Evakuierung

250-Kilo-Bombe in Hannover um 23.55 Uhr entschärft

Erfolgreich entschärft: Thorsten Lüdeke, Thomas Schenk und Georg Grupe (v. l.) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hatten kein Problem, die Fliegerbombe unschädlich zu machen.

Erfolgreich entschärft: Thorsten Lüdeke, Thomas Schenk und Georg Grupe (v. l.) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst hatten kein Problem, die Fliegerbombe unschädlich zu machen.

Hannover. Um 23.55 Uhr erschüttert ein Knall den Norden Hannovers. Ein Trupp des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatte drei Minuten zuvor den Aufschlagzünder der britischen Fliegerbombe herausgezogen. Und dann den Detonator des 250-Kilo-Sprengkörpers explodieren lassen. „Der Detonator ist nötig, um das TNT-Gemisch anzuregen“, erklärt Georg Grupe, Truppführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst. Der Detonator hat etwa 2 Gramm Sprengstoff, genug „um die Finger zu verlieren“, sagt Kampfmittelbeseitiger Thorsten Lüdeke. Es wäre zu gefährlich gewesen, dieses mehr als 75 Jahre alte Funktionsteil zu transportieren.

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Seit 12 Uhr am Donnerstag waren die Bombenentschärfer bei der Arbeit. Auf dem Firmengelände des Kabelherstellers Nexans (Kabelkamp) in Brink-Hafen war der Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Seit 18.30 Uhr war ein Sicherheitsradius von einem Kilometer um den Fundort gezogen worden. Der Mittellandkanal und die Vahrenwalder Straße wurden in diesem Bereich gesperrt. 3270 Anwohner mussten das Gebiet räumen. Die Üstra ließ Evakuierungsbusse fahren. In der Herschelschule, Großer Kolonenweg, wurde eine Sammelstelle eingerichtet.

Sicherheitsradius erst um 23.31 Uhr geräumt

Trotz der professionellen Arbeit der 356 Einsatzkräfte war das Areal erst um 23.31 Uhr geräumt. Die Sicherheitsmaßnahme hatte sich über Gebühr in die Länge gezogen. „Eine demente Frau musste aus ihrer Wohnung geholt werden“, erklärte Feuerwehrsprecherin Meike Rothe. Zuvor hatten einige uneinsichtige Anwohner für eine Verzögerung der Evakuierung gesorgt.

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Vahrenwalder Straße/Ecke Industrieweg: Ab hier durften die Autos nicht mehr fahren. Die Üstra richtete Evakuierungsbusse ein.

Vahrenwalder Straße/Ecke Industrieweg: Ab hier durften die Autos nicht mehr fahren. Die Üstra richtete Evakuierungsbusse ein.

Sehr zum Leidwesen der 128 Bürger und Bürgerinnen, die in der Herschelschule auf das Ende der Bombenentschärfung warteten. Geduldig harrten sie bei Tomatensuppe und Kaffee aus. Einige hatten sich auf Liegen zur Ruhe begeben, andere schliefen am Tisch ein. „Es wird immer ruhiger und müder“, sagt Heide Maier aus Wiesenau (Langenhagen) am späten Abend. Eine Frau neben ihr meint: „Es gibt immer einige, die quer schießen müssen.“

Kleingärten im Sicherheitsradius: Auch berittene Polizisten sorgten dafür, dass Menschen evakuiert worden.

Kleingärten im Sicherheitsradius: Auch berittene Polizisten sorgten dafür, dass Menschen evakuiert worden.

Marietta Ernst meint zu der langen Wartezeit nur: „Ätzend.“ Für sie und ihren Mann Wolfgang ist es bereits die zehnte Evakuierung. „Wir wohnen seit 17 Jahren hier“, sagt ihr Mann. Sie seien bereits zum dritten Mal in der Sporthalle der Herrschelschule. Ümit Sokur bleibt gelassen. „Ich bin Kraftfahrer. Ich muss um 3 Uhr aufstehen“, sagt er. Viel Schlaf wird er in dieser Nacht nicht mehr bekommen. Seine Nachbarin Ursula Klöpper hatte am frühen Abend noch die Hoffnung: „Hoffentlich geht es schnell.“ Ein vergeblicher Wunsch.

Sammelstelle Herschelschule: 128 Menschen warteten auf die Entschärfung der Fliegerbombe. Hilfsdienste boten Kaffee, Tee und Suppen zur Stärkung an.

Sammelstelle Herschelschule: 128 Menschen warteten auf die Entschärfung der Fliegerbombe. Hilfsdienste boten Kaffee, Tee und Suppen zur Stärkung an.

Dabei war es für Polizei und Feuerwehr ein vermeintlich leichter Einsatz. "Wir haben das Glück, dass sich keine Altenheime oder Kliniken in dem Gebiet befinden", sagt Feuerwehrsprecherin Rothe über das Evakuierungsgebiet. Ursprünglich hatte man damit gerechnet, dass um 20.30 Uhr "Sicherheit" hergestellt sei. Am 29. Juni 2022 war eine Granate auch auf dem Nexans-Gelände entdeckt worden. Damals klappte die Evakuierung wesentlich reibungsloser. Allerdings hatten Polizei und Feuerwehr damals mehr Zeit, und es waren deutlich weniger Anwohner betroffen.

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Nach getaner Arbeit meinte Truppführer Georg Grupe, dass die Entschärfung der Fliegerbombe keine Probleme bereitet habe. Aber er gehe davon aus, dass sich auf dem Gelände noch weitere Sprengkörper befinden. Deshalb trage die Baufirma die aufgeschüttete Erde sehr vorsichtig ab, damit sie mit einer Sonde nach Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges untersucht werden könne.

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Von Thomas Nagel

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