Südstadt

Das Kolumbarium in der Nazarethkirche

Das Kolumbarium in der Nazarethkirche besteht seit einem Jahr.

Das Kolumbarium in der Nazarethkirche besteht seit einem Jahr.

Südstadt. Auf dem Weg zur Arbeit steigt Juliane Freese an der Nazarethkirche in der Sallstraße häufig von ihrem Fahrrad ab, um die Grabstätte ihrer Mutter im Kolumbarium zu besuchen. Jeden Freitag legt sie vor der verschlossenen Urnenkammer in der Kirche eine frische Blume ab. Zur Andacht nimmt die 63-Jährige in der Bankreihe Platz, die der Grabstätte ihrer verstorbenen Mutter am nächsten ist. „Meine Mutter und ich waren einander sehr verbunden“, sagt die Tochter. „Und hier ist sie mir ganz nah.“

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Die Südstadtkirchengemeinde hatte das Kolumbarium in dem 120 Quadratmeter großen Seitenschiff der Nazarethkirche vor einem Jahr fertiggestellt und eingeweiht. Seither kann jeder Mensch, der einer christlichen Gemeinschaft - gleich welcher Konfession - angehört, sich oder seine Angehörigen dort bestatten lassen. Der Friedhof in der Kirche ist der zweite seiner Art in Hannover. Vor vier Jahren waren in den Seitenschiffen der Misburger Herz-Jesu-Kirche bereits sogenannte Himmelsleitern mit Glasfächern für die Urnen der Verstorbenen errichtet worden.

Im Seitenschiff der Nazarethkirche stehen dagegen sechs 1,80 Meter lange und 2,20 Meter hohe Stahlstelen - v-förmig zueinander angeordnet, mit Platz für 642 Urnen. Auf jeder Seite befinden sich etwa 100 Grabkammern, die mit Aluminium-Bronze-Platten verschlossen sind. Glasscheiben in den Bögen des Seitenschiffes trennen die Grabstätte vom Hauptschiff der Kirche, der Zugang ist durch eine dreigeteilte Glastür in einem der Bögen möglich.

Juliane Freeses Mutter war im Januar verstorben und die erste, die im Kolumbarium in der Nazarethkirche beigesetzt wurde. „Meine Mutter war fasziniert von der Idee, in einem kirchlichen Haus ihre letzte Ruhestätte zu finden“, sagt die Tochter. Zu Lebzeiten habe sie deshalb schon ihre Bestattung dort geplant. Auch Juliane Freese ist von dem Kolumbarium angetan. In diesem geschützten Raum der Kirche blieben alle Außengeräusche draußen, sagt sie. „Sobald ich die Kirche betrete, herrscht diese Ruhe, die die Lebenden und die Toten einander näher bringt.“ Für die 63-Jährige steht deshalb fest: Auch sie will später einmal ihre letzte Ruhestätte in der Nazarethkirche finden.

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Christoph Kampermann, Pastor im Ruhestand, hat vor einem Jahr die ehrenamtliche Verwaltung der kirchlichen Grabstätte übernommen, gemeinsam mit Susanne Pundt-Forst, Pastorin im Ehrenamt. Die Südstadtgemeinde habe für den Verkauf der Grabstellen jemanden dabei haben wollen, der Seelsorger sei, sagt Kampermann. „Diese Aufgabe hat mich gereizt.“ Schließlich lasse sich der Verkauf der Grabstätten von der Trauer der Angehörigen nicht trennen.

Zwölf der Grabstätten des Kolumbariums sind inzwischen für eine Liegezeit von 20 Jahren verkauft worden, sechs davon sind bereits mit einer Urne belegt. Die noch etwas schleppende Nachfrage führt Kampermann darauf zurück, dass die besondere Begräbnisstätte mitten in der Stadt erst seit einem Jahr besteht. „In der Bevölkerung ist das Kolumbarium deshalb noch nicht so bekannt“, sagt er. Ein sechsköpfiger Ausschuss, dem auch der ehemalige Pastor und seine Kollegin Pundt-Forst angehören, will sich deshalb darum kümmern, dass die pflegeleichte Grabstätte in der Kirche bekannter wird. Dazu sollen auch Veranstaltungen beitragen, die federführend von Pastorin Anja Garbe organisiert werden. Den Auftakt macht im Februar die Ausstellung „Ich begleite dich“. Die gemeinsam von Kirchengemeinde und Ambulantem Palliativ- und Hospizdienst veranstaltete Bilderschau soll die Verbreitung und gesellschaftliche Verankerung der Hospizidee fördern. „Die Ausstellung rückt die Themen Sterben und Tod, als Teil des Lebens, ins gesellschaftliche Bewusstsein“, sagt Garbe.

Wer eine Grabstelle im Kolumbarium kaufen möchte, zahlt für eine Liegezeit von 20 Jahren 2800 Euro. Für jedes weitere Jahr kommen 140 Euro hinzu. Eine Plakette mit Namen, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen kostet zusätzlich 150 Euro. Auch nach der 20-jährigen Liegezeit bleiben die Verstorbenen in der Nazarethkirche. Eine Gruft im Gedenkraum, der sich an das Seitenschiff anschließt, soll später die Asche aus den Urnen aufnehmen. Diese Gewissheit habe für ihre Mutter und sie ebenfalls dazu beigetragen, die letzte Ruhestätte in der Nazarethkirche zu wählen, sagt Juliane Freese.

Das Kolumbarium ist dienstags bis freitags jeweils von 9 bis 16 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Ansprechpartner sind vormittags unter der Telefonnummer 5 248 90 73 oder der E-Mail-Anschrift info@suedstadt-kolumbarium.de zu erreichen.

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