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Stadtspaziergang

Aus Solidarität ist Achim Wolff bei Kika rausgeflogen

Bei Kika rausgeflogen - und ein bisschen stolz drauf: Achim Wolff.

Bei Kika rausgeflogen - und ein bisschen stolz drauf: Achim Wolff.

Hannover.Eine Runde durch den Maschpark – soll man Achim Wolff wirklich fragen, ob das okay ist? Normalerweise ist die Frage bei einem 78-Jährigen nicht ehrenrührig, da könnte ein Gespräch im Sitzen erholsamer und ergiebiger sein. Aber Wolff wirkt nicht wie ein 78-Jähriger. Der hochgewachsene Schauspieler könnte sich glatt um den Seniorenpass herummogeln, wenn es was bringen würde. Also: Natürlich schlendert er um den See hinterm Rathaus („Dolles Ding“), und wenn demnächst die neue Hüfte drin ist, würde er sich vermutlich auch den großen See nebenan vornehmen. „Früher“, sagt Wolff, „habe ich in Hannover immer in einem Hotel am Tierpark gewohnt.“

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Wolff tourt derzeit mit dem Stück „Honig im Kopf“ durchs Land, er spielt Amandus Rosenbach, der an Alzheimer leidet – die Rolle, die in Til Schweigers erfolgreichem Kinofilm Dieter Hallervorden übernommen hat. „Ich habe in der Familie selbst so einen Fall“, sagt Wolff, „wichtig war also, dass ich meine persönliche Sichtweise auf die Krankheit beim Spielen aus mir heraus nehmen muss.“ Von Hallervorden habe er gelernt, die Rolle in allem Ernst zu spielen und nicht die Heiterkeit, die in den Dialogen mit dem Alzheimerpatienten stecke, in den Vordergrund zu rücken.

Der gebürtige Berliner Wolff hat schon mit dem zwei Jahre älteren Hallervorden („Wir sind per Sie“) in dessen Schlosspark-Theater auf der Bühne gestanden. Man schätze sich, wenngleich es auch manchmal emotional zugehe. Hallervorden habe sich die Erstaufführung der Bühnenfassung an seinem Theater gewünscht - und Wolff gebeten, die Sache mit Florian Battermann zu regeln, dem die Uraufführung eigentlich für Braunschweig versprochen worden war. Angeguckt habe sich der Theaterchef das Stück aber bislang nicht, was Wolff, der viele gute Kritiken bekam, wiederum traurig gemacht hat. „Aber das wirst du auch überleben“, sagt seine Frau Rita Feldmaier. Für ein paar Tage hat die in Potsdam engagierte Schauspielerin die Gelegenheit, ihren Mann zu begleiten.

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Wenn der große Mann mit der sanften Märchenonkelstimme übers Theater zu erzählen beginnt, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. Der gebürtige Berliner wuchs in Magdeburg auf, machte dort Abitur und studierte dann an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Als DDR-Schauspieler hat er unter Frank Castorf gespielt und sich auch politisch „an den Rand der Möglichkeiten gewagt. Es ging oft darum: Wie weit kann man gehen? Das war viel spannender als heute.“ Erinnern kann er sich an das Karl-Grünberg-Stück „Golden fließt der Stahl“, 1979 von Castorf inszeniert und gleich nach der Premiere in Brandenburg abgesetzt. „Das Stück war hart und authentisch.“ Das Ensemble wusste genau, welchen politischen Zündstoff die Kriminalgeschichte um Industriespionage für den Westen und einen vertuschten Mord in einem Stahlkombinat birgt. An eine Szene könne er sich besonders erinnern. Als er in seiner ersten Szene mit einer Kaffeetasse in der Hand spielt, verrät ihn der klappernde Löffel. Es gibt Szenenapplaus, nicht vom Publikum, sondern von den Kollegen. „Die wussten, warum Achim so aufgeregt ist.“

„Der Puppenspieler hat geheult. Ich habe mich mit ihm solidarisch erklärt."

Dabei ist Wolff, wie er sagt, eher einer fürs heitere Fach, Harmonie sei die beste Voraussetzung für eine Produktion. Die Fernsehserien „Salto Postale“ und „Salto Kommunale“ mit Wolfgang Stumph brachten ihn einem breiten Publikum näher. In der erfolgreichen Kika-Serie mit dem knollennasigen Sackwesen Beutolomäus hat Wolff seit Jahren den Weihnachtsmann gespielt. Doch hier hakt es gerade etwas mit der Harmonie. Denn nach einem Intendantenwechsel beim Kinderkanal in Erfurt soll nun der Puppenspieler durch eine Computerfigur ersetzt werden. „Der Puppenspieler hat geheult. Ich habe mich mit ihm solidarisch erklärt. Da bin ich auch rausgeflogen.“

Neugierig und wach ist er geblieben, mit jungen Kollegen kommt er nach eigenem Befinden gut klar. An das schnelle Duzen habe er sich mittlerweile gewöhnt. Aber eins nerve ihn schon gewaltig: „Dass viele hinter der Bühne, wenn sie gerade nicht dran sind, ihr Handy rausholen. Da könnte ich ausrasten!“ Kleine Pause. „Aber ich beherrsche mich.“

Sein wichtigster Termin im kommenden Jahr spielt nicht auf der Bühne, sondern im OP-Saal. Da wird Wolff an der Hüfte operiert. Am 23. März will er dann wieder als Amandus Rosenbach auf der Bühne stehen. Der Rolle werde das schon nicht abträglich sein. „Och, wird schon gehen. Ein alter, dementer Mann darf ja auch ein bisschen hinken.“

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