alt, starr vor Angst, und er blickt vorsichtig zu dem Schützen herüber. Er selbst ist nicht bewaffnet, sondern hält eine Zeitung in der Hand. Oder hat er doch eine Waffe darin eingewickelt?

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Die Szene spielt 2005 in der irakischen Stadt Falludscha. Tage zuvor sind zwei Soldaten an diesem Ort in Sprengstofffallen umgekommen. Die Nervosität ist greifbar. Der Fotograf Thomas Dworzak ist als "embedded Journalist" mit einer amerikanischen Einheit unterwegs und hält diesen Moment fest, der die Angst, das Misstrauen, aber auch das Missverständnis beider Seiten beschreibt. Dworzak arbeitet für die berühmte Agentur magnum, die den Fotojournalismus, vor allem in Kriegs- und Krisengebieten, geprägt hat wie keine andere.

Die Aufnahme von Dworzak und 52 andere Bilder sind jetzt dort zu sehen, wo sie in Hannover und eigentlich in Niedersachsen am besten hinpassen: im Design Center an der Expo Plaza, der Heimstatt des rasant aufstrebenden Studiengangs für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover. Es ist nach Reutlingen die zweite Station der Wanderausstellung "Wunden der Welt", die keine Reportagen zeigt, sondern herausragende Einzelbilder, die weit mehr als eine Szene beschreiben, Bilder, die versinnbildlichen, die manchmal einen Krieg erklären können. Wenn es nicht so zynisch wäre, würde man von einem Best-of sprechen.

Zeitlich beginnt die Ausstellung mit der berühmt gewordenen Aufnahme eines sterbenden Mannes, die Robert Capa 1936 im spanischen Bürgerkrieg gemacht hat. Verstörend wirkt Werner Bischofs Aufnahme des von Trümmern umsäumten Berliner Reichstags 1946. In milder, fast kitschiger Ästhetik spiegeln sich ein Soldatenhelm und die Morgensonne in einer Pfütze und malen ein ambivalentes Stillleben zwischen Kriegsgrauen und Friedensruhe.

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Krieg und Frieden treffen sich auch in Marc Ribouds Bild einer amerikanischen Antivietnamkriegsdemonstrantin, die dem aufgepflanzten Bajonett eines Soldaten eine Blume entgegenhält. Aus dem Nordirland-Konflikt stammt das Foto von Philip Jones Griffiths, der den gleichsam leeren, desillusionierten und erschöpften Blick eines Soldaten hinter einem zerkratzten Plexiglas-Schutzschild zeigt. Das Bild weckt in seiner Schemenhaftigkeit fast eine Grabtuchassoziation.

Es sind oft die krassen Gegensätze dieser Bilder, die erst die Emotionalität erzeugen. Der iranische Fotograf Abbas hat eine surreal anmutende Szene im ersten Irak-Krieg eingefangen. Neben einem zerstörten Panzer sucht eine Kuh auf einem verdörrten Schlachtfeld nach Nahrung. Im Hintergrund brennt eine Ölquelle.

Die Ausstellung wird am Mittwoch um 19 Uhr, eröffnet und ist bis zum 7. April an der Expo Plaza 2 zu sehen. Der Fotograf Abbas ist am Donnerstag, 15. März, um 19 Uhr bei einem sogenannten "Artist Talk" zu Gast.

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