"Wurst-Basar"

Darf’s ein bisschen mehr sein?

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Konrad Hinsemann und Tochter Susanne Hinsemann.

Hannover. Angefangen hatte alles in Linden. Doch vielleicht hätte Konrad Hinsemann senior im April 1937 seine eigene kleine Fleischerei mit Ladengeschäft dort nie eröffnet, wenn es damals nicht in der Markthalle diese rührige Kundin aus der Lindener Weckenstraße gegeben hätte. Dort kam regelmäßig eine Frau Schmidt vorbei, um Fleisch und Wurst zu kaufen. Und am Stand von Fleischerei Voges fiel ihr ein junger Geselle auf, der ihr besonders tüchtig erschien. „Warum machen Sie sich nicht selbstständig?“, fragte sie ihn. Er nahm das als guten Rat, sie unterstützte ihn bei der Suche nach einem Laden, am Kötnerholzweg wurde man fündig. Frau Schmidt half damit, den Grundstein für ein Familienunternehmen zu legen, das heute knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt und 35 Millionen Euro Jahresumsatz macht: In Linden begann damals die Geschichte des „Wurst-Basars“.

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75 Jahre ist es jetzt her, dass Konrad Hinsemann den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Seit 1968 führt sein Sohn, der ebenfalls den Namen Konrad trägt, verantwortlich die Geschäfte des Unternehmens, dessen heutiger Sitz in Ronnenberg-Empelde ist. Der besseren Unterscheidbarkeit halber wird er in der Firmenchronik „Konrad Hinsemann junior“ genannt, dabei ist er längst selbst ein Senior: 72 Jahre ist Hinsemann mittlerweile, seit 1998 ist seine 1965 geborene Tochter Susanne als gleichberechtigte Geschäftsführerin und seit einigen Jahren auch als Mitinhaberin an seiner Seite. Gemeinsam haben die beiden in dieser Zeit die Firma „Wurst-Basar“ ausgebaut auf die Größe von 50 Filialen in der Region und im Umkreis bis zu 100 Kilometern um Hannover - in Hameln, Hildesheim oder Wolfsburg etwa.

Es ist aber sicher nicht falsch zu behaupten, dass Hinsemann das Unternehmen zu dem gemacht hat, was es heute ist. 1968 hatte er die Übernahme der Fleischereifirma Wilhelm Rüter, damals eine der Branchengrößen, perfekt gemacht. „Fünf Filialen und der Produktionsbetrieb in der Lister Gretchenstraße kamen zu dem hinzu, was mein Vater aufgebaut hatte“, erinnert sich Hinsemann. Der hatte sich nach dem Auftakt am Kötnerholzweg in den fünfziger Jahren ein Haus in der Limmerstraße gekauft und dort ein größeres Geschäft eröffnet, auch eine Filiale in der Liebigstraße gab es mittlerweile.

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Konrad Hinsemann junior hat sich auch den Namen „Wurst-Basar“ mit entsprechendem Filialvertriebskonzept ausgedacht, das bei zwei Dritteln der Niederlassungen neben der Wursttheke eigene Imbisse umfasst. 1976 war das, seitdem gibt es auch das bekannte Firmenlogo mit dem Giebel eines Niedersachsenhauses. 1987 übernahm Hinsemann dann das Fleischereiunternehmen Kaupke in Ronnenberg-Empelde mit 400 Mitarbeitern und 24 Filialen. 1994 wurden dort Gebäude und Produktionsstätten modernisiert, die Anlagen in der Gretchenstraße aufgegeben und der neue Firmensitz bezogen.

„Wir sind ein mittelständischer Familienbetrieb, der auf handwerkliche Produktion, kurze Wege und frische Waren Wert legt, die es ausschließlich in den eigenen Filialen gibt“, formuliert heute Susanne Hinsemann die von ihrem Vater geprägte Firmenphilosophie. Auch der Region fühle man sich verbunden. „Es geht uns nicht um Wachstum um jeden Preis“, sagt die Chefin. „Zudem sehen wir uns in sozialer Verantwortung für unsere Mitarbeiter.“ Es werde aber leider immer schwieriger, Nachwuchs für die Berufe des Fleischers oder der Fleischereifachverkäuferin zu finden. Diese Jobs hätten heute kein gutes Image bei jungen Leuten. „Und jeder Lebensmittelskandal schadet uns zusätzlich“, sagt Susanne Hinsemann. Zurzeit gebe es nur 40 Azubis, „zuletzt waren es noch 50 bis 60“. Um gegenzusteuern, wirbt man etwa mit einem Bonusprogramm, bei dem als Belohnung unter anderem der Führerschein von der Firma bezahlt wird. Ein Viertel der Mitarbeiter, die heute im Betrieb arbeiten, sind ehemalige Auszubildende.

Als Konrad Hinsemann Mitte der fünfziger Jahre seine Lehre machte, sah die Situation nicht nur bei den Auszubildenden noch anders aus. Auch die Marktmacht der Einzelhandelsketten mit ihren großindustriellen Produzenten machte den Fleischereibetrieben noch nicht zu schaffen wie heute. Damals gab es in der Stadt Hannover 350 kleine Fleischereien, heute seien es in der ganzen Region nur noch 54, bedauert Vater Hinsemann. „Den Preiskampf mit den Großen können wir nicht gewinnen.“

Man versucht, sich anzupassen, Marketingkonzepte zu entwickeln, die auf Ortsnähe und Handwerkstradition setzen. „Bio“ indessen ist ein Stichwort, das für Hinsemanns keine Rolle spielt. „Echte Bioprodukte können sich doch nur die wenigsten leisten“, sagt die Chefin. „Wir wollen vielmehr das Vertrauen in konventionelle, aber in kleinen Chargen und handwerklich gefertigte Produkte mit Regionalbezug stärken.“ Auch das Bedürfnis vieler Menschen nach fleischloser Ernährung kann die Hinsemanns nicht schrecken. „Der Trend zum Vegetarismus ist seit Jahren konstant, unseren Umsätzen konnte er nichts anhaben“, meint Tochter Hinsemann.

Außerdem gehört es dazu, den Kunden ein modernes Umfeld zu bieten, immer wieder werden Filialen modernisiert. Nun kommt auch das Herzstück an die Reihe: Die große Niederlassung mit Imbiss am Steintor soll komplett erneuert werden. Zwei bis drei Millionen Euro wollen Hinsemanns investieren. Wann genau der Umbau beginnt, steht noch nicht fest. Doch man möchte möglichst noch im Geburtstagsjahr fertig werden - fit für die Zukunft.

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Wer heute in einer „Wurst-Basar“-Filiale die frische Zwiebelmettwurst kauft, kann davon ausgehen, dass sie vor 75 Jahren schon so geschmeckt hat. Jedenfalls fast. „Natürlich hat es im Lauf der Jahre die eine oder andere Variante gegeben, aber im Prinzip sind die Rezepturen unserer klassischen Produkte diejenigen, die Firmengründer Konrad Hinsemann senior vorgegeben hat“, sagt Produktionsleiter Uwe Tischler. Weniger Salz etwa kommt heute in die Wurst, auch der Fettgehalt wurde reduziert, der Naturdarm ist selten geworden. Sonst aber: alles beim Alten. Neben der Zwiebelmettwurst zählen die klassische Bratwurst sowie die Bregenwurst mit Grünkohl und die Rindsroulade mit Soße, die es beide nicht nur im Imbiss, sondern auch fertig vorbereitet für zu Hause gibt, zu den umsatzstärksten Produkten. ste

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