Igor Levit im Kreuzfeuer

Star-Pianist macht Musik und Meinung

Igor Levit

Hannover. Es ist nicht ganz leicht, Musiker zu sein. Die Herausforderungen, die dieser Beruf mit sich bringt, nehmen oft die ganze Persönlichkeit in Beschlag. Darum spielen viele Musiker nicht nur Musik. Sie denken auch über Musik nach und reden davon. Und von wenig anderem.

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Auch so gesehen ist Igor Levit ein Ausnahmemusiker. Der 28-jährige Pianist ist ein Virtuose der sozialen Netzwerke. Auf Twitter und bei Facebook teilt er gelegentlich Innenansichten aus Konzertsälen und Übezellen – vor allem aber seine Meinung zur Welt. Levit, 1987 im russischen Nischni Nowgorod geboren und als Kind nach Hannover gekommen, verfolgt gern politische Debatten und kommentiert meinungsfreudig aktuelle Entwicklungen. Dabei ist er manchmal so schnell und temperamentvoll, als säße er am Flügel.

Mit einer sprachlichen Entgleisung macht sich der viel gelobte Pianist nun allerdings angreifbar. Als Schnellschuss-Reaktion auf den Fernsehauftritt eines führenden AfD-Mitglieds, bei dem der Politiker Vorwürfe einer angeblichen Vergewaltigung durch Asylbewerber im Munde führte, beschimpfte Levit den Mann via Twitter als „widerwärtigen Drecksack“ und als „Mitglied der widerwärtigen Partei AfD“. Mit der Aussage, Mitglieder dieser Partei seien „Menschen, die ihr Menschsein verwirkt“ hätten, überschreitet er eine Grenze.

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Zu diesem Vorgang möchte sich der sonst so mitteilungsfreudige Levit, der bei Twitter und Facebook selbst oft fremdenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Beschimpfungen ausgesetzt ist, derzeit nicht äußern. Dafür lässt er Taten sprechen: Der Pianist, der inzwischen weltweit stark gefragt ist und gerade Konzerte mit dem Dirigenten Kirill Petrenko in Israel absolviert, ist Protagonist eines kurzfristig angesetzten Konzerts für hannoversche Flüchtlingskinder und ihre Familien. Levit spielt gemeinsam mit seinem Kollegen Markus Becker und Musikern der NDR Radiophilharmonie Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“, Erzählerin – auch in arabischer Sprache – ist die Kika-Moderatorin Shary Reeves. Um die optische Verdeutlichung von Musik und Handlung kümmert sich Pantomime Klaus Renzel.

Die Musiker verstehen das Konzert am 28. November um 16 Uhr im Kleinen Sendesaal des NDR als Willkommen für Flüchtlingsfamilien und als Begegnungsmöglichkeit für Flüchtlingskinder mit Kindern, die hier schon leben. Der Eintritt für Flüchtlingsfamilien ist frei, sie müssen sich aber werktags zwischen 10 und 12 Uhr unter Telefon (01 78) 6 25 47 81 anmelden. Für alle anderen Kinder und ihre Begleiter gibt es Karten für 5 Euro beim NDR Ticketshop und unter Telefon (05 11) 27 78 98 99.

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