Ricklingen

Baumfeind geht sehr gründlich vor

Foto: Ein Unbekannter hat den Baum an der Gartenkolonie in Ricklingen schrittweise zerstört.

Ein Unbekannter hat den Baum an der Gartenkolonie in Ricklingen schrittweise zerstört.

Ricklingen. Die Spuren der Zerstörung an der 20 Meter hohen Pappel sind professionell: „Wer auch immer diesen Baum töten will“, sagt Hans-Jörg Bernhardt, „der weiß, was er tut.“ Ein Unbekannter hat einen breiten Streifen Rinde einer rund 30 Jahre alte Pappel entfernt, die nahe der Kleingartenkolonie Kornhast in Ricklingen steht. Über mehrere Tage hatte sich der Täter an dem Stamm zu schaffen gemacht - jetzt ist der Baum wohl nicht mehr zu retten.

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„Der Unbekannte hat die Leitungsbahnen in der Rinde des Baums durchtrennt“, erklärt der stellvertretende Leiter des Forstreviers Süd. „Ich denke, nun wird die Pappel das Jahr 2014 nicht mehr erleben.“ Der Baum steht an einem Radweg, der zum Ricklinger Holz führt. Wenn ein Baum durch Alter oder Krankheit so geschwächt ist, dass Teile von ihm auf den Weg fallen könnten, müssen die Förster der Stadt den Baum fällen. „Unsere Wegesicherungspflicht lässt uns da keine Wahl“, sagt Bernhardt. Offenbar hat der Täter genau das bezweckt.

Das Forstrevier hat wegen der Zerstötung des Baums Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Chance, den Täter zu ermitteln, ist in einem solchen Fall allerdings gering. „Man müsste schon jemanden auf frischer Tat ertappen oder einen Hinweis aus der Bevölkerung bekommen“, sagt ein Polizeisprecher. Sollte der Täter aber ermittelt werden, kommen Kosten von bis zu 10.000 Euro auf ihn zu, sagt Bernhardt: „In diesem Fall würden wir den Stumpen roden, die größtmögliche Pappel, die wir bekommen können, als Ersatz bestellen und sie aufstellen - mithilfe von schwerem Gerät und einem Kran.“

Roland Scholz, ein Anwohner und Naturschützer, hat die Beschädigung des Baums als erster bemerkt, dokumentiert und die Behörden eingeschaltet. Er glaubt, dass als Täter entweder ein Geisteskranker oder ein Anlieger infrage kommt. „Eine Pappel macht viel Dreck, die baumwollartigen Samen könnten beispielsweise die Kleingärtner in der Nähe stören“, sagt Scholz. Bernhardt weist darauf hin, dass der Täter über forstliches Wissen verfügt: „Das gewählte Verfahren nennt sich ‚Ringeln‘ - und wurde lange in der Forstwirtschaft angewendet, um Bäume abzutöten.“

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Dass ein Baum an einem öffentlichen Weg so zugerichtet wird, kommt laut Bernhardt in Hannover immer wieder vor. Ihn ärgert nicht nur der Einzelfall, sondern auch die Doppelmoral, die aus einer solchen Aktion spreche: „Wir Förster gelten in der Bevölkerung als Baummörder, wenn wir einen kranken Stamm entfernen müssen - aber wenn sich die Leute von einem gesunden Baum persönlich gestört fühlen, greifen sie zur Säge.“

Hinweise auf den oder die Täter nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 1093017 entgegen.

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