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Ermittlungen

Chico: Staatsanwaltschaft wartet auf Gutachten der Tiermedizin

Staffordshire-Terrier Chico ist am Montag eingeschläfert worden. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob ihn seine schweren Verletzungen im Maul so aggressiv machten.

Staffordshire-Terrier Chico ist am Montag eingeschläfert worden. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob ihn seine schweren Verletzungen im Maul so aggressiv machten.

Hannover.Nach dem Einschläfern von Chico interessiert sich nun auch die Staatsanwaltschaft für das tiermedizinische Gutachten. "Mit dem Tod des Hundes sind die Ermittlungen nicht erledigt", sagt Hannovers Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Nach wie vor werde geprüft, wie es zu der tödlichen Beißattacke auf Chicos 27-jährigen Besitzer und dessen 52-jährige Mutter Anfang April in Groß-Buchholz kommen konnte. Vor allem für die Art der Verletzungen im Mail des Staffordshire-Terriers und den seitens der Stadt vage formulierten Entstehungszeitraum "um den Beißvorfall" interessiert sich die Staatsanwaltschaft.

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„Der genaue Ursprung kann den Unterschied ausmachen“, sagt Klinge. Laut Untersuchung waren die beiden oberen Fangzähne des Hundes herausgebrochen beziehungsweise locker. Außerdem bestand eine offene Verbindung zur Nasenhöhle. „Interessant ist, ob die Verletzungen kurz vor der Attacke entstanden und Chico womöglich deshalb vor Schmerzen so aggressiv wurde“, sagt Klinge. Alternativ könnten die Schäden erst durch den tödlichen Angriff entstanden sein.

Die Verwaltung hatte vergangene Woche schwere Versäumnisse im Fall Chico eingeräumt, er war bereits 2011 auffällig geworden. Das Veterinäramt wollte dem 27-Jährigen die Haltung des Hundes untersagen, unternahm dann allerdings nichts mehr. Der Kreis der mit Chico betrauten Mitarbeiter konnte offenbar inzwischen eingegrenzt werden. Der Kadaver des Hundes ist nach Angaben der Stadt "bis auf Weiteres sichergestellt worden", sagt Sprecher Udo Möller. Die nicht näher bekannten Untersuchungskosten in der Tierärztlichen Hochschule trägt die Stadt. Nach HAZ-Informationen befindet sich der tote Chico inzwischen im Veterinärinstitut.

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Der Verein Einfach Tierschutz aus Pulheim (Nordrhein-Westfalen) erstattete noch am Montagabend Anzeige gegen das Veterinäramt wegen Unterlassens. „Für Chico“, schreibt der Vorsitzende Jens Waldinger auf Facebook neben einem Foto der Anzeige bei der Online-Wache Niedersachsen. Laut Polizei Hannover waren bis Dienstagabend keine weiteren Anzeigen eingegangen.

Womöglich könnten neben dem Veterinäramt auch noch andere Teile der Verwaltung in den Fokus der Staatsanwaltschaft rücken – etwa der Sozialbereich. "Wir schauen, ob irgendwo jemand gewesen ist, der etwas hätte unternehmen können", sagt Oberstaatsanwalt Klinge. Die 52-Jährige saß im Rollstuhl, der 27-Jährige war an Krebs krank. Offenbar sollte Chico die beiden vor dem gewalttätigen Ex-Mann und Vater schützen. Er hatte die Mutter vor 13 Jahren so stark verprügelt, dass sie auf den Rollstuhl angewiesen war.

Die Hinterbliebenen der beiden Toten bauen derweil auf das zugesagte Gespräch mit Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Einen konkreten Termin gibt es laut ihres Anwalts Andreas Hüttl aber noch nicht, man sei in der Findungsphase. Die drei Frauen haben darüber hinaus mit dem Planen der Beerdigung begonnen.

Nach den Geschehnissen um Chico will die Stadt rund 1200 alte Fälle begutachten, bei denen es um auffällige Hunde ging. Sie stammen überwiegend aus den vergangenen zehn bis 17 Jahren. Bei möglichen Versäumnissen könne dies laut Sprecher Möller in Einzelfällen bedeuten, „dass Hundehaltungen überprüft oder andere gefahrenabwehrrechtliche Maßnahmen getroffen werden“. Gleiches gelte mit Blick auf die damaligen Mitarbeiter – im Raum stehen unter anderem personalrechtliche Schritte. „Derzeit gibt dazu aber keine Erkenntnisse“, sagt Möller.

Von Peer Hellerling

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