Linden

Bäckerei Doppelkorn in der Limmerstraße muss schließen

Im Oktober vergangenen Jahres übernahm Friedrich Dieter vor der Doppelkorn-Filiale an der Limmerstraße – nun sucht er nach einem neuen Standort.

Im Oktober vergangenen Jahres übernahm Friedrich Dieter vor der Doppelkorn-Filiale an der Limmerstraße – nun sucht er nach einem neuen Standort.

Hannover. Seit gut neun Monaten werden in der Filiale der Bäckereikette Doppelkorn in der Limmerstraße wieder Biobackwaren verkauft. Nach der Insolvenz hat der neue Eigentümer Friedrich Dieter den traditionsreichen Betrieb wieder ins Laufen gebracht. Doch die Tage, die seine Mitarbeiter noch in dem Ladenlokal im Haus Nummer 58 arbeiten werden, sind gezählt. Ende September läuft der Mietvertrag aus, und Dieter muss sich nach einem neuen Standort umsehen. Allerdings wird in den Räumen auch weiterhin eine Bäckerei zu finden sein: Ein Team ehemaliger Doppelkorn-Mitarbeiter und früherer Stammkunden will die Lokalität zum 1. Oktober pachten, umbauen und dort ebenfalls Bioprodukte anbieten.

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Limmerstraße: Die Keimzelle von Doppelkorn

Dieter macht keinen Hehl draus, dass er am liebsten am angestammten Ort geblieben wäre. Die Filiale in der Limmerstraße, in der zurzeit elf Angestellte arbeiten, ist so etwas wie die Keimzelle von Doppelkorn – dort wurde das Unternehmen 1984 gegründet, und dort ist der zentrale Firmensitz, von dem aus auch die weiteren fünf hannoverschen Doppelkorn-Läden verwaltet werden. Bei der Suche nach neuen Räumen hat Dieter ein Ziel vorgegeben: „Wir möchten hier in Linden bleiben, am liebsten gleich um die Ecke.“

Eigentlich wollte der Unternehmer in den Umbau des gut frequentierten Standorts an der Limmerstraße bald investieren. Dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde, durchkreuzt diese Pläne. Die Gründe sieht Dieter in Meinungsverschiedenheiten mit den Vermietern. Bereits im Oktober 2017, kurz bevor er die Filiale in der Limmerstraße wieder eröffnen wollte, hatten die Eigentümer der Immobilie die Türschlösser ausgetauscht. Schon seinerzeit hatte der Geschäftsmann vermutet, die Vermieter seien durch „gezielte Falschinformationen“ von einem kleinen Teil ehemaliger Mitarbeiter motiviert worden, vom verabredeten Mietvertrag zurückzutreten. Schließlich einigte man sich darauf, dass der neue Doppelkorn-Besitzer das Ladenlokal zunächst ein weiteres Jahr pachten kann.

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Atmosphäre stark belastet

"Ich hatte geglaubt, dass es auch danach weitergehen wird", sagt Dieter. Doch offenbar sei die Atmosphäre zwischen den Parteien zu stark vorbelastet gewesen. Der Firmenchef glaubt, dass frühere Doppelkorn-Angestellte weiterhin darauf hingewirkt hätten, sein Unternehmen in Misskredit zu bringen – mit dem Ziel, die Filiale selbst zu betreiben. So hätten sie etwa sein Konzept für die Biobäckerei öffentlich in Zweifel gezogen.

Sechs Filialen sind geblieben

Derzeit gibt es noch sechs Filialen von Doppelkorn in Hannover. Neben dem Standort in der Limmerstraße sind es zwei Läden in der List sowie jeweils eine Niederlassung in der Oststadt, Bothfeld und Döhren. Unternehmer Friedrich Dieter, Chef des in Ibbenbüren angesiedelten Unternehmens Steinofenbäcker, hatte nach der Doppelkorn-Insolvenz im Oktober 2017 zunächst sieben Standorte mit rund 70 Mitarbeitern übernommen, inzwischen wurde die Filiale in Limmer geschlossen. Die Bothfelder Filiale wurde bereits modernisiert. Laut Dieter sind aktuell noch 55 Mitarbeiter bei Doppelkorn beschäftigt. Manche aus der Stammbelegschaft hätten sich anders orientiert, andere ihre bisherigen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können. Gekündigt habe er nur einem Fahrer. Zusätzliches Personal werde nun dringend gesucht. Dieter hatte im Insolvenzverfahren den Zuschlag bekommen, die Bäckereikette wieder auf eine wirtschaftlich sichere Grundlage zu stellen. Durch seinen Vorgänger Manuel P., der das Unternehmen von Gründer Manfred Dust übernommen hatte, war Doppelkorn in die Schlagzeilen geraten: Gegen P. ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bankrott- und Insolvenzverschleppung. Im Februar stellte er sich den Behörden. jk

Dieters im westfälischen Ibbenbüren angesiedeltes Unternehmen Steinofenbäcker beliefert auch die hannoverschen Doppelkorn-Filialen – nach seinen Worten zu 100 Prozent mit Bioprodukten. Nach wie vor werde aber ein Großteil der dort vertriebenen Backwaren in der örtlichen Bäckerei in Laatzen hergestellt, betont der Geschäftsmann. Zudem sei für den geschützten Markennamen Doppelkorn erneut das Bioland-Gütesiegel vergeben worden. Auch der frühere Doppelkorn-Betreiber Manfred Dust sagt, Dieters Unternehmen sei ein „echter Biobetrieb“. Es gebe aber vor allem in Linden noch immer viele Kunden, die dem ehemaligen Betrieb sehr verbunden seien.

Frühere Mitarbeiter gründen Genossenschaft

Ein Teil von ihnen findet sich in der Gruppe wieder, die mit früheren Doppelkorn-Beschäftigten und anderen Lindenern eine Genossenschaft gründen will, um die Bäckerei an der Limmerstraße zu übernehmen. „Wir setzen auf traditionelles Handwerk“, sagt einer der Beteiligten, der noch nicht namentlich genannt werden möchte. Ziel sei es auch, die seit 2009 nur noch in Teilen genutzte alte Backstube im Hinterhof wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. Dies sei ein Wunsch der Vermieterfamilie gewesen, die dort einst selbst eine Bäckerei betrieben hatte. Den Vorwurf, die neue Gruppe habe Dieter bei den Ladeneigentümern schlecht gemacht, weist der künftige Genossenschafter entschieden zurück: „Es geht uns keinesfalls darum, den Leute von Doppelkorn zu schaden.“

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Dieter lässt sich von der künftigen Konkurrenz nicht schrecken. Bis zum Herbst will er möglichst in Linden einen Ersatzstandort für die Filiale in der Limmerstraße gefunden haben. Nicht nur das: „Wir werden expandieren“, kündigt er an. In ein bis zwei Jahren werde es drei weitere neue Doppelkorn-Standorte in der Stadt geben.

Von Juliane Kaune

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