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Neue Klassik-CDs

Isabelle van Keulen spielt Piazzolla

Zwischen Himmel und Hölle: Das Isabelle-van-Keulen-Ensemble.

Zwischen Himmel und Hölle: Das Isabelle-van-Keulen-Ensemble.

Hannover.Eigentlich ist das nur leeres Gerede. Eine Melodie, die sich über die Quinte zur Oktave aufschwingt, ist gar keine Melodie. Diese einfachsten aller Intervalle sind schließlich weder warm noch kalt, und ein Ziel scheinen sie auch nicht zu kennen. Sie sind tönender Naturzustand, der keine Gefühle verrät. Aber was soll man schon erwarten, wenn der Teufel Liebeslieder singt?

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Der argentinische Komponist Astor Piazzolla hat diese Nicht-Melodie für seine „Romance del diablo“ ersonnen und so raffiniert verpackt, dass man seinem Teufel fast auf dem Leim gehen kann. Er lässt die schlichten Noten so weit gespannt und sehnsuchtsvoll spielen, dass man leicht das Nichts für Gefühl und den Satan für einen herzensguten Menschen halten kann.

Das gilt erst recht, wenn seine Musik so konzentriert und klar gespielt wird, wie es das Isabelle-van-Keulen-Ensemble tut. Das Quartett der in Hannover lebenden niederländischen Star-Geigerin, zu dem Kontrabassist Rüdiger Ludwig von der NDR Radiophilharmonie, Bandoneon-Spieler Christian Gerber und Pianistin Ulrike Payer gehören, hat sich ganz auf Piazzolla und seinen Tango Nuevo spezialisiert. Zweifel an der Qualität der Stücke, die den Komponisten selbst immer wieder geplagt haben, stellen sich bei ihnen gar nicht erst ein: So packend, so emotional, so doppelbödig können nur echte Meisterwerke klingen. D

Dazu gehören auch Kompositionen jenseits viel zu oft zu mittelmäßig gespielten Piazzolla-Hits, die das Ensemble jetzt auf seiner neuen CD „Àngeles y Diablos“ (Challenge Classics) versammelt hat. Sie zu hören kann ein himmlisches oder ein teuflisches Vergnügen sein. Groß ist es in jedem Fall.

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Am Dienstag, 28. August, 19.30 Uhr, spielt das Isabelle-van-Keulen-Ensemble beim Kultursommer auf dem Haasenhof in Neustadt-Mandelsloh

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Mit Sinfonien von Felix Mendelssohn haben die NDR Radiophilharmonie und ihr Chefdirigent Andrew Manze für Furore gesorgt: Unter anderem wurden die ersten beiden Teile der Gesamteinspielung mit Preisen der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Da ist es fast schade, dass der dritte und letzte Teil der Reihe nun etwas weniger Aufmerksamkeit erregt: Die Aufnahme der 2. Sinfonie mit dem Beititel „Lobgesang“ (erschienen bei Pentatone) zeigt nämlich nicht nur erneut die Kunst von Orchester und Dirigent: Bemerkenswert ist hier vor allem das perfekt austarierte Zusammenspiel mit den Rundfunkchören von NDR und WDR, das diese Version des „Lobgesangs“ den meisten anderen Aufnahmen des groß besetzten Stücks überlegen erscheinen lässt.

Robert Schumann hat sich schwer damit getan, für andere Instrumente als das Klavier zu komponieren. Mit Gabriel Schwabe als Solisten wirkt zumindest das Cellokonzert dem weit häufiger gespielten Klavierkonzert ebenbürtig. Dafür sorgt auch Lars Vogt am Pult der Royal Northern Sinfonia – im Hauptberuf ist Vogt Pianist und Professor an der hannoverschen Musikhochschule. Ergänzt wird die bei Naxos veröffentlichte CD mit reizvollen Werken für Cello und Klavier, versierter Begleiter ist Nicholas Rimmer.

Eine besondere Rolle spielt das Klavier in der Kunstform des Melodrams, das Musik und gesprochenes Wort zusammenbringt. Das hannoversche Duo Pianoworte hat sich seit Langem darauf spezialisiert. Auf seiner bei Kaleidos veröffentlichten CD kombiniert es nun Viktor Ullmans berühmte Vertonung von Rilkes Erzählung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ mit Werken von Anton Arensky.

Von Stefan Arndt

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