Deutsche Küche

Das kleine Museum

Inhaber Philippe Maury im Restaurant "Kleines Museum"

Inhaber Philippe Maury im Restaurant "Kleines Museum"

Der erste Blick führt zwangsläufig nach oben: Dort hängt, lässig eine Rose im Maul, ein ausgestopftes Krokodil. Es zählt wie das gemütliche Sofa und der gusseiserne Ofen zu den Wahrzeichen des „Kleinen Museums“. Doch zu entdecken gibt es in diesem Lindener Traditionslokal noch viel mehr. Da wären beispielsweise all die Erinnerungsstücke aus dem Nachlass von „Museumsgründer“ Rudi Reese, der eigentlich selbst eine Legende war. Dass Onkel Rudi zu Lebzeiten viel gereist ist, davon zeugen, bisweilen in liebevoller „Petersburger Hängung“, zahlreiche Erinnerungsstücke an den Wänden des Lokals. Selbst der Gang zur Toilette ist in diesem Haus – und das nicht nur wegen der auffälligen Sauberkeit – ein Erlebnis: Ein kleines Fenster im Waschraum offenbart den Blick in eine völlig andere Welt. Hier wirken auf einem Mauervorsprung angestrengte Miniaturarbeiter in einer winzigen Fabrik.

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Es ist also kein Wunder, dass auch die Küche gewisse Ansprüche an sich stellt. Seit der gebürtige Franzose Philippe Maury 2004 gemeinsam mit einem Geschäftspartner das Restaurant nach einer Generalrenovierung wiedereröffnet hatte, stehen neben deutscher Hausmannskost auch Klassiker der französischen Küche auf der Karte. Die in deutschen Kneipen unvermeidliche Currywurst mit Pommes frites suchen Gäste hier vergebens, allerdings können sich Snackhungrige mit einem der überbackenen Baguettes behelfen. Die Hauptgerichte allerdings gibt es ebenfalls zu erschwinglichen Preisen und, wie wir feststellen, in doch eher gehobener Qualität. Deshalb ist es keine Überraschung, dass wir bei beiden Testbesuchen nur mit Glück noch einen freien Tisch bekommen und das Lokal um uns herum selbst an einem verregnet-kalten Sonntagabend recht gut besucht ist. Eine Tischreservierung ist also durchaus empfehlenswert.

Da uns bei unserem ersten Besuch nichts von der Tageskarte lockt, wählen wir aus der Standardkarte. Schon allein wegen des Namens versuche ich „Die wilde Küchenfee“ (7,70 Euro). Die Scheiben feinen Schweinefilets sind mit gebratenen Champignons bedeckt und liegen auf einem Spiegel fruchtiger Preiselbeersoße. Dazu gibt es einen gemischten Salat mit Senfvinaigrette, Roter Bete und Baguette. Das Gericht ist nicht nur ein Klassiker des „Kleinen Museums“, sondern auch ein Sattmacher, an dem nichts auszusetzen ist: Das Fleisch ist zart, die Pilze sind frisch, nur die süßliche Soße wird vermutlich nicht jedem Geschmack gerecht. Das Gericht meines Mittesters ist da deutlich deftiger geraten: Das Rumpsteak (13,90 Euro) ist medium gebraten und ebenfalls recht zart. Die Komposition von in reichlich Butter geschwenkten Speckbohnen zu einer großen Portion Kartoffelgratin und sahniger Pfeffersoße ist insgesamt vielleicht etwas zu gehaltvoll geraten. Dazu gibt es, wie auch zur „Küchenfee“, frischen Salat mit Paprika, Rettich, Tomaten und Möhren und der gelungenen und vermutlich hausgemachten Senfvinaigrette.

Die bis zu hundert Biersorten, die es noch zu Reeses Zeiten in der Gaststätte gab, sind inzwischen Teil der Legende. Zwar hatte Maury, der das Lokal inzwischen allein führt, anfangs noch mit immerhin der Hälfte der Auswahl an der Idee festgehalten, doch tatsächlich hatte sich das Angebot nicht gerechnet. Heutzutage können Gäste zwischen Herrenhäuser (0,25 l für 1,70 Euro), Veltins (0,25 l für 1,90 Euro), Schöfferhofer Weizen (0,3 l für 2,10 Euro) und Krusovice (0,3 l für 2,30 Euro) wählen. Wir allerdings versuchen den französischen Wein und freuen uns über einen vollmundig-runden Bordeaux vom Château Puy Longa (0,2 l für 3,60 Euro).

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Beim zweiten Testbesuch steht Matjes nach Hausfrauenart (8,40 Euro) auf der Tageskarte, und mein Begleiter muss nicht lange überlegen. Die Portion ist, wie für dieses Haus üblich, erneut recht üppig: Zum Fisch gibt es einen kräftigen Schlag Soße mit vielen Zwiebeln und frischen Apfelstücken. Außerdem servieren die Köche Marcel Mohr und Robert Mazejwsky den Beweis dafür, dass sie sich auch auf Bratkartoffeln, gewürzt mit Zwiebeln, Rosmarin und Paprika, verstehen. Das „Poulet Mahgreb“ (8,20 Euro) auf meinem Teller ist saftig und von reichlich viel Honig-Dattel-Soße überzogen. Die Verbindung an sich stimmt, doch erneut muss man das doch sehr Süße mögen, um an diesem Gericht, zu dem Salat und Basmatireis gehören, Gefallen zu finden.

Letztlich bleibt jedoch festzustellen, dass sich in diesem Museum, so klein es auch sein mag, noch einiges entdecken lässt. Nicht nur an den Wänden, sondern auch auf der Speisekarte.

  • Preiskategorie: günstig

„Das kleine Museum“ in Linden-Nord im Branchenführer

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