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Kleiner Sendesaal

Wolf Biermann präsentiert sein Buch „Barbara“

Er weiß immer noch, wo es langgeht: Wolf Biermann im Kleinen Sendesaal des NDR.

Er weiß immer noch, wo es langgeht: Wolf Biermann im Kleinen Sendesaal des NDR.

Hannover. Man mag sich an seiner Biografie reiben, auch an den Gesinnungswechseln, zu denen er offen steht – aber eines kann man Wolf Biermann kaum vorwerfen: mangelnde Authentizität. Er hat den Mund aufgemacht, wann immer er meinte, etwas sagen zu müssen, und sich dabei wenig um die möglichen Konsequenzen geschert. Und diese reichten immerhin so weit, dass man ihn anlässlich seines 40. Geburtstages 1976 zu einem Konzert nach Köln ließ, danach jedoch nicht mehr zurück zu Frau und Kind im Arbeiter- und Bauernstaat. Vermutlich war es die Tatsache, dass mit Wolf Biermanns großem lyrischen Talent ein ebenso großes Ego einhergeht, die den Liedermacher der „Zersetzung“, so der offizielle Stasi-Jargon, widerstehen ließ.

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Der Steinway als Trommel

Der charakteristische Schnauzbart, den der inzwischen 82jährige nach eigenem Bekunden nur deshalb trägt, weil seine erste Lebensgefährtin Brigitte Soubeyran Georges Brassens so sehr mochte, ist längst ergraut. Aber Wolf Biermanns Mundwerk ist so lose wie eh und je, und das ist herrlich, auch wenn er es der NDR-Kultur-Moderatorin Natascha Freundel damit nicht leicht macht. Eigentlich soll es um sein neues Buch gehen. Aber Biermann schweift ab, Biermann schwelgt in Erinnerungen, Biermann bezieht noch immer permanent politisch Stellung, und es ist ein Vergnügen, ihm dabei zuzuhören. Selbst ein paar Lieder gibt er zum Besten, einfach so, ohne seine Gitarre – dafür missbraucht er mal eben den Steinway-Flügel am äußersten Bühnenrand kurzerhand als Trommel.

Fast wäre bei all dem sein Buch „Barbara“ mit dem irren Untertitel „Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten“ gar nicht zur Sprache gekommen. Aber schließlich kommt der Schauspieler und Theaterintendant Manuel Soubeyrand, Biermanns „nicht Samen-, sondern Seelensohn“ doch dazu, zwei der Novellen vorzutragen. Wolf Biermann erweist sich dabei als begnadeter Erzähler, auch wenn er immer wieder damit kokettiert, von Prosa nichts zu verstehen.

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Begegnungen mit der Damenwelt

Detailreich, lebendig und vor allem mit viel Liebe für seine Protagonisten schildert er die autobiografischen Begebenheiten. Bei den Begegnungen mit der Damenwelt wird es stellenweise so explizit, dass man sich unwillkürlich fragt, wie der Seelensohn das so professionell-distanziert vortragen kann. Aber, so erklärt der Autor umgehend, die wenigen Passagen, in denen sein „Zentralorgan“ eine Rolle spielt, seien ja keineswegs pornografisch, sondern immer Teil einer „verrückten Liebesgeschichte im politischen Gemetzel der Gezeiten“.

Auch hier ist Wolf Biermann ganz und gar authentisch.

Das Autorengespräch vom 29. April wird am Pfingstsonntag, dem 9. Juni, ab 20 Uhr im „Sonntagsstudio“ auf NDR Kultur ausgestrahlt.

Von Juliane Moghimi

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