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Hannover

Die Anzeiger-Kuppel bekommt ein Gerüstdach

Sie müssen ganz nach oben: Insgesamt fünf Traversen werden ab nächster Woche die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses überspannen.

Sie müssen ganz nach oben: Insgesamt fünf Traversen werden ab nächster Woche die Kuppel des Anzeiger-Hochhauses überspannen.

Hannover. Will da etwa jemand zelten in der Innenstadt? Bauarbeiter montieren riesige Gerüsttraversen auf dem steinernen Goseriedeplatz. Doch die Stahlkonstruktionen sollen dort nicht bleiben. Anfang nächster Woche wird ein Kran die 25 Meter langen Gerüstelemente über die Planetariumskuppel des ältesten Hochhauses der Stadt hieven: Das Kuppeldach des Anzeiger-Hochhauses bekommt ein Gerüstdach, Vorbereitung für die große Sanierung des Bauwerks.

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Jede Traverse wiegt 3,8 Tonnen 

Die ersten drei von fünf Elementen sind schon fertig montiert. Am Montagabend rückt der Kran an, dann beginnt die Präzisionsarbeit: 51 Meter über der Straße befindet sich die Kuppelspitze, der Kran muss die jeweils 3,8 Tonnen schweren Dachtraversen so aufsetzen, dass sie vorne auf den Gerüsten rechts und links der Backsteinfassade aufliegen. Dann gibt es eine Weltpremiere: Die Traversen werden auf speziellen Polymerrollen vom vorderen Gebäudeteil nach hinten gerollt , bis sie an ihrem endgültigen Ort liegen.

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Die Bedingungen sind günstig. „Laut Wettervorhersage soll es in der Nacht nicht windig sein“, sagt Jörg Kairies, der Architekt der Madsack Mediengruppe. Windstille erleichtert dem Kran das Arbeiten. Das Spektakel soll in einer Nacht beendet sein – die Straße vor dem ehrwürdigen Verlagsgebäude wird ab den Abendstunden für den Verkehr gesperrt, Interessierte können aber Fotos aus sicherer Entfernung schießen.

Das Anzeiger-Hochhaus gilt als eines der Wahrzeichen Hannovers. 1927 bis 1928 erbaut von Zeitungsverleger August Madsack nach Plänen des Hamburger Architekten Fritz Höger im Stil des Backstein-Expressionismus, hat das Bauwerk mit seiner weithin sichtbaren Kuppel die Bombennächte des Zweiten Weltkriegs fast unbeschadet überstanden. Bei einer Routinekontrolle 2016 aber fiel auf, dass sich die Hanfdübel lösen, die die Kupferplatten auf dem Dach fixieren. Begutachtungen im Inneren ergaben dann, dass auch die Tragkonstruktion der Kuppel nach 90 Jahren Schwächen zeigt, die zwar noch keine Gefahr darstellen, aber Reparaturen nötig machen. Die Madsack Mediengruppe entschloss sich daher 2017, die gesamte Kuppel zu erneuern – sie soll wieder so stabil werden, dass sie weitere 90 Jahre hält.

Innen ist alles vorbereitet

Von innen sind die Vorbereitungen bereits im vollen Gange. Das bisher höchste Kino Deutschlands, die Hochhaus-Lichtspiele, sind vorübergehend in die alte Schalterhalle umgezogen und bieten dort als Lounge-Kino Filmgenuss an. Der gesamte Bereich unter der Kuppel ist entkernt und mit einem Gerüst bis in die Spitze zugänglich gemacht – bis Januar gab es Führungen für HAZ-Leser an dem beeindruckenden Ort. Demnächst wird dort die Sanierung der Innenfläche beginnen – davor geht es außen an die Kupferhaut.

Das Gerüstdach soll mithilfe großer Planen Regen und Schnee abhalten, wenn Hannovers höchste Kuppel für etliche Monate ohne Metallschutz dasteht. Die Planen werden von innen beheizbar sein. Sie verfügen über einen Hohlraum, „ähnlich wie Luftmatratzen“, sagt Architekt Kairies: Mithilfe der Heizung soll verhindert werden, dass Schnee auf dem provisorischen Dach liegt – denn ein Großteil der tonnenschweren Last des Gerüsts stützt sich auf die Terrassen zu beiden Seiten der siebten Etage, die innen mit schweren Stahlkonstruktionen stabilisiert wurden. Wegen der engen Nachbarbebauung können außen nur Teile des Gewichts bis hinab zum Innenhof abgefangen werden.

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„Dünner als eine Eierschale“

Wenn alles nach Plan läuft, ist der gesamte Gerüstbau vor Ende April abgeschlossen. Nach Demontage der Kupferplatten kann der äußere Beton der Kuppelkonstruktion begutachtet und wo nötig repariert werden. Die Gesamtkonstruktion ist filigran: Um trotz der Kuppel möglichst wenig Gewicht auf die Außenmauern des Hochhauses abzulegen, hatte August Madsack ein damals frisch patentiertes Verfahren wählen lassen, bei dem die Tragwand der Kuppel nur sechs Zentimeter dick ist. „Im Verhältnis zum Durchmesser der Kuppel ist eine Eierschale dicker“, hatte der Statiker bei der Berechnung der Sanierungsschritte gestaunt.

Die neuen Kupferplatten sind bereits bestellt. Eine Firma aus Finnland fertigt nach Proben vom Anzeiger-Hochhaus in einer Klimakammer vorpatinierte Kupferplatten, damit Passanten nicht auf den typischen Grünton des Runddachs verzichten müssen – ein mit den Denkmalbehörden abgestimmtes Verfahren. Voraussichtlich im Jahr 2020 soll das Großprojekt der Kuppelsanierung abgeschlossen sein, hofft Architekt Kairies. Dann sollen auch die Hochhaus-Lichtspiele wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren und das Anzeiger-Hochhaus in neuem Glanz erstrahlen.

Von Conrad von Meding

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