Krebsärztin aus Hannover

Andrang beim Abschied von Mechthild Bach in Langenhagen

Trauerfeier in der Elisabethkirche in Langenhagen.

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Längst nicht alle der rund 500 Trauergäste kannten die Verstorbene persönlich. Gleichwohl waren sie am Freitagmorgen bei stürmischem, regnerischem Wetter gekommen, um der Krebsärztin Mechthild Bach die letzte Ehre zu erweisen. Der große Andrang in und vor der Elisabethkirche in Langenhagen zeigte, wie sehr der Fall der wegen Totschlags an 13 Patienten angeklagten Internistin, die sich am 24. Januar im Alter von 61 Jahren das Leben genommen hatte, die Menschen bewegt. Ingrid Spieckermann sprach aus, was viele empfunden haben mögen: „Wir sind erschrocken und erschüttert“, sagte die Landessuperintendentin, die die Trauerrede hielt.

Eine offene Anklage gegenüber der Justiz, wie sie viele von Bachs Patienten, Freunden und Wegbegleitern nach dem Selbstmord formuliert hatten, vermied die Kirchenfrau, die neben dem mit weißen Rosen geschmückten, im Altarraum aufgebahrten Tannensarg predigte. Gleichwohl sparte Spieckermann nicht mit kritischen Worten. „Acht Jahre hat sie am Pranger gestanden, ist sie öffentlich seziert worden“, sagte sie im Hinblick auf den langen Prozess gegen Bach.

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Den „unglaublichen Vorwurf des Mordes“ – in einer Zwischenbilanz hatte das Gericht eine entsprechende Verurteilung in Erwägung gezogen – habe Bach nicht mehr ertragen können. Dabei habe sie stets beteuert, nur Schmerzen lindern zu wollen. „Ich gehe mit ganz reinem Gewissen“ soll die Ärztin ihr Nahestehenden kurz vor ihrem Tod mitgeteilt haben.

Verwandte hatte Bach nicht mehr. Ihr Lebensgefährte war im vergangenen Sommer verstorben, ihre Schwester war bereits 1975 von ihrem Exmann ermordet worden. Bachs engste Freunde, darunter der pensionierte Musikdirektor und langjährige Patient Ernst Müller, nahmen bei der Andacht ebenso wie ihre Anwälte Matthias Waldraff und Albrecht-Paul Wegener in der ersten Reihe Platz.

Sitzend konnten nur 250 Trauergäste zuhören, von denen viele ihre Tränen nicht zurückhielten. In den Gängen des Kirchenschiffs und vor dem neugotischen Backsteinbau drängten sich noch einmal so viele Menschen – die Trauerrede und Bachs Lieblingsmusikstück, Antonin Dvoraks 9. Symphonie, wurden mit Lautsprechern nach draußen übertragen.

Waldraff und Müller führten den Trauerzug zum Friedhof in der Karl-Kellner-Straße an. Der von der Verteidigung beauftragte Gutachter Prof. Rafael Dudziak war aus Frankfurt angereist. Auch Bachs früherer Kollege aus der Paracelsus-Klinik, Andreas Hattendorf, und Utz Wewel, Geschäftsführer der Diakonischen Dienste Hannover, der Bach aus seiner Zeit als Direktor der norddeutschen Paracelsus-Kliniken kannte, standen am Grab, als ein Trompeter „Il Silenzio“ spielte. Ein Vertreter des Gerichts war nicht erschienen.

Besonders bewegend war eine Szene, nachdem viele Trauernde bereits gegangen waren: Eine junge, weinende Frau trat ans Grab und sang ein „Ave Maria“.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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