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Amtsgericht Hannover

Autofahrer fährt Radler an – zehn Monate Bewährung

Bogdan S. wurde von Anwalt Tilmann de Boer (r.) verteidigt.

Bogdan S. wurde von Anwalt Tilmann de Boer (r.) verteidigt.

Hannover.Ein Autofahrer, der einen VW Touran als eine Art Waffe einsetzte und einen Radfahrer absichtlich zu Fall brachte, ist am Montag vom Amtsgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. Außerdem muss Bogdan S. 15 Monate auf seinen Führerschein verzichten und eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen. Die Richterin verurteilte den 31-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Der 22-jährige Radler hatte sich bei der Attacke im September 2017 Prellungen an Arm und Schulter sowie etliche Hautabschürfungen zugezogen; die Reparaturkosten für sein zerbeultes Rennrad beliefen sich auf gut 2000 Euro.

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Erste Begegnung an Tankstelle

Zu der unheilvollen Begegnung zwischen Auto- und Radfahrer war es an einem Sonnabendvormittag auf der Walsroder Straße in Langenhagen gekommen. Bogdan S. rollte langsam vom Gelände der Shell-Tankstelle an der Ecke Reuterdamm herunter, wollte nach rechts Richtung Krähenwinkel fahren. Auf dem Beifahrersitz saß sein Vater (51), dem der Touran gehört. Weil von links andere Autos kamen, blieb S. stehen – auf dem Radweg. In diesem Moment bog der Rennradler vom Reuterdamm nach rechts auf die Walsroder Straße ein, sah das Auto vor sich, bremste, kam leicht ins Trudeln und stützte sich beim Ausweichen auf der Motorhaube des VW ab. Vater und Sohn behaupteten von Gericht, es habe sich um einen Schlag gehandelt, doch neutrale Zeugen deuteten die Handbewegung tatsächlich eher als Abstützen.

Dann beschleunigte der 22-Jährige wieder, fuhr mit Tempo 30 an der Walsroder Straße entlang, als ihn der Touran-Fahrer überholte und 150 Meter hinter der Tankstelle plötzlich nach rechts auf den Radweg ausscherte. Ein Landwirt, der auf der Gegenfahrbahn in einem Trecker unterwegs war, sprach im Zeugenstand von einem „Anfahren“. Doch selbst wenn der VW wenige Zentimeter vor dem Vorderrad des Rennrads zum Stehen kam: Der 22-Jährige hatte keine Chance, den Zusammenstoß zu vermeiden, und flog über die Motorhaube des Touran auf den Asphalt. Kurze Zeit später war ein Rettungswagen vor Ort.

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Sorge um das Auto

Der Angeklagte und sein Vater wiesen darauf hin, dass sie sich bei der ersten Begegnung vor der Tankstelle große Sorgen um das Auto gemacht hätten, das man sechs Jahre lang per Ratenzahlung abgestottert habe. „Der Radfahrer hat mit der Hand auf die Motorhaube geschlagen, und wir wussten nicht, ob der Wagen beschädigt ist“, sagte Bogdan S. Auf die Rufe seines Vaters, anzuhalten, habe der Rennradler nicht reagiert. Deshalb habe er ihn zur Rede stellen wollen.

Die Staatsanwältin forderte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe, Verteidiger Tilmann de Boer plädierte auf Freispruch. Sein Mandant sei nicht vorbestraft; er habe seinen Führerschein schon vor neun Monaten abgeben müssen, außerdem sei ihm nicht zweifelsfrei nachzuweisen, dass er den Radfahrer umfahren wollte. Doch das sah das Gericht mit Blick auf mehrere Zeugenaussagen anders. Als Bogdan S., neben dem Rennradler mit Tempo 30 herfahrend, plötzlich nach rechts ausscherte und ihn auf die Haube nahm, so die Richterin, habe er billigend in Kauf genommen, dass sich der 22-Jährige lebensgefährlich verletzen könnte. Ein solches Verhalten sei vollkommen inakzeptabel.

Von Michael Zgoll

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