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Barsinghausen

24-jähriger Verdächtiger geht in Untersuchungshaft

Nach dem Fund der Leiche der 16-Jährigen Anna legen die Bürger auch am Dienstag Kerzen, Blumen und Kuscheltiere am Fundort ab.

Nach dem Fund der Leiche der 16-Jährigen Anna legen die Bürger auch am Dienstag Kerzen, Blumen und Kuscheltiere am Fundort ab.

Hannover. Im Fall der getöteten 16-jährigen Anna aus Barsinghausen sitzt der 24 Jahre alte Verdächtige in Untersuchungshaft. Das hat die Polizei am späten Dienstagnachmittag mitgeteilt. Im Lauf der Ermittlungen konnte die 14-köpfige Mordkommission "Anna" den dringenden Tatverdacht gegen den jungen Mann erhärten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover ordnete ein Haftrichter Untersuchungshaft für den Verdächtigen wegen eines Tötungsdelikts an. Unklar ist bislang, ob der Mann auch für den Tod der 55 Jahre alten Veronika B. vor zwei Monaten in Barsinghausen verantwortlich gemacht werden kann.

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Im Zuge der Ermittlungen hatte die Polizei auch eine Unterkunft für Obdachlose und Flüchtlinge in Barsinghausen durchsucht, in der der 24-Jährige ein Zimmer hat. Ob die Beamten dort den entscheidenden Hinweis erhalten haben, der zur Beantragung eines Haftbefehls gegen den Mann geführt hat, ist unklar. In der Nähe der Unterkunft war der junge Mann, der einen deutschen und einen dominikanischen Pass besitzt, am Montagnachmittag nach Zeugenhinweisen festgenommen worden.

Die 16-jährige Schülerin Anna war am Sonntagnachmittag tot vor einer Grundschule in Barsinghausen gefunden worden. Die Obduktion der Leiche hatte ergeben, dass das Mädchen erschlagen worden war. Hinweise auf ein Sexualdelikt hatten sich bei der Untersuchung nicht ergeben. Warum der 24-Jährige die Schülerin mutmaßlich getötet hat, ist bislang noch unklar. Fest steht bislang nur, dass Anna am Samstagabend feiern gewesen ist und dabei auch Alkohol getrunken hatte. Nach Angaben der Polizei hatte die Jugendliche ihren mutmaßlichen Mörder erst an diesem Abend kennengelernt. Gegen 1 Uhr war sie am Hauptbahnhof in Barsinghausen zuletzt gesehen worden. Anschließend soll sie noch Kontakt über ihr Handy mit einem Bekannten gehabt haben. Gegen 1.30 Uhr soll dieser Kontakt abgerissen sein.

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Im Verlauf der Ermittlungen hatte sich, wie in vielen Kriminalfällen die bundesweite Aufmerksamkeit bekommen, auch ein selbsternannter Seher bei den Mordermittlern in Hannover gemeldet. In einer E-Mail bot der Mann aus dem Rheinland der Kripo seine Hilfe bei der Aufklärung des Falls an. Er habe, so schreibt er in der Mail, die der HAZ vorliegt, eine Eingebung gehabt, wo der mutmaßliche Täter zu suchen sei. Seine Eingebungen deckten sich allerdings nicht mit den Ergebnissen der Ermittlungen.

33-Jährige bietet Fahrdienst an

Infolge der beiden getöteten Frauen reagieren die Barsinghäuser auf die zunehmende Unsicherheit in der Stadt. Auf Facebook hat ein Nutzer die Gruppe „Barsinghausen – Augen auf, wer hilft“ gegründet. Es gehe darum, „in den Zeiten, wo keine Bahn, wo kein Stadtbus fährt, spazieren zu gehen, die Augen aufzuhalten und bei genau solchen Sachen Erste Hilfe zu leisten und die Polizei anzurufen,“ schreibt er. „Das soll keine Selbstjustiz werden. Es geht einfach darum, ein Ohr sowie ein Auge zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben.“

Auch im weiteren Umland wird auf die Fälle reagiert. Die Wunstorferin Hanna Fichtelmann bietet sich selbst und ihr Auto für Notfälle an, der Beitrag endet mit ihrer Handynummer. „Es ist für Mädels und junge Frauen gedacht, die kein Taxigeld mehr haben, damit sie sich nicht hilflos fühlen“, sagt die 33-Jährige. Sie wuchs selbst in Barsinghausen auf und lief als Jugendliche oft allein nach Hause. Die Resonanz auf ihren Facebook-Post sei immens. Im Moment versucht die 33-Jährige, alles zu sortieren. „Ich bekomme seitdem ständig Anrufe“, sagt Fichtelmann. Viele wollen sich ebenfalls als Fahrerinnen engagieren, andere bieten finanzielle Unterstützung an. „Es sind auch zwei bis drei Frauen aus Barsinghausen dabei, die dort einen Fahrservice ins Leben rufen wollen“, so Fichtelmann.

Von Tobias Morchner und Peer Hellerling

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