Lothar Mester

Der Schöngeist

Lothar Mester vor den Regalen seines Geschäfts

Lothar Mester fühlt sich in Hannover zu Hause.

Wie schön muss ein Leben sein, das aus betörenden Düften, einem verwunschen wirkenden Bauerngarten, zwei gut laufenden Geschäften, einer harmonischen Beziehung und romantischen Reisen nach Frankreich besteht? Lothar Mester lacht angesichts der Frage, blickt bescheiden zu Boden und bestätigt: „Ja, es läuft alles rund. Ich bin sehr glücklich.“ Mester verkauft in seinem Geschäft „Caprice“ im Ernst-August-Carree seit sieben Jahren ausgefallene Dekoartikel und Düfte. Er war der erste Mieter und fühlt sich in dem historischen Gebäude in der City sehr wohl. „Hannover vermittelt Intimität und Geborgenheit. Ich werde mit Namen auf der Straße angesprochen. Das gibt mir das schöne Gefühl, zu Hause zu sein“, sagt der 50-Jährige.

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Angefangen hat die Erfolgsgeschichte der ungewöhnlichen Produktkombination aus kitschig wirkenden Osterhasen, edlen Bilderrahmen, wohlriechenden Seifen, Badeessenzen und Duftölen mit dem Frisörsalon „Caprice“ am Lindener Marktplatz. Mesters gleichaltriger Ehemann Karl Heinz Hansen eröffnete ihn vor 23 Jahren und dekorierte das Schaufenster nicht mit Shampooflaschen und Haarkurtigeln, sondern mit barocken Engeln, kitschig anmutenden Froschkönigen und pompösen Kerzen. Das alles kamen so gut an, dass immer mehr Kunden bei ihm Deko fürs heimische Wohnzimmer kaufen wollten. Was als Nebengeschäft begann, florierte schnell, sodass Hansen und sein Mester beschlossen, die Dekoartikel im größeren Stil zu verkaufen und einen eigenen Laden dafür zu eröffnen.

Ein großer Schritt für Mester, der von sich selbst sagt, dass er in Geschäftsdingen nicht gerade ein Abenteurer sei. Trotzdem gab er nach 25 Jahren seinen sicheren Beruf als Bankkaufmann auf, um sich mit Haut und Haaren der Dekobranche zu widmen und das Zweitgeschäft am Hauptbahnhof zu eröffnen. Der berufliche Bruch hat Mester gutgetan. „So eine Veränderung bringt Dynamik und beflügelt“, sagt er. Dabei war er gern Bänker, jedenfalls die meiste Zeit. Sein Beruf führte den gebürtigen Westfalen unter anderem nach Hamburg, Berlin und Rostock. Er war stellvertretender Leiter der Filiale der Deutschen Bank am Kurfürstendamm und baute in der Wendezeit eine der DDR-Staatsbanken nach westdeutschem Prinzip auf.

Selbstbestimmtes Arbeiten – das ist für Mester das Zauberwort eines glücklichen Berufslebens. Gemeinsam mit seinem Ehemann ist er viel unterwegs: auf Messen oder in kleinen französischen Manufakturen, immer auf der Suche nach neuartigen Dekorationsartikeln. Denn der Anspruch der beiden ist hoch: „Das, was wir verkaufen, soll es möglichst nirgendwo sonst in Hannover geben“, sagt Mester.

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Ein Ziel, das sich der 50-Jährige auch für eine private Leidenschaft gesetzt hat. In Minden bewohnt er mit seinem Partner ein großes, hundert Jahre altes Haus mit einem Garten, der an das Weserufer mündet. Dort, so betont der Mann mit dem lila Rollkragenpullover und dem grau karierten Sakko, soll es jede Pflanze auch nur einmal geben. Und so blühen allein 70 Rosensorten, 40 verschiedene Schwertlilien, deren Samen extra aus Frankreich eingeflogen wurden, und unzählige seltene Obstbäume wie Quitten und Renekloden in dem kleinen Paradies.

Und wenn man Mester nicht zu Hause, in seinem Garten oder in seinen Läden antrifft, dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Er ist im Urlaub in der Normandie oder mit seinem Partner auf einer Radtour. Aber nur auf Radwegen, auf denen man ganz gemütlich nebeneinander fahren kann. „Sonst kann man ja gar nicht in Ruhe quatschen“, sagt Mester und aus seinen blauen Augen blitzt der Schalk.

von Julia Pennigsdorf

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