Lesung

Katja Kessler stellt neues Buch in Hannover vor

Warum haben Sie Ihr Buch bloß „Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ genannt?

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Weil ich das lustig und wahr fand. Schlimm, nicht? Da lass ich mir tief in meine schwarze Seele gucken. Und wissen Sie, was besonders irritierend ist? Mein Mann weiß, was für eine Ziege ich bin, behauptet aber trotzdem, dass er mich liebt.Das ist doch ziemlich verdächtig, oder?

Ihr Mann Kai Diekmann ist Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Sie schreiben über Ihre Beziehung, dass Sie keinen Puschenheini wollen und eher das Modell "Bedarfsemanzipation" fahren. Seit wann sind Sie Anhängerin dieser Bedarfsemanzipation?
Schon immer. Als kleines Mädchen hatte ich meine Stofftaschentüchlein im Schrank auf Kante gestapelt. Aber wenn mein Vater nicht schaute, setzte ich mich meinem kleinen Bruder auf den Brustkorb, fixierte seine Oberarme mit meinen Knien und seilte Spucke über seinem Gesicht ab. Oh Gott, jetzt hagelt's bestimmt Leserbriefe! Wirklich, Sie müssen mich mal was Nettes fragen. Ich will hier auch als netter Mensch leuchten im Interview.

Gehört zur "Bedarfsemanzipation" auch auf VIP-Empfängen nur das dekorative Schmuckstück zu sein? Kann man das eigentlich lernen – oder ist man einfach so?
Das ist doch Leben. In einer guten Partnerschaft steht mal der Mann im Vordergrund, mal die Frau. Unterordnung kann ja auch Spaß machen.

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Interessant sind auch Ihre Ausführungen zum "Mädchen-Mathe": Also zu neuen Schuhen als Zweitinvestition auch ein passendes Kleid kaufen zu müssen, womit die Frage geklärt wäre, was zuerst da war: der Schuh oder das Kleid? Jetzt aber die Frage, die natürlich viele Frauen interessiert: Wie viele Schuhe hat Frau Kessler?
Ich muss Sie enttäuschen – 40 vielleicht? Imelda Marcos mit ihren 3000 Paar knacke ich nicht. Aber Sie sollten wissen: Wie der Klempner seinen Blaumann anzieht, so werfe ich mich ins kleine Schwarze, schnalle die Hochhackigen unter und schiebe los. Für mich ist das ein Arbeitsdress.

Sie schreiben, dass Sie "am liebsten Schuhe aus der Abteilung ,rattenscharf & aberwitzig hoch' kaufen, die Sie später auch gut auf dem Spielplatz anziehen können. Ich habe einem Mann, die Passage über Schuhe und Spielplätze vorgelesen – er versteht sie nicht. Können Sie weiterhelfen? Will er oder kann er das nicht verstehen?
Nun, das ist doch das Thema meines Buches. Männer sehen Probleme nur, wenn man sie mit rot-weißem Flatterband markiert – wie den Leichenfundort beim Tatort. In diesem Falle versuchte ich darauf hinzuweisen, wie praktisch 20-Zentimeter-Stilettos auf matschigen Spielplätzen sind und wie beliebt du dich bei anderen Muttis machst, wenn du sie trägst. Ich hätte für die männlichen Leser allerdings noch ein "Vorsicht! Ironie!"-Schild hinten an den Satz binden sollen.

Diese lockere Art zu schreiben und dieser ironische Unterton hat Ihnen ja auch damals unter anderem den Erfolg als "Bild"-Seite-eins-Mädchen-Betexterin eingebracht, oder?
Wie gesagt, was weibliche Ironie angeht, bin ich mir nicht sicher, ob Männer eine Antenne dafür haben. Aber Martha steht am Marthapfahl – so was finden Frauen lustig!

Man merkt Ihnen richtig den Spaß am Schreiben an. Ist das das Tolle am Buchschreiben? Dass Sie die "Bild"-Seite-eins-Mädchen-Betexterin mal richtig ausleben dürfen?
Moment, Moment! Ich schreibe auch Kinderbücher. "Ferdinand, der Elefant" zum Beispiel. Der springt mit seinem Windelfallschirm über Ferdinandhausen ab. Das ist doch mal brav und gefällig. Oder?

Sie bezeichnen sich selbst als "Früher war ich Chaos-Katja", die früher eine ausgeprägte Kochbuch-Legasthenie hatte. Hat sich das gelegt? Können Sie inzwischen kochen? Wenn ja: Was? Mehr als die von Ihnen genannten Spirellis mit einer Soße aus klein geschnittenen Würsten, Rama und Ketchup?
Ich koche gerne asiatisch. Da wirft man alles in einen Topf und rührt um, das Prinzip gefällt mir. Ich bin nicht so die 40-Gramm-hier-von-und-zwei-Spritzer-davon-Köchin. Ich improvisiere. Das Ergebnis bezeichne ich als "kreativ", Schatzi nennt es "zusammengehauen".

Wie überlebt die Familie Kessler/Diekmann denn eigentlich im Alltag essenstechnisch? Schließlich haben Sie vier Kinder …
Wissen Sie, was unsere Zweieinhalbjährige als Erstes gelernt hat? Beißen und Haarziehen. Aber dann kam auch schon ganz schnell die Fähigkeit, innerhalb von zwei unbeobachteten Minuten in der Küche herauszufinden: Wo hat Mama die Schublade mit dem Naschi?

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