Prof. Klaus Pohlmeyers

Der wilde Professor

Seine Leidenschaft für wilde Tiere ist nicht zu übersehen: Überall im Haus, an der Giebel- und Seitenwand und sogar im Carport hängen Hirschgeweihe, Antilopenhörner und exotische Büffelschädel. Im Wohnzimmer geben sich Zebra, Gepard und Löwe ein Stelldichein – als dekorative Felle, versteht sich. Mittendrin sitzt Prof. Klaus Pohlmeyer mit seiner Frau Silvia und berichtet, dass er als passionierter Jäger jede einzelne Trophäe selbst geschossen hat. „Und alle haben eine besondere Geschichte.“ Wie der sehr alte Löwe, den er im afrikanischen Sambia erlegt hat. „Als wir in der Dämmerung zum Auto zurückgingen, wussten wir, dass dort noch kurz zuvor sechs Löwinnen auf der Jagd waren. Das war schon ein mulmiges Gefühl“, erzählt der 63-Jährige.

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Moralische Bedenken hat der gerade aus gesundheitlichen Gründen emeritierte ehemalige Leiter des Instituts für Wildtierforschung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) jedoch nicht. „Wildbiologie ohne Jagd kann man nicht betreiben“, sagt er. „Wir müssen die Bestände vernünftig managen und nutzen.“ In der heutigen Zeit könne man nicht mehr darauf vertrauen, dass sich Pflanzenfresser und Räuber gegenseitig regulierten. Nehme eine Tierart überhand, müsse daher der Jäger eingreifen. Das gelte auch für Afrika. „Die Zebras beispielsweise graben mit ihren Hufen die Graswurzeln aus“, erklärt er. „Werden es zu viele, muss man welche töten, sonst bleibt nur Wüste übrig.“ Mit den Jagdgenehmigungen für alte, kranke oder überzählige Tiere verdienen die afrikanischen Staaten zudem bares Geld – wenn sie dabei die Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzabkommens beachten.

Klaus Pohlmeyer selbst ist schon seit seiner Kindheit von wild lebenden Tieren fasziniert. „In unserem Garten gab es früher kein Vogelnest, das ich nicht kannte.“ Später schnappte sich der Schüler die vom Vater geerbten Jagdgewehre und zog in den Wald. „Ich wollte die Viecher immer in der Hand haben und ganz genau ansehen“, sagt der gebürtige Münsterländer, der mit zehn Jahren sein erstes Kaninchen geschossen und unzählige Tiere zum Angucken eingefangen hat. Sogar die Schule schwänzte er einmal für Wochen, um sich auf die Pirsch zu begeben. Ganz klar, dass auch sein Beruf etwas mit Tieren zu tun haben musste: Klaus Pohlmeyer studierte in Hannover und Wien Tiermedizin und wurde Tierarzt. „Doch die Praxis hat mich einfach nicht ausgefüllt“, sagt er. „Deshalb ging ich zurück zur Hochschule.“ Dabei hatte der Wildtierfan und Vater zweier Kinder von Anfang an ein Auge auf das Institut für Wildtierforschung geworfen – ein sogenanntes An-Institut der TiHo, das sich vornehmlich aus Drittmitteln finanziert, jedoch einem TiHo-Professor untersteht. Vor 20 Jahren war es dann so weit: Der Veterinär konnte die Leitung des Instituts übernehmen, das er dann zu einerForschungseinrichtung mit dem Schwerpunkt Bestandsentwicklung und -monitoring ausbaute. Heute untersucht ein Team von sechs Mitarbeitern, warum sich die Hasen in der Region Hannover so schlecht vermehren oder welche Folgen Hecken für die Biodiversität in der Agrarlandschaft haben.

Dabei hat Klaus Pohlmeyer auch seine zweite Leidenschaft nie ganz aus den Augen verloren: die Archäologie. Er fuhr privat zu Ausgrabungsstätten nach Griechenland und klassifizierte, in Diensten der Hochschule, vergrabene Tierknochen in prähistorischen Gräbern. „Einmal sollte ich sogar für die Kripo Hamburg Tierknochen untersuchen, die vielleicht zu dem Hund eines vermissten Rentners gehören könnten“, sagt er. „Aber es stellt sich heraus, dass das nur Damwildknochen waren.“ Für seinen Ruhestand hat der „wilde“ Professor bereits konkrete Ziele. In Namibia haben er und seine Frau Silvia – die er bei der Jagd kennengelernt hat – eine von hohen Bäumen umgebene alte Rinderfarm gepachtet. „Dort werde ich zweieinhalb Monate lang jagen gehen, die Stille genießen, aber auch weiter beim Nashornschutzprojekt in Erongo und beim örtlichen Gepardenprojekt mitarbeiten“, erklärt er. Im Herbst geht es dann vorerst zurück nach Deutschland. Aber nur vorerst. Denn das Virus Afrika hat sowohl den Professor als auch seine Frau voll im Griff.

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