Linden

40 Jahre Kinderklötten: Gebrauchtes für Generationen

Gut sortiert: Gisela Kölle bietet in ihrem Laden Kinderklötten Kinder- und Damenkleidung aus zweiter Hand an.

Gut sortiert: Gisela Kölle bietet in ihrem Laden Kinderklötten Kinder- und Damenkleidung aus zweiter Hand an.

Hannover. Kleider-Tausch-Partys, Sozialkaufhäuser und Luxus-Second-hand-Boutiquen - es gibt viele Gelegenheiten, gebrauchte Kleidung zu kaufen. Für jeden Geldbeutel und für jede Zielgruppe findet sich das entsprechende Angebot. Als Gisela Kölle am 1. Dezember 1976 ihren kleinen Laden auf der Limmerstraße eröffnete, sah das noch ganz anders aus. „Iii, gebrauchte Sachen hatten wir doch schon im Krieg“ - das habe sie häufig zu hören bekommen, erinnert sich die heute 68-jährige. Inzwischen hat sich die Einstellung zur Ware aus zweiter Hand radikal geändert - und Lindens ältesten Secondhand-Laden Kinderklötten gibt es immer noch. Am kommenden Sonnabendvormittag feiert das Geschäft, das heute in der Elisenstraße zu finden ist, sein 40-jähriges Bestehen mit vielen Stammkunden.

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„Es war die Zeit, in der die Glocksee-Schule gegründet wurde und es wieder in war, Sachen selbst zu machen“, erinnert sich Secondhand-Pionierin Kölle an die Anfangstage. Die Entscheidung, ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften zugunsten eines eigenen Lädchens zurückzustellen, schien gewagt. Heute bereut sie es kein bisschen, noch immer fast täglich zusammen mit ihrem Mann gebrauchte Kinder- und Damensachen zu verkaufen. „Eindeutig besser, als ein Leben hinter dem Banktresen verbracht zu haben“, lächelt Kölle.

Ein Blick auf die Fotos und Plakate über den gut sortierten Kleiderständern verrät auch ein wenig über ihre persönliche Geschichte. Da hängen Bilder vom Afrika-Austausch des Kirchenkreises West, an dem sie teilgenommen hat. Oder ein Plakat des Kinderschutzbundes neben einem aus den Gründungstagen der reformpädagogischen Glockseeschule. An dieser hat Kölle auch ihre Kinder angemeldet. Der gesamte Laden hat seine Wurzeln in den sozial- und bürgerbewegten Siebzigerjahren. „Wir wollten allerdings nie ein Hippie-Laden sein“, betont die Inhaberin nachdrücklich.

Bei allen Stücken, die zum Verkauf angeboten werden, achtet sie auf einen guten Zustand. Jeder Privatverkäufer, der Sachen abgibt, muss versichern, dass er sie vorher ordentlich gewaschen hat. Die Hälfte des Verkaufserlöses erhält der Verkäufer. Nicht verkaufte Ware wird wohltätigen Zwecken zugeführt.

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„Einkaufen hasse ich - eigentlich“, sagt Christiane Lautenbach, Stammkundin seit über 20 Jahren. Früher suchte sie Kleidung für ihre Tochter, heute Wintersachen für sich selbst. An diesem Tag entscheidet sie sich für einen warmen Sweater, einen Pullover und ein Tuch - und zahlt dafür 7,50 Euro. Die Preise sind es allerdings nicht, die sie noch immer aus Misburg in die Elisenstraße locken. „Ich arbeite in der City als Verkäuferin und gehe dort am liebsten gar nicht mehr einkaufen. Hier stoße ich immer auf Dinge, mit denen ich gar nicht rechne“, schwärmt die Stammkundin.

In Gisela Kölles Geschäft gibt es keine Musik, nur das entschleunigende Ticken der Wanduhr. Holzpaneele an der Wand und in der Umkleide werfen ein warmes Licht zurück in den mit Teppich ausgelegten Verkaufsraum. Für Kinder steht gleich neben der Tür ein selbst gezimmertes Spielhaus. „Von vielen Kunden kennen wir schon die Kinder und Enkel, und es ist ein freundschaftlicher Kontakt entstanden“, berichtet Kölle. Die jungen neu zugezogen Familien zählen aber nur selten zu den regelmäßigen Kunden. Sie bevorzugen vermutlich die Neuware der vielen Kinder-Boutiquen.

„Heute könnte ich so ein Geschäft nicht mehr aufmachen“, zieht Kölle ein ernüchterndes Resümee ihrer jahrzehntelangen Beobachtung des Secondhand-Marktes. Weil Sozialkaufhäuser, Kleiderbörsen und ähnliche Läden wie Pilze aus dem Boden schössen, hätten es kleine kommerzielle Secondhand-Geschäfte wie ihres schwer. „Es stört mich, wie immer mehr Sachen unter dem Deckmantel des Sozialen verkauft werden“, sagt sie. Ans Aufhören denkt die Verkäuferin aus Leidenschaft aber noch lange nicht.

Kinderklötten in der Elisenstraße 44 ist dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet, sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

Von Mario Moers

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